Minderwertige Warengüter

 

Es ist doch einfach nicht mehr normal, in welcher Geschwindigkeit ich meine Stühle (und nicht nur die) verschleiße. Mein neuer „hochwertiger“ Bürochefsessel, den ich mir erst im Frühjahr gekauft habe, ist jetzt – im Spätsommer – schon wieder auf dem Müll gelandet. Bereits nach drei(!) Wochen platze die „extra widerstandsfähige“ Ledersitzfläche auf. Und vor ein Paar Tagen brachen gleichzeitig beide Seitenlehnen mitsamt der Rückenlehne ab.

Dies war ein ein wirklich lustiger Moment. Kugelnd landete ich auf meinem PVC-Bodenbelag, bei dem ich ebenfalls eindeutige Abnutzungserscheinungen wahrnehmen konnte, obgleich ich in meiner Wohnung nur Barfuß oder auf Strümpfen unterwegs bin und der PVC erst vor wenigen Monaten ausgelegt wurde.

Ich weiß wirklich nicht, der wievielte Stuhl dies in den letzten zehn Jahren war? Und dieser „komfortable Profistuhl“ sollte normalerweise 199 Euro kosten. Ich bekam ihn bei E-Bay für 60 Euro, weshalb ich wohl auch kaum mehr als ein "Monatssitzvergnügen" erwarten durfte? Ich frage mich, wie viel Geld ich wohl anlegen müsste, damit ich ein Suhl erhalte, der bei mir zumindest drei Jahre durchhält? Mein bislang teuerster Bürostuhl verschlang 300 Mark und hielt dennoch kein Jahr durch. Sollte ich mir meine nächste Sitzgelegenheit eventuell per 10-Jahres-Kredit finanzieren? Zurzeit sitze ich auf meinem Liegestuhl vor meinem Computer. Mal schauen, wie viele Wochen dieser durchhält. Davon abgesehen, dass dieser auf die Dauer extrem ungemütlich ist.

Gibt es irgendwo einen Schreiner/Tischler, der dies hier liest, und der mir einen bruchsicheren(!!!) Bürostuhl bauen kann? Allerdings kann ich diesen nur noch mit Sachgegenleistungen bezahlen, da mich die Minderwertigkeit diverser Produkte finanziell bereits zu stark hat ausbluten lassen.

 



Ein anderes aktuelles Dilemma ist meine PC-Tastatur. Meine neue Tastatur (immerhin Preis-Leistungs-Sieger von Logitech) hat bereits nach vier(!) Wochen den ersten Buchstabenaufdruck („S“) eingebüßt. Und heute, nachdem ich sie drei Monate in meinem Besitz habe, sind folgende Buchstabenaufdrucke bereits gänzlich unsichtbar: S, E, R T, A, D,C und N. Und wozu auch angezeigte Buchstaben? Was erwartet die blöde Kundschaft eigentlich von einem popeligen 25-Euro-Produkt? Wenn diese wünscht, dass die Buchstabenaufdrucke länger sichtbar sind (sagen wir mal ein gönnerhaftes Jahr), dann sollen sie eben 100 Euro investieren. Na, super! Vielleicht sollte Logitech ihre neue Slimeline-Tastatur als Blindschreibetastatur verkaufen? Immerhin muss ein Benutzer bei dieser Tastatur nach und nach lernen auf jegliche Buchstabenhinweise zu verzichten. Herzlichen Glückwunsch zu diesem innovativen Produkt, Logitech!“

Nun höre ich ja oft Argumente, wie: "Du sitzt aber auch zwölf Stunden am Tag auf deinen Stühlen, auf denen du dich überdies viel bewegst. Außerdem schreibst du ziemlich viel."

Hallo? Für was sind Stühle und Tastaturen denn bitte schön konzipiert? Darf man auf einem Suhl nicht sitzen und sich auf diesem auch bewegen? Darf man eine Tastatur nicht zum täglichen mehrstündigen Schreiben benutzen? Oder stellt dies bereits ein Missbrauch eines solchen Produkts dar? Wenn ja, dann sollen sie halt draufschreiben: „Dieser Stuhl ist nicht für den täglichen Sitzgebrauch geeignet und diese Tastatur ist lediglich für 200 Schreibmaschinenseiten konzipiert!“

Und wo ich schon einmal dabei bin, auf der Minderwertigkeit vieler heutiger Produkte herumzutrampeln, so sollte ich vielleicht auch mein derzeitiges Doppelbett erwähnen. Das Dritte in sechs Jahren! Dieses wird bereits von lustigen Notkonstruktionen zusammengehalten. Ok, mein Bett muss durchaus einige Belastungsproben ertragen. Aber sollten Betten nicht eben dafür konzipiert sein!? Ich meine, z.B. dafür, das zwei Menschen sich darin mitunter etwas hektischer und ausgelassener bewegen?

An meinem Kühlschrank, den ich mir vor ein paar Jahren gekauft habe, brachen nach nur wenigen Wochen die beiden Plastiktürgriffe (sowohl die für das Kühl- als auch für das Gefrierfach ab). Seitdem öffne ich den Kühlschrank ohne Griffhilfen. Mittlerweile gibt es in diesem Kühlschrank auch keine Seitenfächer mehr. Interessanterweise bot mir der Hersteller, dem ich seinerzeit deshalb anrief, sofort freudig ein komplettes Nachrüstpaket für diesen Kühlschrank an. Und dies für unglaublich günstige kundenfreundliche 49 Euro. Was für eine großartige Geste, nicht wahr? Dafür hätte ich dann noch einmal all diese billigen Plastikteile zugeschickt bekommen, die mir dann erneut nach nur wenigen Wochen langsam aber sicher in die Brüche gegangen wären.

Noch mehr Gemeckere? Aber gerne doch:

Unterhosen – egal, welche vermeintliche „großartige“ Qualität diese auch haben sollen, verlieren ihre Farbe und Form (selbst bei Schonwaschgängen) meist bereits nach wenigen Trageeinheiten.

Ach ja, die Minderwertigkeit von technischen Geräten lädt mich geradezu zu hysterischen Lachanfällen ein. Folgende technische Produkte, die ich mir in den letzten Jahren gekauft habe, wiesen direkt nach ihrem Kauf (also bereits in ihrem Auslieferungszustand) nachfolgend beschriebene Mängel auf, woraufhin ich sie allerdings nicht in jedem Fall (wie es wohl die meisten Menschen tun) umgetauscht habe. Ich sagte mir halt, dass ich ja nicht wüsste, was für Mängel mein Ersatzgerät mir dann bieten würde. Und ich hasse es, in
Kaufhäuser zu gehen. Und Umtauschaktionen hasse ich noch viel mehr! Ich komme mir dabei immer ein wie ein Bittsteller vor.

Digitalkamera (war hypraentladend – Umtausch!); -  Waschmaschine (von Anfang an musste das Schleuderprogramm manuell nachgestellt werden – dennoch behalten!); - Scanner (lief überhaupt nicht – Umtausch!); - ein zusammengestellter Komplettrechner (ein halbes Dutzend Umtausch- und Nachbesserungsaktionen – über 2 Monate hinweg stets neue defekte Bauteile), Monitor (ging von Anfang an mitunter einfach aus – muss dann abgekabelt und wieder angeschlossen werden – dennoch behalten!);  - ein Brenner (der seine Aufgabe sehr ernst nahm, indem er alles verbrannte – Umtausch).

Und ich könnte diese Liste fortsetzen, aber ich denke, ich gehe jetzt lieber kacken!


Apropos kacken! Selbst meine  täglich produzierte Scheiß(e)qualität hebt sich wohltuend von  jener Müllware ab, die uns viele Warenproduzenten als hochwertige Produkte unterjubeln wollen.

Ich scheiße hiermit auf den
Konsum!
                © Arne Pahlke, September 2005

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