No Country For Old Men

NCFOM

Produktionsland: USA

Erscheinungsjahr: 2007

Altersfreigabe: FSK l6

Laufzeit: 122 Minuten

Genres(s): Drama, Thriller

Regie: Ethan Coen, Joel Coen

Besetzung: u.a.  Tommy Lee Jones, Javier Bardem, Josh Brolin, Woody Harrelson, Kelly Macdonald, Garret Dillahunt, Tess Harper, Barry Corbin

 ® Arne Pahlke, 2010

Eine Art „Neo-Country-Western“, der das kleine aber nicht zu unterschätzende Kunststück vollbringt, trotz (s)einer im Grunde genommen sehr dürftigen Story eine äußerst dichte Atmosphäre zu erzeugen.

Die Haupthandlungsfaden ist in zwei Sätzen abgespult:

Ein bereits leicht in die Jahre gekommener Mann findet in einer Steppe von Südwest-Texas einen Koffer voll mit Drogengeld. Doch durch einen Anflug von Barmherzigkeit verrät er seine Identität und wird fortan von einem psychopathischen Killer verfolgt, der neben dem Drogengeld auch nach seinem Leben trachtet.

Was sich wie die Story eines banalen austauschbaren Action-Streifen liest, entwickelt sich rasch zu einem handwerklich nahezu perfekt inszenierten dichtem Verfolgungs-Thriller in düsterer „Road-Movie-Manier“ mit „Wild-West-Anstrich“, bei dem vor allem die spartanische und gleichsam opulente Bildsprache dominiert sowie die drei Hauptakteure, die  wunderbar detailliert gezeichnet sind.

Und obgleich dieses Machwerk vor allem vom Duell zweier Männer erzählt, kommt dem dritten Hauptakteur des Filmes (einem Polizist) ebenfalls eine zentrale Bedeutung zu. Dieser versucht die ganze Zeit in das Duell der beiden Männer einzugreifen. Doch bis zum Ende des Duells bleibt er lediglich Statist – bleibt Hinterherlaufender. Somit ist die Hauptbotschaft, die seine Rolle transportiert gleichzeitig  Titel des Filmes. Und auch die beiden Duellanten stehen als Synonym für den Filmtitel. So passt die Nächstenliebe des einfachen Arbeiters Lewelyn Moss (Josh Brolin), dem Finder des dreckigen Drogengeldes, nicht in diese Zeit. In einem alten Western im kasachischen Stil hätte ihm sein Mitgefühl eventuell noch zum Heldentum geführt. Doch in No Country for Old Men weht ein anderer Wind.

 

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Javier Bardem

 

Der Dritte im Bunde ist der Killer. Und auch dieser hat schon bessere Tage gesehen. Trotzdem oder vielleicht auch gerade deswegen würde ich ihn spontan in die Top-20 der bösesten Kinofilm-Bösewichte wählen. Überaus gekonnt verkörpert er diese ungemein anziehende und gleichsam abstoßende Mischung aus Psychopath, eiskalten Killer und einer Figur, mir der man phasenweise durchaus Mitleid empfinden darf.

Dies tat ich z.B. in jenem Momenten, wo der Killer seine Opfer eine Münze werfen ließ, die über ihr Leben oder ihren Tod entscheiden sollte. Nur auf diese Weise vermochte er sein Gesicht zu wahren. Schließlich war er ein Killer. Und als ein Killer war er zum Töten verdammt. Die Münze hingegen konnte (stellvertretend) für ihn Mitgefühl zeigen – er hingegen durfte dieses Mitgefühl nicht zeigen.

Javier Bardem spielt den Killer brillant. Wenn er z.B. seine gleichgültig psychopathisch-moralisierenden Statements abgibt, wirkt er  nicht nur wie ein gefühlloser Killer sondern fängt auch die Tristesse und Armut seines Daseins ein. Momente wie diese lassen einen schwer depressiven Mann hinter der Maske des eiskalten Killers erahnen; ein seelisches Wrack, das auch deshalb tötet, weil es bereits selbst seit langer Zeit tot ist.

   9 von 10 Punkten

 

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