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Nachruf für das Happy-Weekend-Sexkontakte-Magazin ® Arne Pahlke, August 2011
Als ich soeben mittels der findigen Datenkrake Google, mir unbekannte Kontaktbörsen aufspüren wollte, stieß ich auf eine Auktion, in der jemand seine Happy-Weekend-Sex-Kontakte-Magazine aus den 80er Jahren anbietet. Und augenblicklich stiegen Erinnerungen in mir hoch, die mit diesem Kontaktmagazin in Verbindung stehen. Ja, meine Jugend fiel in jene tiefdunkle triste Zeit der 80er, in der es noch kein Internet gab; - eine Dekade, in der man noch dazu verteufelt war - ständig in diese grässliche kaltherzige Hölle einzutauchen, die sich Realität schimpft. Und während heute Millionen Männer und Frauen auf Sex-Kontakt-Portalen wie Poppen.de (sie mehr oder weniger befriedigende) sexuell orientierte Zusammenkünfte eingehen, war eine der größten Sexverkupplungsinstitutionen der 80er-Jahre das 14-tägig erscheinende Happy-Weekend-Sex-Kontakte-Magazin. Als 18jähriger fiel mir dieses Magazin auf einem meiner ersten Kiezbesuche erstmals in die Hände, wobei es mich augenblicklich in seinen Bann zog. Hierzu sollte man sich vor Augen führen, dass wir Burschen von einst sexuell längst nicht so aufgeklärt und übersättig waren, wie es die heutige Jugend ist. Da es kein Internet gab, kannten wir natürlich auch kein You Porn & Co. Und somit hatten wir auch keinen Zugang zu Hunderttausenden frei zugänglichen Hardcorepornos, wie es heute theoretisch jeder Knirps im Grundschulalter hat, insofern er über einen PC mit Internetzugang verfügt. War man in den 80ern minderjährig, so gelangte man in der Regel nur über Kontakte zu Älteren an pornografisches Material. Tja, oder man musste eben seine Phantasie bemühen – so ganz ohne hochauflösende Wichsvorlagen. Grausam, nicht wahr? Doch meine Jugend fiel nun einmal in diese tiefdunkle triste Zeit ohne Breitbandanschlüsse und Smartphones. Doch um keinen Preis der Welt würde ich mit einem heute 18jährigen Jüngling tauschen wollen! Es war einfach aufregend und geil, wenn ich eines dieser Happy-Weekend-Magazine in meinen Händen hielt und dieses heimlich durchblätterte. Es war voll von sexuellen Inspirationsquellen und gleichsam dienten mir viele darin enthaltende Geschichten und Anzeigen als Wichsvorlage. Und wenn ich einer Frau oder einem Pärchen ein Antwortschreiben verfasste, war dies nicht vergleichbar mit dem heutigen Messages versenden auf Kontaktportalen. Ich investierte früher bei einem Anschreiben viel mehr Zeit. Schließlich gab es vor dem Beginn des Internetzeitalters noch kein (gefühltes), alles erschlagendes Überangebot, an in Frage kommenden Sexpartnern. Und so bemühte man sich noch mehr um den einzelnen Kontakt. In jeder Happy-Weekend-Ausgabe fand ich z.B. lediglich eine Handvoll Anzeigen, die meinen persönlichen Geschmack trafen; - wo es von der Entfernung – den sexuellen Vorlieben – und vom Anforderungsprofil der Suchenden her passen konnte. Und so machte ich mich mühevoll ans Werk und verfasste handschriftliche(!) Antworten und legte diesen echte Fotos von mir bei.
Happy Weekend - so hieß damals mein “Kontakt-Internet”
Nun, heutzutage läuft das alles weit weniger anstrengend; - dafür aber auch weit weniger abenteuerlich. Heute legt man sich auf einem der vielen Sex-Kontaktportale im Internet einfach ein Profil an, lädt anschließend ein oder mehrere Fotos von sich hoch, auf denen man mehr oder weniger von sich zeigt - und schreibt alsdann in seinem Profiltext, was man sucht. Und selbst diesen (für viele bereits viel zu zeitimmensen) Aufwand muss man nicht mehr betreiben, sondern kann seine sexuellen Vorlieben einfach per Klickverfahren auswählen und anzeigen lassen. Auch muss man heute keine Briefmarken mehr investieren oder wochenlang auf eine (mögliche) Antwort warten. Nein, heute erhält man eine „Kein-Interesse-Textvorlagen-Antwort“ oft bereits nach wenigen Sekunden, insofern man denn überhaupt durch den Kontaktschutzfilter einer/eines „Angeschmachteten“ kommt. Schöne neue Welt, nicht wahr? Eine Kontaktwelt, in der das Selbstmarketing längst salonfähig geworden ist. Und so verkauft sich jeder, so gut (schlecht) er eben kann. Und der Begriff Kontaktbörse erhält heute eine ganze neue Bedeutung, denn bei der Kontaktsuche via Internet greift derselbe Mechanismus wie in der freien Marktwirtschaft. Es gilt das Gesetz von Angebot und Nachfrage. Der Kontaktsuchende als Aktie, dessen Kurs steigt und fällt – festgelegt u.a. durch die jeweilige Community-Ratingagentur, in der jedes Ratingmitglied den Kurs eines Profils oder Fotos durch Benotung ebendieses mitbestimmt. Wobei die Anzahl der Profilaufrufe (Nachfrage) den wichtigsten Wert liefern! Und somit kann Mann/Frau in der schönen neuen Kontaktwelt sogar Befriedigung erfahren, ohne sich überhaupt auf eines dieser anstrengenden (da realen) Sexdates einzulassen, - nämlich indem sie sich einfach an ihren Statistiken, Gästebucheinträgen, virtuellen Freunden, Profilaufrufen, Verlinkungen etc ergötzen. Nun, ich bin froh, dass ich auch noch die Zeit vor diesen großen technischen Errungenschaften miterleben durfte. Eine Zeit, in der ein Kontaktmagazin wie Happy Weekend noch eine ganze andere Bedeutung (für mich) hatte, als dies heute der Fall ist. Und ich frage mich gerade, ob die erste Frau, die ich seinerzeit über Happy Weekend kennengelernt habe, heute wohl das Internet zur Kontaktsuche nutzt? Schließlich war sie damals bereits um die 40 Jahre alt, als wir uns (während meiner Arbeitszeit als Briefzusteller) in einer Kneipe getroffen haben, was mich übrigens beinahe meinen Job gekostet hatte, weil es rauskam. Wer weiß, vielleicht ist sie heute als reife Lady auf Poppen.de unterwegs. Und wäre es nicht eine Gaudi der Moderne, wenn ich sie hier tatsächlich finden und wiedererkennen würde; - und ihr dann keine Nachricht senden könnte, weil ihre Filtereinstellungen irgendetwas an meiner Person so abstoßend finden, dass mir jede Kontaktaufnahme zu ihr verweigert wird? Leb wohl, Happy Weekend – willkommen auf Poppen.de & Co! |
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Schäfchen, 15 August 2011 - Oh, wie ich Selbstvermarktung hasse! Was? du suchst? du möchtest dich verzehnfachen, verhundertfachen? du suchst Anhänger? – Suche Nullen! - Nietzsche Sambo45, 19 August 2011 -Ja sicher das alle brav hier ha ha ha aber mal im ernst auch ich habe mir alle 14 tage das Happy Weekend reingezogen ja förmlich verschlungen und die zeit zwischen den ausgaben kam einen manchmal schon ziemlich lang vor. heute kannst im netz ja jeden tag neue geile geschichten lesen und ich denke mal die macher des HW haben arge absatzschwierigkeiten und ob es das HW noch gibt ich weiss es nicht. Marschal, 22 August 2011 - Jepp, ich erinnere mich dunkel...grins! Aber ob das wirklich besser war als heute? Sicherlich musste man sich mehr "Mühe" geben, und sei es nur weil das ganze handschriftlich lief, mit Rückumschlag und so weiter. Aber Fakes gabs damals auch schon, oder? "Wenn du mir soundsoviel DM in Briefmarken sendest, kriegst du diese und jene Fotos von mir" - na, sicher doch...!Da waren dann die Fotostrecken (ok: die Pornos!) schon besser, genau wie die "Vorschau" auf die nächsten Videos (jepp, gabs damals noch, war sogar "Standard")!Wie gesagt, bis Mitte oder meinetwegen Ende der 90er waren HW und ähnliche Magazine "das Mittel der Wahl" aber besser oder schlechter als das Net heute zum Daten waren sie auch nicht...! The Educator 25. August 2011 - Das überzogene Selbstdarstellungs-Bedürfnis, vieler Menschen, zieht sich mittlerweile durch fast jeden Lebensbereich. Ich erwarte nicht, daß im Zusammenleben der Leute untereinander, noch etwas vernünftiges zustande kommt, was man als angemessen bezeichnen könnte, in Bezug zur Intelligenz der Spezies Mensch. Dieses Missverhältnis klafft immer weiter auseinander. Die meisten wollen etwas besonderes sein, aber in Wirklichkeit sind sie nur die Kopien, von eben diesen meisten anderen. |
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® sämtliche Textrechte liegen bei Arne Pahlke/Wortmutation |
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