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Sonntag, 3. Juli 2005
Meine Lieblingsspielzeuge
Meine allerersten Spielzeuge kann ich mir aus allseits bekannten Gründen nicht mehr ins Gedächtnis rufen, obgleich ich ein aufgewecktes Baby gewesen sein soll. Meine Mutter erzählte mir später allerdings, dass ich ganz versessen auf Mobiles gewesen sein soll, durch dessen tänzelnde Bewegungen man mich auch über längere Zeitspannen ruhig stellen konnte. Und ich hoffe einfach mal, dass man mich dadurch nicht allein ruhig sondern auch vorübergehend glücklich machen konnte. Eines der ersten Kinderspielzeuge, an das ich mich erinnern kann, war mein grauweißes Spielzeugtelefon, welches einem ganz gewöhnlichen Telefon ebendieser Zeit nachgebildet war. Und zu den frühen Spielzeugen, die es mir unbedingt angetan haben, zählte ein wunderschöner voluminöser Brummkreisel, der eine äußerst liebevoll gestaltete Winterlandschaft zeigte, die stets dann von einem wirbelnden Schneesturm eingedeckt wurde, sobald man den Kreisel in Schwingungen versetzte. Ich besaß diesen Brummkreisel übrigens noch, als ich eigentlich schon längst aus dem Kreiselalter hinausgewachsen war. Wobei die Frage erlaubt sein muss, was eigentlich das ideale Brummkreiselalter ist?
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Ich mit meinem geliebten Telefon
In den frühen Jahren meiner Existenz liebte ich außerdem jede Form von Bauklötzen, wovon ich jede Menge mein Eigen nannte. Und diese Bauklotzsammlung wollte ich auch bis zu meinem 14. Lebensjahr nicht hergeben. Es tröstet mich allerdings zu wissen, dass sie nunmehr in sehr guten Händen sind. Besonders großartig fand ich jene Bauklötze, die meine Mutter mir direkt von einer Tischlerei gekauft hatte. Ich glaube, Bauklötze wie diese wären heute für Normalverdiener fast unbezahlbar. Viele dieser Klötze waren übergroß, sodass ich damit riesige Burgen, Tempelanlagen und andere Phantasiearchitekturen errichten konnte.
Doch noch weitaus mehr als meine Bauklötze, liebte ich meine Legosteinsammlung. Und diese nahm mit jedem Lebensjahr weiter an Umfang zu. Als Sechsjähriger hatte ich bereits eine komplette Waschmittelpackung voll von Steinen. Wenn ich mich richtig erinnere, dann war es so ein großer runder Ariel-Vorratspack, für den Clementine seinerzeit die Webetrommel rührte. Ende der Sechziger und Anfang der siebziger Jahre gab es übrigens viel weniger vorgefertigte Lego-Spielzeuge, als dies heute der Fall ist. Früher war die Phantasie eines Kinder noch mehr gefragt. Lediglich ein „vorgefertigtes“ Polizeirevier zählte zu meiner Sammlung, die ansonsten ausnahmslos aus zahlreichen Basic-Paketen oder diversen Ergänzungs- und Kleinteilen bestand. Meist habe ich mir bewohnbare Gebäude ersonnen und zusammengesteckt, wobei ich oft nach einem bestimmten Muster verfahren bin. Hierbei habe ich zunächst ein sehr baufälliges und hässliches Einkaufszentrum, Hochhaus oder Gefängnis etc. errichtet, welches ich dann im zweiten Schritt renoviert, umgebaut oder auch annähernd komplett abgerissen und neu aufgebaut habe. Und sobald mein Bauwerk dann zu meiner vollen Zufriedenheit fertiggestellt war, war sein Ende besiegelt. Sodann folgte die abschließende Zerstörung, die oft Teil meiner Legosteinbauereien war. Werden und Vergehen als Spiel. Allerdings „entfremdete“ ich meine Legosteine auch sehr gerne, z.B. als Wurst oder Fleischwaren. Ich baute mir dann mit ihrer Hilfe ein Geschäft auf. Und dafür verwandelte ich z.B. einen roten 8er-Stein in ein Schnitzel oder Kotelett und mehrere zusammengesetzte Steine ergaben einen Fleischstrang, von dem ich dann die von einem Kunden gewünschten Stücke “abschneiden” konnte. Kleine Steine machte zur Aufschnittware, gelbe Steine zu Käse und so weiter und so fort.
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Mein erster Kaufmannsladen
Und damit wäre ich bei einem meiner absoluten Lieblingsspielzeuge angelangt, meine geliebten Kaufmannsläden. Zunächst bekam ich einen kleinen himmelblauen (siehe Foto) und später dann einen von meinem Stiefvater selbstgefertigten viel größeren Roten. Im Laufe der Zeit brachte ich es zu reichlich Zubehör. Vor allem hatte ich irgendwann massig Miniprodukte, die den Realvorbildern mehr oder weniger liebevoll nachgebildet waren. Und ständig musste meine Mutter mir neue Verpackungen dazu kaufen, obgleich ich bereits viel mehr besaß, als selbst mein großer roter Holzladen fassen konnte. Aber wozu hatte ich schließlich meine großen Bauklötze? Damit ließen sich von mir etliche zusätzliche Regalflächen errichten und überdies ein großes Lager. Oh ja, ich nahm meine Kaufmannsspiele bei aller Verspieltheit sehr ernst. So war ein gewisser Realismus für mich absolut notwendig, sollte mich das „Spiel“ längerfristig fesseln. Somit gehörte z.B. die Tagesabrechnung genauso dazu wie auch die Unterscheidung zwischen An- und Verkaufspreisen. Und dies bereits zu einem Zeitpunkt, als meine Rechenkünste noch arg zu wünschen übrig ließen.
Playmobilfiguren nebst jeder Menge Zubehör gehörten ebenfalls zu meinem favorisierten Spielzeug. Und auch bei diesen Plastikmännchen bevorzugte ich Einzelfiguren nebst kleinen Spielsets, die mir ausreichend Freiraum zur persönlichen spielerischen Entfaltung ließen. Ich war nie scharf auf diese große vorgefertigte Burgen, Piratenschiffe oder Krankenhäuser und andere Komplettsets. Weitaus lieber gestaltete ich mir aus meinen Legosteinen, Bauklötzen, Brettspielinhalten und Playmobils eigene Welten. Dies wurden dann meist kleine Städte, in denen es z.B. Ärzte, Einzelhändler, einen Bürgermeister, Bettler, Verbrecher, Arbeiter etc. gab. Bei diesem Spiel mussten meine Legosteine oft als Zahlungsmittel herhalten. Und dabei wurde von mir alles peinlich genau aufgeschrieben, z.B. was eine Arzthelferin oder ein Sheriff verdient und wie viel Geld davon für seine Miete abging etc.
Ich möchte in dieser kurzen Rückbetrachtung allerdings auch nicht verschweigen, dass ich mitunter gerne mit den Sachen meiner Schwestern spielte, so z.B. mit ihren Puppenhäusern und zahlreichen Barbies, schließlich hatte ich drei ältere und zwei jüngere Schwestern und somit war sehr viel Mädchenspielzeug vorhanden. Auch spielte ich gerne mit den großen Puppen meiner Schwestern, die ich gerne komplett neu ein- und auskleidete oder anderweitig umsorgte. Vor allem liebte ich dieses Puppenmädchen, das direkt zu pinkeln anfing, nachdem man ihr zu trinken gab. Das schaute ich mir zu gerne an. Dass übrigens die Spielerei mit Puppen etwas Mädchenhaftes sein soll, dies wäre mir seinerzeit überhaupt nicht in den Sinn gekommen, wenn mich meine beiden älteren Brüder nicht wiederholt darauf aufmerksam gemacht hätten. Da ich aber auf Puppenspiele nicht verzichten wollte, schloss ich mich halt in meinem Zimmer ein und spielte eben heimlich mit Mädchenspielzeug. Oder aber ich ging zu meiner seinerzeit liebsten Spielfreundin, die ganz viele Puppen besaß. Bei unserem Lieblingsspiel betrieben wir eine Kinderklinik, wobei ich der leitende Arzt und sie meine Assistentin war. In ihrem Zimmer lagen dann weit über ein Dutzend Puppen aus, mit Verbänden (nasse Taschentücher und Toilettenpapier etc.) und anderen Hilfsmitteln verziert.
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..aber ich liebte auch “echtes Männerspielzeug”
Überdies spielte ich häufig mit vielen kleinen Plastiktierchen. Mit diesen Figuren baute ich mir z.B. einen Zoo, in dem es nicht selten zu jeder Menge (blutigen) Zwischenfällen kam. Oder aber ich errichtete mir einen Safari-Wildpark, wo dann auch meine Matchboxautos zum Einsatz kamen. Meinen Autos erging es übrigens meist nicht besonders gut. So waren Karambolagen, Massenunfälle und wahnsinnige Stunts ihre bevorzugten Einsatzgebiete. Somit war ich also auch für typische Jungenspiele zu begeistern, so z.B. für meine Cowboy- und Indianerfiguren, wobei es mir auch meist um reine Kriegsspiele ging. Aus diesem Grund nervte ich meine Mutter auch so lange, bis sie mir endlich Plastiksoldaten, Plastikpanzer und Co kaufte, damit ich Kriegsszenarien nachspielen konnte. Ich erinnere mich noch genau daran, wie sich meine Mutter gegen mein Kriegsspielzeug sträubte. Da ich aber als kleiner Junge ziemlich lange beleidigt und dabei höchst seltsam werden konnte, wenn ich nicht bekam, was ich wollte, gab sie irgendwann entnervt nach. Ich liebte mein Kriegsspielzeug und das damit verbundene Ersinnen von Schlachtplänen. Und mit meinen vielen Soldaten spielte ich am liebsten gemeinsam mit einem meiner Freunde, weil ein Vernichtungskrieg eben einfach viel mehr Spaß bringt, wenn sich ein menschlicher Gegenspieler zur Vernichtung zur Verfügung stellt.
Ich besaß viel Spielzeug im Verlauf meiner Kindheit, was nicht zuletzt mit meinen älteren Geschwistern zu tun hatte, von dem ich das eine oder andere Spielzeug vererbt bekam. Mein letztes Kinderspielzeug, was gleichzeitig den Übergang in meine pubertäre Phase einläutete, war die alte Eisenbahnanlage meines Stiefvaters, die ich mir im Keller aufbauen durfte. Hierbei favorisierte ich, wie wohl jeder richtige Modelleisenbahner, insbesondere das Auf- und Umbauen, während mich der reine Fahrbetrieb eher langweilte, zumindest dann, wenn er reibungslos verlief.
Doch trotz meiner vielen Spielzeuge war ich maßgeblich für meine eigenen Phantasiespiele zu begeistern, die mehrheitlich ohne gekauftes Spielzeug auskamen und über dies ich HIER schreibe. Außerdem war ich als Kind kein Stubenhocker, sondern spielte in allen vier Jahreszeiten vorrangig draußen, wo ich auf Grund meiner Ideen ein beliebter Anlaufpunkt war. Und selbst heute noch, bin ich es, der z.B. für meinen Sohn und seinem kleinen Bruder fast alle Spielideen liefert.
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