Meister Propper oder der deutsche Sauberwahn

Arne Pahlke, 1996

 

Wäscheleinen mit Fangschaltung hängen in Wohnkommoden

zu Selbstmordzwecken des Öfteren von Etagenbetten.

Daran hängende Wäscheklammern pressen die Weichspülerlauge

aus geruchsfreien Tennissocken

und werden sodann klammheimlich abgenommen.

Später dann, in verpuffte Konsumkammern gesperrt,

in bunten Plastik-Sammelbecken verwahrt

und den Leinen bei Bedarf erneut aufgezwängt.

Sie sind nur ein winziger Teil des großen Reinemachens,

das nie sein Ende findet.

Sie sind ein Partikel eines Prozesses,

der lawinenartig ständig neuen Dreck loslöst.

Deutschland: Hier entstaubt man sogar seine Gummibäume,

denn Staub deutet die Vergänglichkeit.

Und Vergänglichkeit deutet den sicheren Tod.

Und wer an nichts mehr glaubt, der glaubt stets,

dass der Tod das Schlimmste sei!

 

Meister Propper oder der deutsche Sauberwahn

 

Wie gut, dass es sie gibt.....

...die Siemens-Staubsauger mit der 2OOO Watt Supersaugkraft.

Sie saugen jeden Dreck und somit die Furcht

vorm bevorstehenden Tod mit in sich auf.

Und sie lösen die Angst von den leichtgläubigen Gottesleugnern ab.

ALLES SUPERSAUBER - PORENTIEF REIN!

Und doch im Abgrund aller Tiefen daheim.

Der deutsche Saubermann - Meister Propper der Welt.

Er ist glasklar vernebelt.

Und nur, weil er an nichts mehr glauben kann, ist er ständig mit Aufräumen beschäftigt.

Doch er wird dadurch  nicht wiederfinden, was er verloren hat!

 

Und so hält Meister Propper irgendwann,die für ihn reservierte Luft an,

lacht mit zusammengepressten Lippen in den glasklaren Spiegel

und wartet auf seinen überfälligen Feierabend.

 

Bis zur Ohnmacht bewahrt er Haltung, stirbt diszipliniert.

Beim Zusammenfall seines Körpers löst er sich uneigennützig ins Nichts auf,

der Reinheit wegen, selbst jetzt noch.

 

Er geht von uns als der Inbegriff deutscher Gründlichkeit

und hinterlässt keinerlei Spuren...

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