Ich mache eine Psychotherapie Arne Pahlke, 2005

 

Über den Nutzen einer Psychotherapie kann man sich stundenlang streiten. Osho meinte, auf die Zweckdienlichkeit einer Psychotherapie angesprochen, dass die Masse der Psychotherapeuten selbst depressiv sind; - viele von ihnen sogar depressiver, als die Patienten, die sich ihnen anvertrauen. Und dies stimmte Osho wenig verwunderlich, da diese sich, so seine Meinung, ihr halbes Leben lang mit sinnlosen Analysen aufhalten, worüber sie früher oder später fast zwangsläufig in depressive Verstimmungskomplexe abdriften müssen. Und Osho ging noch weiter. Selbst, wenn ein Psychotherapeut voller Lebensbejahung seine vermeintlich mildtätige Tätigkeit  aufnimmt, so verliert sich seine Lebensfreude meist schnell. Denn als geschulter wacher Beobachter nimmt er natürlich wahr, wie viele hochbegabte, äußerst sensitive und schlichtweg bewundernswerte Menschen trotz oder gerade wegen ihrer menschlichen Größe in einer extrem verheerenden persönlichen Lebenssituation stecken. Und da er dies wieder und wieder vorgeführt bekommt, verliert er selbst seinen Lebensmut. Warum sollte er sich selbst noch länger in einer Welt wohl fühlen, die viele seiner hochbegabten und bewundernswerten Patienten krank gemacht hat? Und genau diese Frage wird zunehmend zu seinem Damoklesschwert. Dennoch wird er höchstwahrscheinlich auch weiterhin seine Dienste anbieten. Doch dies sind in den allermeisten Fällen reine Bärendienste, da er selbst dringend Hilfe bräuchte.

Ich kenne nicht viele Psychotherapeuten. Jedenfalls nicht von jenen Sitzungen, in denen ich ihnen als zahlender Patient gegenübertrat. Viele Psychotherapeuten mögen das Wort Patient übrigens überhaupt nicht gerne hören. Sie etikettieren ihre Patienten lieber mit dem gleichberechtigt klingenden Titel eines Klienten. Dennoch treibt es sie an, ihre Klienten (die natürlich ihre Patienten sind, da sie über Krankenkassen abgerechnet werden) zu heilen. Und bei diesen ihren Bemühungen wirken sie nicht zufällig fahrig und ziellos. Ihre Planlosigkeit verpacken sie oft in eine oberflächliche Ruhe und eine größtmögliche „wärmende“ Distanz, die eigentlich niemals aufgeht.   Denn einen Menschen helfen zu wollen, ohne dessen Schicksal wirklich an sich heranzulassen (oberste Therapeuten-Priorität) ist niemals eine echte Hilfe, sondern im günstigsten Fall eine verkrüppelte Hilfe zur Selbsthilfe. Und da Psychotherapeuten fast niemals eine helfende Antwort parat haben, lassen sie allein ihren Patienten … ich meinte natürlich ihren Klienten ... reden.

Psychotherapie ist vor allem (und meist sogar ausschließlich) ein Selbstgespräch mit einem bezahlten Zuhörer, der in der Regel heilfroh ist (da selbst depressiv), wenn  auch diese Sitzung möglichst rasch an ihm vorüberzieht

 

  Copyright Arne Pahlke (2008)

 

Deshalb möchte ich meinen kleinen Teil zur Heilung depressiver Psychotherapeuten beitragen, indem ich deren „Hilfe“ niemals mehr in Anspruch nehme , sondern meine Selbstgespräche fortan ausnahmslos auch tatsächlich nur mit mir selbst führe. Und ich werde dies bei dieser Therapie sogar öffentlich tun. Ich finde, alle sollten dies öffentlich tun, damit wir unser Menschenbild – das Bild von anderen und von uns selbst – korrigieren können. Ich werde meine Krankenkasse in diesem Zusammenhang anschreiben, ob sie mir wenigstens die Hälfte der durch mein Entgegenkommen eingesparten Behandlungskosten (ca. 70 Euro je Sitzung) auf mein Konto gutschreiben könnte, da ich nicht einmal jene 70 Euro in der Woche zur Verfügung habe, die ein Therapeut für 45 Minuten Zuhörerschaft erhalten würde.

Ich werde am morgigen Tag meine erste Sitzung abhalten. Ich werde unter fachkundiger Anleitung (beziehungsweise verkrampfter Anteilnahme) Selbstgespräche führen dürfen.  Herr Doktor meinte aber bereits am Telefon, nachdem er meine Krankenakten (Klientenunterlagen) durchgeschaut hatte, dass wir in meinem Fall wohl mindestens 100 Sitzungen bräuchten.

Einhundert Sitzungen wofür? Und von welchem Fall redet er bloß? Ob ich etwas mit alledem zu tun habe?

Nun, wir werden es sehen und hören …

 

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