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Lieber Magier Roy, © Arne Pahlke 2004 wahrscheinlich waren die zurückliegenden Monate die schlimmsten Deines Lebens. Du hast viele Jahre beharrlich an der Verwirklichung (D)eines großen Zieles gearbeitet; - hast Dir den typischen amerikanischen Traum erfüllt. Doch wie jeder Traum, der vornehmlich aufs Materielle fußt, war auch Dein Traum extrem leicht zu zerstören. Bei Dir reichte im wahrsten Sinne des Wortes ein einziger Prankenhieb, um Dich aus diesem Traum zu holen. Gemeinsam mit Deinem Partner Siegfried bist Du zu einer lebenden Legenden am Magierhimmel aufgestiegen. Darf man Euch beide überhaupt als homosexuelles Paar bezeichnen, ohne dafür eine Unterlassungsklageandrohung zu kassieren? Nicht, dass ich dies wollte. Und nicht, dass ich es überhaupt interessant finden würde, ob nun zwei Männer oder zwei Frauen zusammenleben und ob diese dann miteinander Sex haben oder auch nicht. Interessant finde ich vielmehr, wie viele (insbesondere gesellschaftlich angesehene Personen) um ihre sexuellen Neigung so einen gewaltigen Hokuspokus veranstalten. Aber Dir (Euch) sei dies verziehen. Schließlich seid ihr ja Zauberer und denen muss auch das Auftischen von Scheinwahrheiten gestattet sein. Und kann man eine Bühnenshow und das wahre Leben nach Jahrzehnten im Rampenlicht noch immer verlustfrei voneinander trennen? Ich habe da so meine Zweifel. Auf jeden Fall habt Ihr Euch im Land der Illusionen zu dem größten Bühnenshowillusionistenpaar hochgezaubert. Und dabei seid ihr ganz nebenbei zu Mulidollarmillionären aufgestiegen, was Ihr nicht zuletzt durch die „Domestizierung“ einer Heerschar weißer Tigers bewerkstelligt habt. Gemeint sind die unter einer Stoffwechselerkrankung leidenden Albinokätzchen, die in freier Natur keine Überlebenschancen haben; - die aber dessen ungeachtet trotzdem dazu in der Lage sind einen Magier zu erlegen.
Womit wir bei dem verhängnisvollen Auftritt wären, der Dein Leben im November 2003 mit einem Schlag veränderte, weil sich Dein von Dir erklärter Lieblingstiger in Deinem Hals verbissen hat. Dein Siegfried wertete dies als Schutzimpuls oder Schutzhaltung des Tigers. Und ich werte diese seine Bewertung als einen wirklich liebenswerten Versuch Realitäten zugunsten der Verlängerung eines Traumgebildes, eben einer Illusion, aufrecht zu erhalten. Die Folgen der Tigerattacke sind hinreichend bekannt, wenngleich insbesondere die Boulevardpresse mehrmals Dein baldiges Ende prognostiziert hat. Dies solltest Du ihnen aber nachsehen, lieber Roy. Für die Boulevardpresse gibt es im Grunde genommen nur Extreme: Katastrophen, Wunder, Schurken, Heilige. Und bei Euch im Showbiz sieht es schließlich nicht wirklich anders aus, oder? Dein erster Fernsehauftritt nach der Tigerattacke hatte schließlich auch etwas von einem Wunder. Der derzeitige Stand (20. Juni 2004) der Dinge ist, dass Du wieder sprechen, reden und laufen kannst. Allerdings wird Dein linker Arm wohl für immer gelähmt bleiben? Was ich Dir aber eigentlich sagen wollte, lieber Roy, ist Folgendes: Die (Deine) Show ist vorbei! Natürlich könntest Du Dich selbst noch als vollständiger Krüppel (… wenn Du denn einer wärst) von Siegfried im Rollstuhl über die Bühne schieben lassen. Ja, vielleicht könntest Du Dich sogar - festgezurrt an Seilen - quasi über Dein Schicksal erheben und über die Bühne schweben. Und Ihr würdet wohl selbst dann noch riesige Hallen füllen, wenn Ihr fortan nur noch mit einem einzigen alten weißen Tiger auflaufen würdet, den ihr vorher sogar noch unter Beruhigungsmittel setzen dürftet. Und doch weißt Du genauso gut wie ich, warum viele Menschen von nun an nur noch zu Deiner (Eurer) Show kommen würden. Doch nicht etwa, weil sie von Dir eine größere und bessere Show erwarten, als Du sie vor diesem Unglück abgeliefert hast, sondern weil sie die Sensationsgier treibt. Sie fragen sich: „Wiederholt sich eine derartige Tigerattacke?“, und “Wie bewältigt der gezeichnete und teilweise gelähmte Roy die Show?“ Glaub mir, Du würdest Dich selbst zu einer Art Freak degradieren, wie sie früher auf Jahrmärkten ausgestellt wurden. Tue Dir dies nicht an. Du hast so viel Geld in Deinem Leben verdient. Genieße Deinen Reichtum und bereichere Dein Leben in Zukunft fern aber aller Illusion. Herzliche Grüße Arne Pahlke |
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® sämtliche Textrechte liegen bei Arne Pahlke/Wortmutation |
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