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Meine Zeit im Indianapolis (Rollschuhdisco) Arne Pahlke /Eintrag Autobiografie
„Indianapolis, weit von Los Angeles. Das ist mein Ziel.“, heißt es in einem schnulzigen Song von Howard Carpendale, der in einer längst nicht mehr existenten Diskothek jeden Sonnabend (um circa 20 Uhr) als Opener gespielt wurde. Und Indianapolis hieß die Rollschuhdisco, in der ich über Jahre mindestens an einem Samstag im Monat zu finden war. Heute ist in dem Gebäude ein Verteilerlager der 3B-Scientific zu finden. Die 3B-Scientific vertreibt anatomische Modelle, u.a. auch Schädel und Skelette. Einen schurkenhafteren Fingerzeig eben darauf, dass meine Jugend ein für allemal Geschichte ist, hätte man mir kaum manchen können. Ich bin ein Grufti und dort, wo ich als Jugendlicher viele Samstagnächte verbracht habe, lagern heute ebenfalls nur noch Gruftis. Wenn ich im Indianapolis auftauchte, hatte ich oftmals lediglich 5 Mark dabei. Drei Mark für den Eintritt und zwei Mark für ein Bier. Es sei denn, ich konnte mich mal wieder für ein paar Wochen in eine Anstellung als Lohnsklave zwingen. Aber selbst dann investierte ich mein Geld meist lieber in Langspielplatten als in Discothekenbesuche. Entweder war ich mit Leuten aus meiner kleinen Clique im Indianapolis oder mit meinem Freund Thomas, den ich über seine Mutter kennengelernt habe. Sie war Regalauffüllerin in eben jener Lebensmittelabteilung, in der ich zum Fachverkäuferidioten ausgebildet wurde. Mitunter tauchte ich aber auch mit Carsten in der Rollschuhdisco auf, einem anständigen und biederen Jungen, der allerdings ein kleines gar nicht so anständiges Geheimnis mit mir teilte. Wenn es mit Thomas ins Indianapolis ging, so bewältigten wir die Strecke zu Fuß, was etwa eine knappe Stunde in Anspruch nahm. Auch zurück ging es fast immer zu Fuß. Und dieser Marsch war nicht ganz ohne. Zumindest war er dies dann nicht, wenn man ihn allein zurücklegte. So führte ein Teil des Weges durch Ausläufer des Sachsenwaldes. Es herrschte auf einer Strecke von etwa 1,5 Kilometer fast völlige Dunkelheit. Und wann immer dieser Abschnitt anbrach, beschleunigte ich fast automatisch mein Schritttempo. Und nicht selten wurde ich dabei von einer solch starken inneren Unruhe erfasst, dass ich wie ein von einer Bestie Verfolgter bis zur rettenden Schleswig-Holstein-Landesgrenze lief, wo ich endlich wieder von Licht umgeben war. Als besonders schauderhaft empfand ich es immer, wenn auf diesem finsteren Straßenabschnitt ein Auto von hinten kam. Die Lichter des Autos erhellten den Wald dann kurz, um ihn sofort wieder in eine tiefe Finsternis zu hüllen. Aber dieser kurze Augenblick reichte bereits aus, um mir Fragen zu stellen wie: „War da nicht eben irgendwas oder irgendwer im Wald zu sehen?“. Und wann immer ich mir eine solche Frage stellte, wurden meine Beine unruhig und wollten unbedingt die Schrittzahl erhöhen. Schließlich wurden in diesem Waldabschnitt schon Tote gefunden, wenngleich es – bis auf eine Ausnahme, allesamt Selbstmörder waren. Doch ich hatte als Teenager definitiv zu viele Horrorfilme gesehen, die meine Phantasie in solchen Situationen auf eine für mich unschöne Weise beflügelte. Da ich damals wenig Geld hatte und eine regelmäßige Arbeit als für viel zu zeitaufwendig befunden habe, betrieb ich eine spezielle Form von Mundraub. Entweder trank ich direkt aus fremden Gläsern oder ich schüttete mir Bier aus anderen Gläsern in mein eigenes Behältnis. Doch einmal hätte mich eine solche Aktion fast ein paar Zähne gekostet, denn dummerweise trank ich aus dem Bierglas eines prolligen Zuhältertypen, der diese Aktion beobachtete. Der Typ war einen Kopf größer und mindestens zwanzig Zentimeter breiter als ich, was bei meiner Statur allerdings auch kein Kunststück darstellt. Und als er sich vor mir aufbaute und mir in einem ziemlich hässlichen Deutsch zu verstehen gab, dass er jetzt mit mir vor die Tür gehen möchte, um mir dort meine Fresse zu polieren, da fühlte ich mich ziemlich unbehaglich. Und da ich wusste, dass ich in einem halbwegs fair geführten Kampf (ja, so etwas gab es früher tatsächlich!) nicht den Hauch einer Chance gegen ihn haben würde, trat ich ihn völlig unfair, dafür aber sehr beherzt mit einem meiner Cowboystiefel voll in seine Eier. Tja und daraufhin sackte der Zuhälterbulle wie ein in der Mitte aufgeschlitzter Mehlsack in sich zusammen und wimmerte wie ein frisch entjungfertes Hänschen Klein. Und ich stand ziemlich perplex da und fühlte mich gleichzeitig für einige Sekunden unglaublich gut, da irgendwie bärenstark bis unverwundbar. Dennoch verließ ich die Szenerie schleunigst, wenngleich auch in gespielter Lässigkeit, wollte ich doch nicht so wirken, wie jemand, der Angst vor einem möglichen Echo hat. Doch genau das hatte ich. Als ich um die nächstbeste Ecke gebogen war, fing ich deshalb sofort zu laufen an. Anschließend verordnete ich mir einige Wochen Indianapolis-Zwangspause.
Ein anderes Mal wurde einer meiner Alkoholdiebstähle auf sehr gemeine Weise bestraft. Zusammen mit Carsten klaute ich eine Flasche Whisky aus einer der Auslagen. Doch als ich einen Schluck davon zu mir nahm, schmeckte ich sofort, dass man anstatt des erhofften Whiskys eine modrig schmeckende Brühe in die Flasche eingefüllt hatte. Zechprellerei haben Carsten und ich zwischen meinem 17. bis 22. Lebensjahr hin und wieder mal betrieben. Aber natürlich nicht im Indianapolis, denn dies war meine Stammdiskothek. Am Anfang dieses Eintrags erwähnte ich ja bereits, dass das Indianapolis eine Rollschuhdisco war. Man darf sich diese Diskothek wie eine große Lagerhalle vorstellen, in der eine breite Rollschuhlauffläche, die mit einer Kartbahn verglichen werden kann, die „Hauptattraktion“ darstellte. Und rund um diese große weitläufige Lauffläche fanden sich die Bewirtungs-, Unterhaltungs- und Tanzebenen. Ausgefeilte Licht- und Tontechnik suchte man im Indianapolis vergebens, ebenso wie hochwertiges Mobiliar. Und trotzdem war es eine der angesagtesten Locations in der ganzen Umgebung. Doch welch Wunder, gab es schließlich kaum eine Alternative zum Indianapolis. Nachdem ich das Indianapolis betreten hatte, führte mich mein erster Weg meist direkt auf die Toilette. In den 80er-Jahren waren viele Typen eitler als Frauen. Und ich gehörte eindeutig dazu! Ich trug stets Make-up, Puder, Haarspray, Parfüm und eine Bürste bei mir. Und meine lange gesträhnte Mähne war mein ganzer Stolz. Heute sind von diesem Stolz nur noch dünne Spinnengarnhaare geblieben – aber immerhin noch so etwas wie volles Haar. Naja, was man als Grufti halt volles Haar nennt. Im Indianapolis trug ich oft Jacketts im Miami-Vice-Stil. Dazu dicke falsche Goldkettchen und weiße Hosen. Und mein Make-up war nicht selten so dick aufgetragen, dass ich, sobald ich ins Schwitzen kam, wie eine Bronzefigur glänzte. Doch ich fand mich toll und das war die Hauptsache. Im Gegensatz zu mir war das Indianapolis aber eigentlich gar nicht so toll, wie ich es mir ständig einredete. So liefen viele Dinge in jeder Samstagnacht gleich ab. Man sah immer dieselben Gesichter. Der Diskjockey spielte stets zur fast identischen Zeit die immer gleichen Musikstücke. Und wenn ich mit Thomas da war, dann schwärmte dieser stets von derselben Frau, die er niemals für sich gewinnen konnte, wofür er dann stets dieselben Entschuldigungen und Ausreden anführte. Und die Mädchen im Indianapolis waren entweder hässlich, eingebildet, unerreichbar oder dumm. Eigentlich lief es genauso wie heute. So waren wir Jungs auch damals allesamt Opfer dieses Phallus-Virus, durch den wir uns scharenweise zum Gespött dieser fotzigen Weiber machten. Eigentlich war all dies mehr erbärmliches Schauspiel als großes Unterhaltungsevent. Aber schließlich war Samstagnacht. Und da hatte man als Teen und Twen gefälligst gut drauf zu sein. Als Jungpussy und Jungdödel freute man sie die ganze Woche auf diese Selbstpräsentationsstunden auf einem dieser Massenvergnügungsplätze fürs Jungvolk. Ja, und auch damals hielten wir uns für unglaublich subversiv. Doch in Wirklichkeit waren und sind Jugendliche die lenkbarsten Kreaturen, die man sich vorstellen kann, weshalb sie auch die begehrtesten Werbeopfer sind. Dies war damals so und dies ist auch heute so! Und doch meint man als Jugendlicher, man würde sich von den blöden Erwachsenen abgrenzen, indem man sich etwa massenkonform zusammenrottet und auf Knopfdruck gut drauf ist. Tatsächlich unterscheiden sich die Teenies in Diskotheken oder auf Rockkonzerten in vielen Punkten nur marginal von jenen Omas und Opas, die auf Volksmusikveranstaltungen gehen. Ja, all dies wusste ich bereits als 18-Jähriger, aber ich wollte es noch nicht wahrhaben. Damals war der Wunsch in mir, auf Knopfdruck ebenfalls gut drauf zu sein, einfach noch zu stark. Silvia war eine der wenigen Frauen, die ich über das Indianapolis näher kennenlernte. Naja, ihr wisst schon, was ich mit näher kennenlernen meine? Und an ihr fand ich u.a. jene Dinge geil, die die absolute Mehrheit der Jungs und Männer eher abturnend bis zutiefst abstoßend finden. Sie war dürr und hatte so gut wie gar keine Titten. Außerdem hatte sie schlechte Zähne, für die sie sich aber leider schämte. Dabei hätte sie das mir gegenüber aber nicht tun müssen! Und dazu hatte sie diese geile kratzige dunkle Stimme und sie liebte den Gebrauch fäkaler Kraftausdrücke und hatte eine geile dreckige Gossenlache. Als größtes Manko empfand ich ihre langen blonden Haare. Ein Kurzhaarschnitt hätte ihr einfach besser zu ihrem Naturell gepasst. Aber man kann nicht alles haben. Obwohl, irgendwie ist das schon gemein. Da darf man in Kontaktanzeigen die absurdesten und unerfüllbarsten Forderungen an den Wunschpartner stellen. Doch würde ich schreiben, dass ich eine glatzköpfige, magersüchtige Frau mit Pickeln und schiefen Zähnen suche, dann würden sich selbst die, auf die all dies zutrifft doch niemals bei mir melden, da sie sich von einer solchen Kontaktanzeige verarscht fühlen würden. Dabei würde ich es ernst meinen. Ich war schon damals nicht so pervers, dass ich von langhaarigen Blondinen mit makellosen Gesichtern geträumt habe. Meine Traumfrauen hatten und haben immer etwas an sich, was die Masse Mann als hässlich empfindet. Silvia und ich trafen uns auch außerhalb des Indianapolis. Doch mehr als Knutschen und feuchte Unterhosen gab es nie. Erst viele Jahre nach unserer ersten Begegnung, als ich bereits mit meiner zukünftigen Ehefrau zusammen war, fickten wir erst- und letztmals miteinander.
Und wo ich gerade beim leidigen Fick-Thema bin, muss ich unbedingt noch die Notdurftnummer mit Mareike einschieben. Diese Schlampe war so läufig, dass sie einmal direkt vor dem Indianapolis vor mir auf die Knie gesunken ist und mir tatsächlich meinen Schwanz aus meiner Hose gefischt hat, was mir total unangenehm war. Schließlich schauten jede Menge Leute zu und Mareike war wirklich keine Schönheit, mit der ich mich zumindest hätte brüsten können. Wie jetzt? Habe ich nicht gerade eben noch geschrieben, dass ich makelbehaftete Frauen anziehend finde? Was denn jetzt? Naja, irgendwas stimmte mit ihrem Gesicht nicht. Keine Ahnung, was damit nicht stimmte. Es war einfach auf eine Art und Weise hässlich und zutiefst ausdruckslos, sodass es keinen meiner vielen „Makel-Fetische“ bediente. Also kramte ich mein Würstchen zurück in die Hose ließ ich sie einfach sitzen/hocken. Doch einmal waren Thomas und ich dermaßen notgeil, dass wir Mareike mit in meine erste Wohnung nahmen, die ich übrigens nur wenige Monate halten konnte, weil ich einfach kein Geld für die Miete aufbringen konnte, denn dafür hätte ich arbeiten müssen und zum arbeiten hatte ich keine Zeit, da ich diese für Städteplanungen (lese unter: Friedensburg) und meinen Amiga benötigte. Sogar meinen Strom hatten mir diese Schweine z wegen ein paar unbezahlter Rechnungen abgestellt. Also mussten wir uns bei absoluter Dunkelheit und bei unangenehmer Kälte (Heizungen waren auch abgestellt) mit Mareike vergnügen. O.k., die Sache mit der Dunkelheit war bei ihrem Aussehen eher von Vorteil. Aber es hätte ruhig etwas wärmer sein können, denn von Mareike allein wurde mir auf jeden Fall nicht warm ums Herz; - nicht einmal in der Lendengegend. Thomas ließ sich von ihr einen blasen, während ich mir ihre Vagina anschaute, die bereits klatschnass war. Vorsichtig machte ich mich daran, sie zu lecken. Doch Mareikes Pussygelee schmeckte derart abstoßend, dass ich nur mit Mühe und Not ein Würgen unterdrücken konnte. Aber so fies, ihr dies zu sagen, war ich dann doch nicht. Doch dieses Muffelloch weiter zu lecken oder es zu ficken, darauf hatte ich keinen Bock. Also gab ich vor, dass ich von meinem Nachbarn Kerzen holen würde. Tatsächlich aber flüchtete ich zu ihm und blieb so lange in seiner Wohnung, bis Thomas mitsamt der übelriechenden und hässlichen Mareike meine Wohnung verlassen hatten. Es gab etliche Songs, die in den Jahren, wo ich im Indianapolis ein- und ausging, rauf- und runter gespielt wurden, darunter „Just Can't Get Enough“ von Depeche Mode, „Tainted Love“ von Soft Cell oder „Blue Monday“ von New Order. Ich tanzte bei jedem Indianapolis-Aufenthalt zusammengenommen wohl mindestens eine Stunde. Und mein Tanzstil war schon damals ziemlich eigenwillig, sodass man das, was ich an Körperverrenkungen feilbot, schwer einem festen Stil zuordnen konnte. Wenn ich tanzte, so war dies eine Mischung aus Roboterbewegungen, selbstverliebtem Schwuchteltanz, Rock’n’Roll und Hardcore-Jazz-Freestyle-Pogo. Selbst heute beherrsche ich nur diesen meinen ureigenen Tanzstil. Doch mittlerweile ist es mir zu peinlich, diesen vor Publikum darzubieten. Es sein denn, ich bin betrunken. Aber wenn ich betrunken bin, kann ich nicht mehr tanzen wie anno dazumal. So richtig betrunken war ich im Indianapolis in der Anfangszeit eigentlich selten. Dies änderte sich erst, als wir dazu übergingen, uns an einer Tankstelle mit Biervorräten einzudecken und diese dann an der Rückfront der Diskothek zu deponieren. Meine wirklich heftigen Samstag-Nacht-Sauftoren sollten aber noch kommen – zu einer anderen Zeit und an anderen Orten. Die Zeit des Indianapolis lief Ende etwa im Jahre 1988 aus, als ich 21 Jahre alt war. Zu dieser Zeit öffneten immer mehr Großraumdiskotheken ihre Pforten, mit denen sich das altbackene Indianapolis nicht mehr messen konnte. |
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