Roots

® Arne Pahlke

Daniel und Jan verband eine typische Jungenfreundschaft. Sie bauten sich Höhlen im Unterholz, bekriegten sich als Cowboy und Indianer oder jagten sich als Räuber und Gendarm durch die Straßen ihrer endlosen Phantasielandschaften.

Ihre heile Welt lag im nahe gelegenen Sachsenwald, verborgen zwischen unzähligen Winkeln einer braven Wohnsiedlung. Am allerliebsten saßen die beiden jungen Freunde hoch oben auf einer uralten Eiche und erzählten sich dort wild fabulierend unglaubliche und phantastische Geschichten.

Doch mit einem Male trat etwas ihnen Unheimliches in ihre bis dato so überschaubare Welt.  Ihr kindliches Universum wurde tropfenweise von dieser Veränderung geschluckt. Hier und da verlor sich ein verlegendes Lächeln und anderswo breitete sich ein betretenes Schweigen aus. Ihre blühende Phantasiewelt verödete zusehends, und von den zahlreichen Heldenfiguren ihrer unzähligen Spielwelten blieb ihnen bald schon nichts weiter als eine Staubwolke voll nebulöser Erinnerungen. Ehemals unscheinbare Dinge lösten nun, tief in ihrem Innern, eine unerklärliche Unruhe aus. Und über manch höchst augenscheinliche Veränderung behielt man voreinander ein peinlich berührtes Stillschweigen.

Der letzte Sommer ihrer unbeschwerten Kindheit verlor sich bereits früh im September. Es geschah an einem Nachmittag, an dem es sich die beiden Gefährten bei heruntergelassenem Rollo vor dem Computer gemütlich gemacht hatten. Der Regen prasselte ohne Unterlass nieder und trieb die Knaben in die beengenden Behältnisse der Erwachsenenwelt. Und hier nun tauchten sie in virtuelle Phantasielandschaften ein.

Daniels Eltern waren an diesem Tage ausgegangen. Die beiden Jünglinge durften sich also vollkommen unbeobachtet fühlen. Und da die Knaben an jenem Nachmittag zunächst keine Lust verspürten, am Computer zu spielen, beschlossen sie kurzerhand, ins Wohnzimmer überzusiedeln. Dort schalteten sie sich den Fernseher als Unterhalter zu. Daniel schaltete sich gelangweilt durch die Programmflut. Und es dauerte eine Weile, ehe er sich dazu entschließen konnte, bei einem der vielen Sender zu verweilen.

Über den Bildschirm flimmerten sie auf ganz seltsame Art und Weise anrührende Bilder. Vor ihren jungfräulichen Augen lief eine amerikanische Serie über die Sklaverei in South Carolina im 19. Jahrhundert. Die behandelte Thematik wurde dabei vornehmlich durch Effekthaschende Einstellungen in Szene gesetzt, die sich wiederum hauptsächlich auf körperliche oder seelische Leidzufügungen beschränkten. Daniel und' Jan saßen wie elektrisiert auf der Polstergarnitur. Mit wohligem Grausen sahen sie, wie ein farbiger Leibeigener mittleren Alters vor seinem weißen Herrn niederzuknien hatte, und wie er ihm die Schuhe sauber lecken musste. Doch das sie so seltsam in den Sog ziehende Schauspiel ging noch weiter. So wurde der Sklave von seinem Herrn an einen Baum gebunden und mit einem Gürtel gezüchtigt und anschließend von ihm voll uriniert. Den Jungen wurde heiß und kalt zugleich, und der Atem wurde ihnen bleischwer. Eine beklemmende Stille trug sich schleichend durch das Wohnzimmer. Und um von ihrem sich ausweitenden Unbehagen abzulenken, fingen die Jungen laut zu lachen an, ein kindisch verlegendes Lachen aus fast erstickten Kehlen. Doch ihre tiefe Verunsicherung blieb bestehen. Und dann trafen sich ihre Blicke und zum ersten Mal vermochten sie es nicht, sich in die Augen zu schauen. Daniel griff panisch nach der Fernbedienung und schaltete den Fernsehapparat aus.

 

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Die Jungen verzogen sich schweigend in Daniels Zimmer und waren hier nun sichtlich darum bemüht, die peinliche Situation so schnell als möglich vergessen zu machen. Deshalb wurde sich die Konsole als Ablenkungsmanöver hinzugeschaltet. Doch nach einer Weile wagte Daniel mit zittriger Stimme eine indirekte Rückkehr ins Wohnzimmer.

„Sag, Jan, findest du es nicht auch auf die Dauer ziemlich langweilig, einfach nur so zu spielen?“

„Wie meinst du denn das, einfach nur so?“

„Na einfach so, so ganz ohne Motivation, ganz ohne irgendeinen Einsatz“, versuchte Daniel sich zu erklären.

Und die Freunde vermieden es, sich während dieses Dialogs anzuschauen. Zu tief saß ihnen der Stachel der Angst, ihre Blicke könnten erneut dieses schreckliche Unbehagen in ihnen auslösen, doch gleichzeitig trieb sie genau dieses Gefühl an den Abgrund ihres Selbst.

„Du willst also um einen Einsatz spielen?“, hakte Jan zögerlich nach, als Daniel längere Zeit nichts weiter von sich gab.

„Ja klar! Was ist denn daran so schlimm?“ brummte Daniel.

Und er brummte diese Worte so versöhnlich, als gelte es, sich für irgend etwas zu entschuldigen. Die Jungen legten ihre Spieltastaturen von sich und überlegten, wie der zu erbringende Einsatz auszusehen hatte. Doch dabei stand eines bereits fest; es schwirrten ähnlich verdorbene Gedanken in den beiden Kleine-Jungen-Köpfen umher. Und auch ahnte ein jeder von ihnen, was in diesen Augenblicken sich in dem Kopf des jeweils anderen abspielte.

Schließlich nahm Daniel seinen ganzen Mut zusammen und sprach das aus, was ihnen beiden auf dem Herzen lag, und ihnen dasselbe womöglich in diesen Augenblicken in die Hose rutschen ließ.

„Wir machen es so wie die da im Fernsehen!“ keuchte Daniel. Und er zeigte sich sichtlich erleichtert, als ihm diese Worte einigermaßen geordnet über die Lippen gesprungen waren.

„Wie die da im Fernsehen?“ gab Jan sich gespielt überrascht. Doch natürlich wusste er nur zu gut, was Daniel mit diesem Vorschlag meinte.

„Ja, ganz genau wie die im Fernsehen.“ Dann überlegte Daniel noch kurz und sprach zittrig weiter: „Wir treten in einem Wettrennen gegeneinander an, nach dem dann der Verlierer automatisch zum Sklaven des Siegers erklärt wird“, erläuterte Daniel sein Vorhaben.

„Du meinst, sein richtiger Sklave?“ Jan musste zweimal tief schlucken, und eine kaum noch zu verbergende Erregung durchströmte seinen Körper.

„Ja genau, er wird der Nigger des Siegers!“ krächzte Daniel, wild entschlossen, seinen Worten nun auch Taten folgen zu lassen. Und so saßen sie für Augenblicke nebeneinander und tauchten ihre Unbeflecktheit in ein Meer dreckiger Phantasien ein. Ihre schweißnassen Hände umkrampften, sich Hilfe suchend, die Joysticks. Dann traten sie gegeneinander zum Duell an. Es sollte der wohl bedeutungsvollste Wettstreit ihres jungen Lebens werden.

Die Motoren ihrer virtuellen Flitzer heulten laut auf zum Schlag ihrer Herzen. Die Karossen bewegten sich ferngesteuert über den Pixelasphalt. Und beherrschten Daniel und Jan das Spiel für gewöhnlich im Schlaf, so fuhren sie bei diesem ganz besonderen Zweikampf gegen jeden Baum und jeden Strauch und es trug sie selbst bei den einfachsten Kurven von der Straße. Ja, selbst auf den Geraden bekamen sie ihre Autos nicht richtig unter Kontrolle. Wie zwei Betrunkene bugsierten sie ihre Karossen über den Parcours. Und nie zuvor schien ihnen diese Rennstrecke so unendlich lang, aber auch nie zuvor schien sie ihnen derart verheißungsvoll.

Dann plötzlich riss Jan seinen Mund weit auf, just in dem Moment, als er Daniels Wagen erst an sich vorbei- und dann über die Ziellinie hinüber gleiten sah. Die Freunde schwiegen zur Fanfare, die aus den Lautsprecherboxen des kleinen Fernsehers dröhnte.

„Du weißt, was das bedeutet?“ meinte Daniel schließlich, hörbar darum bemüht, seiner Stimme so etwas Ähnliches wie Autorität zu verleihen.

„Ja“, murmelte Jan leise.

„Na, dann los!“

„Und was soll ich machen?“ fragte Jan.

Daniel baute sich breitbeinig vor seinem Freund auf.

„Dich bis auf die Unterhose ausziehen, Sklave!“, befahl Daniel seinem Gefährten.

Jan biss sich verlegen auf seine Unterlippe. Dann begann er, sich langsam zu entkleiden. Und als er schließlich nur noch in Unterhose vor Daniel stand, schaute er verschämt zu Boden. Daniel indes tastete mit gierigen Blicken den Körper seines Sklavenjungen ab. Er hüstelte dabei mehrfach, wahrscheinlich um so seine Verlegenheit zu überspielen. Dann gab er einen neuerlichen Befehl an seinen Sklaven aus.

„Und nun lässt du dein Ding aus deiner Unterhose heraushängen!“

Jan schaute ungläubig zu Daniel hinauf.

„Aber die da im Fernsehen, die haben etwas anderes gemacht“, versuchte Jan seinem Herrscher flüsternd zu widersprechen.  Für einen Moment machte sich bei Daniel so etwas wie eine leichte Unsicherheit breit. Doch dann ergriff er sich das Kinn seines halbnackten Freundes, und mit laut tönender Stimme sprach er beschwörend auf diesen ein.

„Du hast wohl vergessen, was der Herr in dem Film dort eben zu seinem Sklaven gesagt hat, oder?“

Jan schwieg noch immer und hielt dabei seinen Kopf zum Boden gesenkt.

„Ein Nigger hat das zu tun, was sein Herr ihm befiehlt.“

Und da Jan noch immer nichts sagte, setzte Daniel noch einmal nach.

„Haben wir uns verstanden, Nigger?“

Jan nickte. Mit hochrotem Gesicht kauerte er nun vor Daniel. Dann griff er sich zögerlich in seine Unterhose und zog sein Glied daraus hervor. Daniels Augen liefen über. Er schaute sich das Anhängsel seines Freundes interessiert an. Allerdings achtete er peinlichst darauf, dass dieser sein Interesse nicht zu sehr bemerkte. Deshalb fädelte er ein leichtes Ablenkungsmanöver ein.

„Gut, Nigger, und nun lass uns weiter am Computer spielen!“

„Aber so, wie ich bin?“

„Natürlich so wie du bist.“ Und dann fügte Daniel noch einen Erklärungsversuch an: „Verstehst du denn nicht, ich will mich doch nur über dich amüsieren. Was denkst du denn, warum du wohl sonst dein Ding raushängen lassen sollst?“

Zwar wollte Daniel damit von seinem tatsächlichen Anliegen ablenken, doch als ihm sein Untertan in seine glühenden Augen sah, wusste dieser natürlich sofort, dass dies eine faustdicke Lüge von seinem neuem Gebieter war.

Während sie spielten, schwenkten Daniels Blicke immer  wieder - natürlich rein zufällig - hinüber zu Jan. Und dessen Schwanz geriet unter Daniels Blicken sichtlich in Wallung. Urplötzlich aber drängte sich das Geräusch eines Schlüssels in ihr Bewusstsein. Wie von einer Tarantel gestochen, streifte sich Jan seine Hose über. Als Daniels Eltern dann das Zimmer betraten, lächelten ihnen die beiden Jungen mit  aufgesetzten Unschuldsmienen entgegen, wohl wissend, dass ihnen Teile ihrer Unschuld kurz zuvor abhanden gekommen waren.

Nur wenige Tage nach dieser ersten kleinen Kostprobe bot sich dem Freundespaar erneut die Gelegenheit, sich ihrem Trieb hinzugeben, da Daniels Eltern mal wieder ausgehen  wollten. Nachdem diese die Wohnung verlassen hatten, redeten die Knaben noch eine Weile verlegen um den heißen Brei herum. Aber schon bald versanken sie abermals im Sumpf ihrer dunkelsten Phantasien. Und hierfür galt es zunächst wieder einmal die Rollenverteilung neu festzulegen.

Die Freunde verständigten sich darauf, dass wer bei dem folgenden Wettstreit am längsten die Luft anhalten konnte, damit das Privileg zuteil wurde, der Sklavenführer zu sein. Und als hätten es die Jungen nicht bereits schon vorher gewusst - Jan war bei diesem Wettstreit, wie auch bei all den noch folgenden, der Unterlegene, weil er nichts anderes sein wollte, als eben der Nigger seines besten Freundes. Aber trotzdem wurde auf dieses Eingangsritual nie verzichtet. Schließlich sollte es nicht so aussehen, als würde Jan sich seinem besten Freund aus freien Stücken vor die Füße werfen, obgleich es sich nun einmal ganz genauso verhielt.

An diesem Nachmittag beließ es Daniel nicht bei einer bloßen Geschlechtsbeschau. Zunächst inspizierte er seinen Sklaven ganz genau, ehe er sich diesen aneignete. Hierfür wurde Jan auf einem imaginären Sklavenmarkt angeboten und dort von seinem zukünftigen Herrn, Daniel, mit herablassenden Gesten und Begleitworten unter die Lupe genommen. Hiernach hatte Daniels Sklave aus Decken, Kissen, Stühlen und diversen anderen Materialien eine Höhle für sie beide zu errichten. Dabei hatte der Sklave die Höhle in zwei vollkommen gegensätzliche Räumlichkeiten zu unterteilen; nämlich einen großzügig und mit vielerlei Luxus angelegten Raum sowie einer sehr kleinen beengenden Nische ohne nennenswerte Zugaben. Und während es sich Daniel in dem geräumigen Abschnitt der Höhle mit Chips und Cola gut gehen ließ, wurde Jan bei Wasser und Brot in seiner Nische ähnlich einem Hund gehalten. Doch Jan genoss seine Stellung als Sklavenköter. Er fühlte sich nicht nur rundum wohl; er fühlte sich auch von seinem Herrn und Gebieter in einer diffusen Art und Weise geliebt. Und so litt er schweigend dankend ein süßlich-bitteres Leiden und  wünschte sich sehnlichst, es möge ihm nie vergehen.

Mehr und mehr stand ihre kindliche Freundschaft unter diesem neuerlichen Licht. Und ihr Rollenspiel lief jedes Mal nach dem bewährten Muster an. Allerdings schmückten die Knaben ihr dunkles Treiben mit immer neuen Facetten aus. Und Daniel entwickelte hierbei eine blühende Phantasie, wenn es darum ging, sich immer neue und krassere Demütigungen für seinen Sklavenjungen auszudenken. Die meiste Zeit über kauerte Jan selig hinter seinem kleinen Verschlag und nahm dankbar selbst die schlimmsten Erniedrigungen demütig in Empfang, etwa versalzende Speisen oder ein Glas Wasser, in welches Daniel vor den Augen seines Leibeigenen hinein gespuckt hatte. Und es kam Jan nie in den Sinn, den Befehlen seines Herrn, aus welchem Grund auch immer, nicht nachzukommen. Viel zu groß war seine Angst, dass er dadurch das Spiel, welches ihm bereits viel wichtiger geworden war, als alles andere, dadurch hätte für immer von Daniel beendet werden können.

 

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Anfangs beließ es Daniel bei minderschweren Bestrafungen seines Sklaven, z.B. indem er ihn aus einem Hundenapf trinken ließ oder aber seine Nahrung beschmutzte. Doch es dauerte nicht lange und Daniel fand zunehmend Gefallen an schmachvolleren Demütigungen und Leidzuführungen. So z.B. genoss Daniel es, wenn er Jan in Duckstellung vor sich kauern ließ und diesem Dinge sagen ließ, die ihm größer- und im Umkehrschluss seinen Sklaven kleiner werden ließen. Auch gab er seinem Sklaven aberwitzige Befehle, die allesamt unausführbar waren und einzig dazu dienten, vor seinem Leibeigenen neuerliche Strafen zu rechtfertigen, etwa Ohrfeigen, für die er sich zu bedanken hatte. Und der Straflevel erhöhte sich stetig. So hatte Jan seinem Freund bald nur noch mit Sir anzureden. Und diesem seinen Sir hatte er entweder nackt oder aber in entwürdigender Kleidung, etwa den Strumpfhosen seiner Mutter zu dienen. Manchmal musste Jan seinem Herrn auch auf allen Vieren auf die Toilette folgen und ihm dort bei der Verrichtung seines großen Geschäfts zuschauen. Und glaubt mir, dies war beileibe nicht das Schlimmste und Abgründigste, was Jan zu erwarten hatte. Doch ganz gleich, was sich Daniel auch an neuen Variationen einfallen ließ, nie hatte einer der beiden Jungen während dieses ausgeklügelten Rollenspiels einen Samenerguss, wohl aber durchlebten sie so manchen orgastischen Zustand.

Doch eines Tages wurde ihrem sündhaften Treiben ein jähes und unmittelbares Ende gesetzt. Jan hatte gerade einem Befehl nachzukommen, der besagte, dass er sich in demütigen Gesten und mit der Reizwäsche von Daniels Mutter vor seinem Sir zeigen sollte, als völlig überraschend dessen Eltern das Kinderzimmer betraten. Die Situation war so eindeutig und verfänglich, dass die beiden Freunde nicht einmal einen leisen Versuch unternahmen, den totalgeschockten Eltern eine Erklärung für dieses Schauspiel abzugeben. Ein heftiges Gewitter ergoss sich über die beiden auf frischer Tat Ertappten, der den gesamten Wohnblock erzittern ließ. Und nach diesem Blitzschlag wurde den Freunden der Umgang untereinander untersagt. Und ihre einst von beiden so intensiv wahr genommene Verbindung löste sich schließlich gänzlich auf, als Jan mit seinen Eltern in eine andere Stadt umzog

Es sollten fünfzehn Jahre vergehen, ehe Jan an einem verregneten Nachmittag eben dieser Teil seiner Vergangenheit wieder einholen sollte. Gemeinsam mit seiner Verlobten saß er vor dem heimischen Fernsehapparat. Unentschlossen zappte er sich durch die Programme, als ihm plötzlich, genau wie einst, der Atem stockte. Wie paralysiert klebte Jan auf der Polstergarnitur fest und ergab sich den fiktiven Geschehnissen, während er sich gleichzeitig langsam aus der Umklammerung seiner Beinahefrau löste. Und auch jetzt, fünfzehn Jahre später, hatten die Bilderfolgen in seinen Augen nichts von ihrer einstigen Faszination eingebüßt. Alles schien ihm fast so wie früher; jener süßlich-bittere Schmerz, den er bereits als 12jähriger Junge hinter seinem selbstgebauten Verschlag für die Ewigkeit ersehnte – hatte sich mit einem Donnerschlag wieder in sein Bewusstsein gedrängt. Und er fühlte ihn so stark, als wäre er niemals von ihm gewichen. Alles erschien Jan plötzlich so deutlich und leuchtend vor Augen, als hätte er eben erst seinen einstigen Verschlag verlassen.

In diesen fesselnden Augenblicken wurde Jan klar: Er musste Daniel wieder sehen, musste seinem einstigen Gebieter noch einmal gegenüberstehen. Und die Suche nach Daniel erwies sich als denkbar einfach. Es genügte ein flüchtiger Blick ins Telefonbuch, um Daniels Anschrift auszumachen. Doch der schwierige Teil des „Unternehmens Roots“ stand ihm noch bevor. Lange überlegte er, wie er es wohl am besten anstellen sollte, mit Daniel in Kontakt zu treten. Er konnte ja unmöglich einfach an Daniels Tür klopfen und sagen:

„Hallo, hier bin ich, dein Sklavenjunge.“

Dann hatte Jan eine Idee: Er zeichnete die Wiederholung des hochexplosiven Filmmaterials auf ein Videoband und schickte es  an Daniels neue Adresse. Und der Videobotschaft legte er eine kurze Nachricht bei:

Lieber Daniel,

sollte die beigelegte Aufnahme auch bei Dir nach all den Jahren noch immer dieses unbeschreibliche Kribbeln hervorrufen, wie bei mir, dann sollten wir uns treffen. Ich werde am nächsten Sonntag bei Sonnenuntergang unter unserer alten Eiche stehen und auf Dich warten.

Dein Sklave Jan.

 

Am Sonntag fand sich Jan  bereits lange vor Sonnenuntergang unter der Eiche ein und er war sehr aufgeregt. Immer wieder hielt stellte er sich die bange Frage, wie Daniel auf seine Post reagiert hatte? Vielleicht war er  längst verheiratet, hatte womöglich eigene Kinder. Oder vielleicht hatte er die Geschichte von damals  längst vergessen, vergessen wollen? Ja, und vielleicht war er  eben deshalb sehr erbost darüber, dass sein ehemals bester Freund in den dunkeln Winkeln ihrer gemeinsamen Vergangenheit herumstocherte? Die Zweifel wuchsen mit jeder Minute. Und just an dem Punkt, als sie Jan zu verschlingen drohten, da tauchte in der Feme eine Gestalt auf, die sich ihm mit federnden Bewegungen näherte. Allmählich entschlüsselte sich die Gestalt und er sah einen groß gewachsenen drahtigen Mann. Und ja, es war tatsächlich Daniel, der sich vor seinem weit aufgerissenen Augen aufbaute.

Jan schluckte, als Daniel ihm gegenüberstand. Schweigend schauten sich die beiden Freunde in ihre gereiften Gesichter, in denen die Sehnsucht vergangener Tage loderte. Ihre Blicke hafteten aneinander. Und dann hielten  beide ihren Atem an, wie sie es früher taten, um über ihr beider Schicksal zu bestimmen.

Selbstredend war Jan es, der auch dieses Duell verlor und daraufhin seinen Kopf zu Boden senkte, während ihm gleichzeitig vor lauter Glücksgefühlen  Tränen in die Augen stiegen. Daniel konnte sich ein leises überlegenes Lachen nicht verkneifen. Dann aber trat er ganz dicht an seinen Leibeigenen heran und zog dessen Gesicht an das seinige.

„Komm schon“, brummte er Jan mit bebender Stimme an: „Lass uns eine Höhle bauen gehen!“

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Zodiac, 6 Februar 2011 - Hallo! Nicht  nur das mit die Story an und für sich verdammt gut gefällt sehe ich viele Parallelen zu meinem Kindheitserinnerungen ,ich war damals auch von Roots fasziniert  ,eben diese Szenen der Auspeitschungen .Selbst habe ich keine Erfahrungen mit anderen machen können da ich diese Neigung nicht nach außen hin zeigen konnte und kann. Ich würde mich eher (obwohl ich auf bestimmte Schmerzstimulationen bei mir selbst stehe und sie auch praktiziere so weit es möglich ist) als dominant bezeichnen und lebe eben diese Fantasien einen Mann zu foltern (nur Oberkörper ,ich bin ein extremer Rückenfetischist ) in meinen selbstverfassten Stories aus .Deine Seite ist ansprechend und deine Ehrlichkeit mit diesem Thema ist erfrischend .

Ida_Lane,28 April 2012     Gelungen. Sie haben eine schöne Art zu formulieren. Ich weiß nicht, wie alt Sie sind, aber die Sprache lässt bei Erwachsenen häufig nicht weniger zu wünschen übrig, als bei Jugendlichen. ^^ ohne respektlos erscheinen zu wollen, allen Erwachsenen gegenüber! Diese beiden Jungen... ist es eine rein sexuelle Beziehung mit freundschaftlicher Basis oder blitzt bzw. soll da für den Leser auch ein wenig Romantisches hindurch blitzen? Kann bei einer solchen Beziehung überhaupt von "Liebe" im verallgemeinerten Sprachgebrauch die Rede sein oder geht es einfach bloß um Erotik? Und gilt eine Sadomasobeziehung erst dann als solche, wenn sexuelle Handlungen oder überhaupt physische Handlungen im Spiel sind oder könnte man diesen Begriff auch für rein psychische Demütigung/Unterwerfung in einer Art Beziehungskomplex verwenden? Und zuletzt: in welchem Jungen spiegeln Sie sich wieder? Oder sind es beide? (Sagen Sie einfach, wenn meine Neugierde zu weit geht.

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