Neu-Neutralismus

Arne Pahlke, Juni 1995

 

Kastrierter Lyriker sucht geschlechtslosen Leserkreis:

Ich wringe meinen Buchstabenschweiß auf Geheiß der Neu-Neutralen.

Die Neu-Neutralen sind ein sich rasch vermehrender

und dennoch absolut nichts sagender Menschenschlag.

Ein repräsentativer Neu-Neutralist begehrt alles Unerhebliche.

Und er begeistert sich maßgeblich für Nichtigkeiten.

Er verfängt sich voller Eifer in Widrigkeiten und vergeudet seine Energie für Unabwendbarkeiten;

die er zwar selbst für unvermeidlich hält.

Was ihm aber dennoch nicht davon abhält,

sich bei Bedarf gewinnbringenend von ihnen abzuwenden.

Er verzichtet auf eine wahre Bewusstseinserweiterung,

gleichwohl er stets das Gegenteil von sich behauptet.

Stattdessen setzt er sich vielmehr für die Bereicherung der Massenverkalkung ein.

 

Ich will fortan mit meinen schriftlichen Aussagen

die Neu-Neutralen-Künste zu Tage tragen,

die übrigens mit der Dichtkunst aus gereiften Lagen nichts mehr gemein haben.

 

Arne Pahlke

 

Die einzige Aussage der Neu-Neutralen-Kunst besteht darin,

wiederholt nichts - und dies gründlich - auszusagen!

Aus diesem Blickwinkel heraus betrachtet

ist dieses mein erstes Neu-Neutralismus-Werk vollauf gelungen,

denn es entbehrt jeglicher Grundlage,

ist sozusagen eine missglückte Persiflage auf sich selbst.

 

Noch Fragen...?

schreibe einen Kommentar..
Dein Kommentar zum Text abgeben

leider noch kein Kommentar vorhanden. Sei der Erste, der einen Kommentar schreibt!

® sämtliche Textrechte liegen bei Arne Pahlke/Wortmutation