Oben

Oben_Kritik

Produktionsland: USA

Erscheinungsjahr: 2009

Altersfreigabe: keine Altersbeschränkung

Laufzeit: 92 Minuten

Genres(s): Zeichentrick

Regie: Peter Docter, Bob Peterson

 

 ® Arne Pahlke, 2010

„Oben“ stellt für mich das bislang enttäuschendste Produkt aus der Pixar-Schmiede dar. Und dies tut es, obgleich die Animationen erneut überzeugen können. Nur, sehe ich es mittlerweile nicht mehr ein, einen Animationsfilm allein deshalb mindestens mit „gut“ zu bewerten, weil er toll animiert ist. Diesen Punkt setze ich einfach voraus; - insbesondere vom Branchenprimus! Ich meine, wie viele Realfilme beeindrucken mit einer wunderbaren Optik nebst grandiosen Kamerafahrten und bieten als Gesamtprodukt dennoch nur gequirlte Scheiße?

Ich will damit jetzt nicht sagen, dass „Oben“ ein Scheißfilm ist. Dies ist er mitnichten! Doch er ist eben auch weit davon entfernt ein neues Meisterwerk aus dem Hause Pixar zu sein. Und mir kommt es in diesem Zusammenhang mittlerweile fast schon so vor, als würden viele Filmkritiker Pixar-Filme durch die rosarote (3D-)Brille sehen. 

Ich mache da nicht mit! 

Den mit Abstand stärksten Eindruck hinterlässt „Oben“ im ersten Drittel. Und gäbe es dann nicht plötzlich diesen entsetzlichen Break, der natürlich von einigen verwirrten Filmkritikern gleich wieder als ein neuer Pixar-Geniestreich gefeiert wird; - ja, dann hätte es ein richtig guter Film werden können. Aber so nicht!

Ich rede von jenem Augenblick, in dem der alte Mann mitsamt seinem Haus in die Luft geht. Von diesem Moment an wird aus einem ambitionierten Animationsfilm mit einer interessanten Story, eine austauschbare Kindertrickklamotte mit weichgespülter Botschaft. Und zwar dermaßen weichgespült, dass man zeitweise meint, man  säße in einem Disneyfilm der allerschlimmsten Sorte.

Und leider ist Pixar inzwischen tatsächlich ein Teil des großen Disney-Imperiums geworden. Allerdings sollten und wollten die Jungs ja genauso weitermachen wie vor diesem „Zusammenschluss“. Doch ich habe da so meine Bedenken. Wer sich verkauft, der verkauft dabei fast immer auch einen Teil seiner Seele. So vermisse  ich bei Pixar-Produktionen zunehmend das Anarchische aus der Anfangszeit.

 

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“Flieger, grüß mir die Sonne!”

 

Schon beim Vorgängerwerk „WALL-E“ gibt es diesen Break, der den Film quasi in zwei gegeneinander kontrahierende Abschnitte teilt.  Während der erste Teil  unkonventionelle Wege geht und sich Zeit nimmt, wird der Film im weiteren Verlauf zunehmend oberflächlicher und kindgerechter.  So mutet die Einführung bei „WALL-E“ und „Oben“ tiefsinnig und dabei teilweise philosophisch an. Doch bei beiden Werken verkommt die zweite Hälfte mehr und mehr zu einer seichten Animationsklamotte. Dieser Break ist bei „WALL-E“ allerdings noch nicht so klar sichtbar wie bei „Oben“.

Zunächst begeisterte mich „Oben“ mit dieser wunderbaren Einführung, in der Pixar  in anrührenden Bildern das Leben des alten Mannes und seiner Frau (bis zu ihrem Tod) Revue passieren lässt. Da sitzt man noch da und denkt sich: „Wow  - ganz großes Kino. Danke Pixar!“ Und auch erfreute ich mich zunächst an der feinen Charakterzeichnung des knurrigen und kantigen alten Mannes.

Doch was passierte dann?

Es scheint fast so, als hätte den Jungs von Pixar plötzlich irgendjemand sämtliche hässlichen Disney-Botschaften eingeprügelt. Der Film wird kitschig – der knurrige Mann verwandelt sich in christlicher Disney-Manier zu einer Art Ersatzpapi für einen fetten Jungen, der natürlich auch lauter tugendhafte Dinge tut.  Und „Gut und Böse“ scheinen plötzlich wieder so klar voneinander unterscheidbar, wie zu den seligen Zeiten von Schneewittchen und den sieben Zwergen.

Danke nein, Pixar! Wenn eure Filme in Zukunft diesen zuletzt eingeschlagenen Weg weiterverfolgen wollen, dann solltet ihr eure Studios direkt in „Walt Pixar“ umbenennen. Es bringt doch nichts, in jedem Film 20 Minuten den Revolutionär zu mimen, um dann doch in den widerlichen Disney-Klischeekacketümpel abzutauchen.

 

    4 von 10 Punkten

 

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