Mein BDSM  (Fragen und Antworten) © Arne Pahlke, April 2010

 

1. Devot oder Dominant ?

Heute bevorzuge ich den dominanten Part; - die Rolle des Dominus, des Führers, des (Be-)Herrschers, des freundlich-fiesen Despoten. Aber das war nicht immer so! Vor allem in jungen Jahren übernahm ich fast ausnahmslos die devoten Rolle. Und dies, obgleich ich bereits damals sehr viele dominant/sadistische Phantasien hatte. Aber ich fühlte mich wohl irgendwie noch nicht „reif“ genug für die andere Seite.

Ich war als Devoter allerdings immer das, was man einen „aggressive Bottom“ nennt, also ein Vertreter jener anstrengenden Bottom-Sorte, die ihre Tops manipulieren und ein “Topping from the Bottom” betreiben. Ich wollte z.B. immer nur dann Sklave sein, wann ich es wollte und auch nur so lange, wie ich es wollte. Meine weiblichen und männlichen Tops hatten sich oftmals vor allem nach mir zu richten!



2. Lebst Du diese Neigung auch aus ? Virtuell oder real ?

Ich habe meine Neigung und viele daraus resultierenden Phantasien real ausgelebt. Doch einige meiner Phantasien werden auf ewig „Wichsphantasien“ bleiben. Und in vielen Fällen ist dies auch wirklich besser so, da ich (wie wohl annähernd jeder BDSM-Anhänger) auch solche Phantasien habe, die, würde man sie real umsetzen, einfach zu heftig wären.

Und nicht alles, was man sich in seiner Phantasie toll vorstellt, ist es dann am Ende in der Realität auch. Aus meiner persönlichen Erfahrung heraus würde ich sogar sagen, dass je abgründiger und umfassender eine sexuelle Phantasie ist, so unwahrscheinlicher wird eine befriedigende Realisierung ebendieser Phantasie. (lese hierzu auch: unrealistische Sklavenphantasien)

Ich habe meine Phantasien in sogenannten einzelnen BDSM-Sessions ausgelebt und auch innerhalb einer Partnerschaft. Und das Ausleben sadomasochistischer Phantasien innerhalb einer Beziehung empfand ich dabei fast ausnahmslos erfüllender.

Eine(n) Session-Sklaven/Sklavin zu haben, hat in den letzten Jahren für mich zunehmend an Reiz verloren. Zu oft kam ich mir dabei bereits wie ein „Erfüllungsmeistersklave“ vor. Außerdem lassen sich viele meiner Phantasien nicht in nur einer Session umsetzen. Für vieles braucht es einfach Zeit und Vertrauen. Und bei diesen „Einweg-Sessions“ wirkt mir oftmals alles zu inszeniert. Und wenn Sex auf mich einen zu inszenierten Eindruck macht, dann törnt mich dieser in der Regel ab

 

Arne Pahlke - Januar 2011

Ich (Januar 2011) - Lust auf eine dauerhafte BDSM-(geprägte)Verbindung? SCHREIB MIR!


3.) Wie alt warst Du, als Dir Deine Neigung bewusst wurde ? Und wie alt, als Du sie das erste Mal real ausgelebt hast ?

Ich war wohl ungefähr 8 Jahre alt, als ich meine sadomasochistische Neigung erstmals bewusst wahrgenommen habe. Und zum ersten Mal ausgelebt habe ich sie dann als 12 jähriger mit einem gleichaltrigen Freund. Und dieses erste Ausleben, was sich über einen Zeitraum von etwa einem halben Jahr (in circa 30 „Sessions“) erstreckte, zählt für mich bis heute zu den befriedigendsten SM-Erlebnissen meines Lebens. Denn, alles was wir taten, taten wir wie zwei Kinder – spielerisch und dennoch oder gerade deswegen mit einer ganz besonderen Tiefe und Intensität.

Im Fernsehen lief die Serie „Roots“, die die Sklaverei in den Südstaaten zum Thema hatte. Und wir beide wollten diese Serie nachspielen – und daraus wurde dann dieses ganz besondere Spiel, dass uns immer mehr in seinen Bann zog. Kurzum: Ich wurde sein Sklave. Das seinerzeit Erlebte habe ich vor vielen Jahren in einer Geschichte (lese hierzu: Roots ) zu Papier gebracht, wenngleich  darin auch nicht alles zur Sprache kommt.

Danach fand bis zu meinem 24ten Lebensjahr praktisch kein BDSM mehr statt. Erst nach meiner Scheidung entdeckte ich BDSM für mich neu und zwar mit Nachdruck. Ich ging auf die damals (1994-1999) in Hamburg stattfindenden DOMINATION-Veranstaltungen und probierte vieles aus – mal als Sklave, mal als Meister – mal als Switcher.
 

 

4. Bist Du schon einmal gefesselt worden bzw. hast gefesselt ?

Sowohl als auch. Wobei ich schon damals, als ich noch eher als Bottom unterwegs war, lieber selbst fesseln wollte, als gefesselt zu werden.

Ich fessle sehr gerne und berausche mich an nackten gefesselten Frauen und Männern, die vor mir kauern und mir (meiner Lust) hilflos ausgeliefert sind.  Fesseln ist ein wunderbares Macht- und Ohnmachtsinstrument; - wobei ich mit Ohnmacht die Machtlosigkeit und das Ausgeliefertsein des Gefesselten meine. Für mich ist Bondage aber Mittel zum Zweck. Frauen oder Männer, die  einfach nur gefesselt werden wollen und dann für Stunden „weggelegt“ werden möchten, um dann wieder entfesselt zu werden, finde ich langweilig.

Ich möchte mit meinem „Opfer“ spielen. Und dies kann (je nach sexuellen Vorlieben meines Gegenübers) auch ganz soft ausfallen. Selbst, wenn ich eine gefesselte Frau oder einen gefesselten Mann nur überall streichle und küsse, erregt mich dies und kann mir bereits vollends genügen. Ich ergötze mich gerne an einem mir dargebotenen Leib und schaue mir diesen ausgiebig und sezierend an. Aber  zweifelsohne  liebe ich es auch, ein wehrloses „Opfer“ lustvoll zu quälen, es um Gnade winseln zu lassen; - es sexuell zu benutzen – halt mit ihm zu „spielen“, wie es uns beiden gefällt.

Ich mag leichte Fesselungen (z.B. einfach nur Hände auf den Rücken) bis hin zu Komplettverpackungen (z.B. in einfacher Frischhaltefolie). Und sehr gerne fessle ich auch in demütigenden Körperhaltungen.

 


Ich liebe es, einen in meinen Augen schönen Körper zu fesseln

 

5. Bist Du schon einmal ausgepeitscht worden bzw. hast ausgepeitscht ? Wenn ja: In welchen Körper-Regionen ?

Ich wurde wohl selbst 4-5 Mal ausgepeitscht – auf Rücken, Arsch und Füße. Ich bin aber so gut wie überhaupt nicht schmerzgeil, sondern habe meine Lust damals aus der jeweils demütigenden Situation gezogen.

SEHR viel häufiger habe ich Männer und Frauen gepeitscht/geschlagen. Und auch hier zog und ziehe ich meine Lust nicht aus dem reinen Vorgang des Schlagens, sondern vielmehr aus dem Umstand, dass ich die Macht dazu habe; - bzw. dass sie/er mir diese Macht in die Hand legt – mich sogar darum anfleht/anbettelt.

Doch peitschen/schlagen darf bei mir nie die Hauptrolle spielen! Frauen/Männer, für die diese Form der körperlichen Züchtigung praktisch jedes Mal fast zwingend dazugehört, sind nichts für mich. Für mich ist es nur eine von vielen Möglichkeiten, Macht auszuüben und Unterwerfung und Demütigung zu erzeugen/zu erzwingen.



6. Warst Du in der Öffentlichkeit (z.B. in einem Wald) schon einmal gefesselt bzw. hast dort jemanden gefesselt ?

Ich kenne beide Seiten. Bei einer meiner letzten Sessions als Sklave (im Jahre 2005), wurde ich nachts vor einem Freibad in Hamburg nackt an einen Baum gebunden. Dasselbe habe ich auch schon mit Männern getan – allerdings nicht vor einem Freibad. Ich liebe bei solchen Aktionen vor allem den Kick, dass man uns bei unserem Treiben entdecken könnte.
 

7. Bist Du schon einmal vorgeführt worden bzw. hast Du schon einmal jemanden vorgeführt ? Egal ob im privaten Kreis oder im Rahmen einer BDSM-Kreises

Früher (um 1996) wurde ich z.B. von einem lesbischen Paar in eine „Sissi“ verwandelt und in diesem Aufzug dann sehr demütigend vorgeführt. Und die Frauen hatten ihren Spaß daran, einen Mann – soweit es nur irgendwie geht - zu „entmännlichen“ und ihm auf diese Weise demütigend zur Schau zu stellen.

Sehr viel häufiger habe aber ich aber (vor allem Männer) öffentlich vorgeführt/gedemütigt. So habe ich mir von Jungs und Männern oft öffentlich (in Cafes, auf den Alsterweisen etc.) meine Füße lecken lassen. Und einer meiner Ex-Freunde musste sich häufig extra extrem schlampig oder tuntig zurechtmachen, um dann so mit mir auszugehen, was ihm natürlich schrecklich peinlich war – aber ihm gleichermaßen auch unheimlich erregte.

Und dann gab es noch viele Vorführungen in der „geschützten Öffentlichkeit; - also auf BDSM-Veranstaltungen. Doch diese Art von Vorführung empfand ich (fast ausnahmslos) als zu inszeniert, weshalb ich solche BDSM-Faschingsveranstaltungen seit Jahren nicht mehr besuche, da ich auch das Tragen von Fetisch-Kleidung oft als zu inszeniert empfinde. Da ziehe ich jede noch so kleine Vorführung in der echten Öffentlichkeit vor, indem ich Mann/Frau z.B. eine Windel umlege, um danach mit ihm/ihr raus zu gehen oder ein Typ muss für mich Dessous unter seiner normalen Kleidung tragen , die er dann Draußen – etwa bei einem Waldspaziergang –  ablegen muss.

 

8. Nenne die 3 Accessoires aus Deinem "BDSM-Fundus", die Du am meisten magst.


Bondagematerialien, Knebel, Masken, Spekulum, Plugs etc.


Öhm, soviel zu meinem BDSM-Fundus ;-)

 

9.. Welche(s) Accessoire(s) fehlt Dir / fehlen Dir noch bzw. würdest Du Dir gern zulegen ?


Ach, da gibt es viele. So hätte ich u.a. gerne einen schalldichten (zellenartigen) Raum, in dem ich eine(n) Sklaven/Sklavin stunden- bis tageweise wegsperren kann. Nur bei Bedarf würde ich das Objekt dann aus der Zelle befreien, damit es mir z.B. etwas kocht, mir sexuell zur Verfügung steht, einkaufen geht oder sich ganz zärtlich von mir streicheln lässt, bis ich wieder genug von dem Objekt habe und es zurück in seine Zelle bringe.

Bei feminin/androgynen Boys/Männern mag ich es, sie zu feminisieren – also lauter Accessoires zu verwenden, die sie weiblicher machen. Und es gibt viele Boys/Männer, die das gerne mit sich geschehen lassen. Aber zu meinem Bedauern habe ich noch keine Frau gefunden, die das Gegenteil mit sich hat anstellen lassen – also auf Anordnung männliche Kleidung/Unterwäsche trägt und sich von mir eine völlig unweibliche 3mm-Kurzhaarrasur verpassen lässt. Das würde mich wahnsinnig erregen. Aber was nicht ist, kann ja noch kommen!
 

 

ich stehe auch auf “süße Folter”

 

10. Würdest Du Dir manchmal wünschen, vollkommen ohne BDSM-Neigung zu sein ?

Früher als Jugendlicher und junger Mann habe ich meine Neigung oft verflucht. Ich wollte oft wie meine Freunde sein, die in meinen Augen alle (scheinbar) einfache und glückliche Beziehungen führten. Ich hingegen empfand den normalen Begattungsakt oft mehr als Kraftakt, denn als befriedigend, weshalb ich mich geradezu davor gefürchtet habe. Dazu kam, dass ich neben Frauen auch auf Typen stand – ich fühlte mich also gleich doppelt anders und „pervers“.

Heute empfinde ich mich als ein sexuell äußerst reichen Menschen. Ich kann erfüllenden Sex mit Frauen und Männern haben – und inzwischen kann mich sogar ganz „normalen“ Sex – ohne jeden Anflug von BDSM - rundum befriedigen. Es genügt mir mein Wissen, das ich auch anders kann, wenn ich will. Doch auch, wenn mich ganz normaler Sex inzwischen befriedigen kann, könnte ich mir keine Beziehung mit Mann/Frau vorstellen, die SM kategorisch ablehnt.

BDSM ist für mich heute so normal geworden, das ich darüber mitunter ganz vergesse, dass er das für viele Menschen nicht ist. Ich rede oft so offen darüber, wie andere Leute über ihren Kuschelsex. Wenn sie etwa sagen: „Mein Süßer und ich habe gestern auf dem Sofa gekuschelt und danach hat er mich gefickt“, dann erwidere ich genauso selbstverständlich: Ja, gekuschelt haben wir gestern auch. Und danach hat sie/er eine Hundeleine angelegt bekommen und musste aus einem Napf fressen.“



11. Hast Du schon einmal an einer BDSM-Session mit mehreren Personen teilgenommen ?


Ja, häufiger! Ich bin aber kein großer Freund von „Gruppensex“. Was mich allerdings seit vielen Jahren reizt, das ist die Vorstellung, eine Frau zu finden, die in meinem Beisein mit Typen Sex hat, die ICH ihr aussuche. Das Besondere dabei wäre allerdings, dass ich ihr keine erfahrenen Stecher mit großen Lanzen suche, sondern eher feminin wirkende Jüngelchens. So könnt ich mich an ihr - dem Akt - und an dem Jungen sattsehen.

Naja, man wird ja mal träumen dürfen.

 

12. Trägst Du ein "Zeichen" (z.B. einen Ring der O) an Dir, durch dass man Dich als BDSMler erkennen könnte ?

Ja, die Zahlen 666 sind in meine Seele eingebrannt! Nein, ich trage kein Zeichen und finde so etwas auch albern. Ich trage auch keine Tattoos oder Piercings – nicht einmal einen Ohrring oder eine Armbaduhr habe ich. Und ich will auch nicht direkt als BDSMler wahrgenommen werden, sondern als das komplexe Gesamtpaket, das ich nun einmal darstelle.
 



14. Hast Du beim BDSM jemals die Kontrolle über Dich verloren ? Zum Beispiel ein Tabu Deines Partners verletzt ? Für DEVs: Ist Dir so etwas schon einmal passiert ?


Nein, noch nie! Ich bin ein fürsorglicher Dom/Master/Herr/Sadist. Ich will, dass auch mein(e) Sklave/Sklavin Spaß hat, denn ich ziehe Lust aus seiner/ihrer Lust. Allein deshalb bin ich stets darauf bedacht, das er/sie sich wohl fühlt.

Und auch das Auffangen des devoten (Sex-)Partners ist mir wichtig. Ich genieße es sogar. Und für mich bilden Zärtlichkeit und SM keinen Widerspruch – ich brauche sogar ein gewisses Maß an Zartheit selbst bei der Ausführung härtester Praktiken. Damit kann man den devoten Partner beruhigen und ihm signalisieren: „Ich bin zwar böse zu dir - aber ich will gleichzeitig, dass es dir bei alledem gut geht“

 

.15. Welche Phantasie, die Du aus dem BDSM-Bereich hast, würdest Du gern einmal real ausleben ?

Einmal wäre de die unter Punkt 12 aufgeführte Phantasie. Und dann habe ich noch die Phantasie, einen jungen femininen Mann mehr und mehr (auch mittels Hormonen) in eine Frau zu verwandeln. Umgekehrt täte ich so etwas auch sehr gerne mit einer Frau – auch inklusive Hormone. Und außerdem gibt es da diese ganz profanen und weit verbreiteten (aber ungern ausgesprochenen) Vergewaltigungsphantasien. Überdies würde ich gerne mal über einen längeren Zeitraum einen jungen Mann oder eine Frau wie eine Kleinkind oder Baby behandeln;- mit allem drum und dran - fürsorglich - mütterlich – väterlich - erzieherisch – und natürlich abgründig und verdorben. Ach, ich habe hunderte Sex-Phantasien - und darunter auch welche, die als absolutes Tabu gelten und nicht einmal öffentlich ausgesprochen werden sollten, was ich hiermit denn auch nicht tue.


Meine Phantasien sind meist sehr umfangreicher/umfassender Natur und begrenzen sich in der Regel nicht auf eine einzige sexuelle Handlung.
 


16. Hast Du während einer BDSM Session schon einmal Dein Safeword gebrauchen müssen (DEV) bzw. hast schon einmal ein Partner / eine Partnerin während einer BDSM Session ihr Safeword gebraucht ?

Ja, vor vielen Jahren hatte ich bei einem vorher so nicht abgesprochenen Atemkontrollspiel Todespanik bekommen, da ich diesbezüglich traumatische Erfahrungen habe.

schreibe einen Kommentar..
Dein Kommentar zum Text abgeben

Dark Eva 1 April 2010

Boah. Großartig und sehr interessant! Bislang habe ich wirklich was  verpasst, weil ich dein Blog nicht studiert habe. Sowohl deine  Ausdrucksfähigkeit als auch deine sympathische Offenheit sind  faszinierend. Danke, dass ich das lesen durfte!

Des-Lebens-Müde 7. April 2010

Oh Mann, wenn man solche Stöckchen (hab den Ausdruck vorher noch nie gelesen! :O) liest, wird man selbst ganz kribbelig...zumindest regt es die eigene Fantasie an!

Dominanzwelt, 10, April 2010

Ich habe dieses Stöckchen selbst schon ausgefüllt und es auch schon bei vielen anderen Bloggern gelesen... selten war das so interessant, wie bei Dir...  Der Dominante

® sämtliche Textrechte liegen bei Arne Pahlke/Wortmutation