Lieber guter Weihnachtsmann

Arne Pahlke, Oktober 2001

 

Lieber guter Weihnachtsmann

Nun schau dich mal im Spiegel an!

Deine Nase rot vom vielen Wein

Besäufst dich jede Nacht im Kämmerlein.

 

Bist ungepflegt und unrasiert,

riechst nach Moder, bist schlecht frisiert.

Du frisst deinen Kummer in dich hinein,

und klagst dich an bei Kerzenschein.

 

Du willst vergessen, was einst geschah.

Sitzt nun seit zweitausend Jahren da.

Und schweigst dich aus und säufst dich tot;

frisst zu viel und rauchst wie ein Schlot.

 

Dein Schlitten steht noch vor dem Haus;

er sieht genau wie du verwildert aus.

Auch deine Rentiere sind alt und grau.

So geh vor die Tür! Nun los! So schau!

Foto by Jacob Wildmann

Nun bedauere dich nicht immerzu!

Hey, der einzig wahre Weihnachtmann bist du.

Die Kinder warten schon unendlich lange Zeit.

Wo ist sie nur hin, deine einstige Barmherzigkeit?

 

Schlechte Menschen ziehen sich deine Kleider an.

Doch du allein bist der wahre Weihnachtsmann.

Nur du trägst diese unversiegliche Güte in deinem Herz,

du allein hast die Antwort auf Konsumterror und Kommerz.

 

Verzeih dir! Verzeih, was einst geschah!

Damals, in der heiligen Nacht irgendwo in Afrika.

Du hast es übersehen, dieses hungernde Kind.

Ganz verlassen lag es dort, und rau war der Wind.

 

Es wünschte sich nur ein kleinen Bissen Brot

Du hast es übersehen - Stunden später war es tot.

Seit jener Nacht bist du nicht mehr in deinen Schlitten gestiegen.

Seit jener Nacht hast du dich anklagend angeschwiegen.

 

Lieber guter Weihnachtsmann,

tu dir und uns dies nicht mehr länger an.

Wir brauchen dich hier mehr als je zuvor.

Komm also  endlich hinter deinem Ofen hervor!

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