Sadomasochismus (SM)

Über- und Sammelbegriff für ein großes Spektrum diverser Praktiken und Neigungen, der sich aus den Begriffen Sadismus & Masochismus zusammensetzt und einen wesentlichen Bestandteil des BDSM darstellt.

Bei sadomasochistischen Praktiken spielen vor allem Schmerz zufügen/Schmerzgeilheit, Macht & Unterwerfung, Demütigungen und Freiheitsberaubung sowie Abhängigkeitsverhältnisse eine zentrale Rolle. Und oft werden sadomasochistische Phantasien in sexuellen Rollenspielen ausgelebt, wobei der Geschlechtsverkehr (Analverkehr) oder typische Sextechniken wie Oralverkehr oder Wichsen oft eher nebensächlich sind oder überhaupt nicht stattfinden. Auch steht das Erlangen eines Samenergusses beim Sadomasochismus häufig nicht im Zentrum des Interesses.

Wer den Sadomasochismus verstehen will, sollte diesen nicht nur als Sammelbegriff für von der Norm abweichende sexuelle Handlungen abhandeln. Vielmehr ist der Sadomasochismus ein komplexes Gebilde und dabei ebenso vielschichtig wie die Persönlichkeitsstruktur eines jeden einzelnen Menschen. Wenn wir Sadomasochisten betrachten, so offenbaren sich uns in der Regel menschliche Individuum, bei denen sich durch besondere Gegebenheiten bzw. Einflüsse im Verlauf ihres Lebens die mannigfaltigsten sexuellen Verhaltensmuster herausgebildet haben.

Sadomasochistische Tendenzen sind beim Menschen weitaus verbreiteter, als manche glauben mögen oder aber es wahrhaben wollen. So hat  annähernd jeder Mensch zumindest einmal im Laufe seines Lebens Phantasien sadomasochistischen Inhalts.

 

gefesselter Mann

 

Von SM-Phantasiegebilden wird der Mensch (insbesondere der Mann) häufig bereits zwischen seinem sechsten bis achten Lebensjahr heimgesucht. Trägt man einem Knaben beispielsweise in jener Entwicklungsphase ein Märchen vor, welches grausame Elemente beinhaltet, so kann dies bei ihm deutliche sexuelle Gefühle hervorrufen. Dies geschieht vor allem dann, wenn Knaben mit Szenen körperlicher Leidzuführung konfrontiert werden; und dabei sind es insbesondere Handlungen wie Schläge, die viele Jungen mitunter seltsam berühren. Viele dieser Gefühlsschauer werden durch das Betrachten von Bildern, also beispielsweise durch die Vorführung eines Filmes ins Bewusstsein gerufen. Neben angenehmen Empfindungen fühlen sich annähernd alle Knaben bei derlei „Begegnungen“ auch peinlichst berührt, weil ihr Wohlgefühl durch so grausame Bilder hervorgerufen wurde. So fühlen sie sich einerseits von einer geheimnisvollen Macht angezogen, aber zugleich auch von ihr abgestoßen. Dabei bleiben ihnen die dabei gemachten Eindrücke meist weitestgehend fremd und unbegreiflich.

Oftmals zeigen sich sadomasochistische Verhaltenszüge aber auch, ohne dass es hierfür erst einer äußerlichen Einwirkung bedarf. So ist eine weit verbreitete Knabenphantasie die, von einem anderen Jungen in einem Kampf besiegt zu werden oder aber diesen zu besiegen, um dann entweder in Verliererpose unter ihm zu kauern (Unterwerfung) oder aber in Siegerhaltung über ihm zu thronen (Macht). Es lassen sich aber auch ganz konkrete sadomasochistische Handlungen bei einer Vielzahl von Knaben beobachten, so z.B. eine oft betriebene Form der Tierquälerei.

Hier einige Beispiele: Einem Schuster werden bei lebendigem Leibe die Beine herausgerissen; einer Fliege wird ein Glas übergestülpt, um dann zu beobachten, wie diese in ihrem gläsernen Gefängnis erstickt; Frösche werden getötet, indem man sie mittels einer Luftpumpe aufbläst, bis diese platzen. Die Liste derartiger Grausamkeiten ließe sich beinahe endlos weiterführen.

 

Unterwerfung

 

Zwar meinen einige Verhaltensforscher, dass die von Knaben verübten Gräueltaten gegenüber Tieren sich allein durch die unbändige Neugierde seitens der Kinder erklären lassen; doch finden sich ebenfalls viele Wissenschaftler, die von dieser These z.T. weit abrücken. Und wer auch immer sich als Knabe selbst solchen Taten hingegeben hat bzw. sich hierzu getrieben sah, wird, insofern er sich nur ehrlich hinterfragt und ihm die Erinnerungen an damals noch gegenwärtig sind, bestätigen können, dass nicht allein die Neugierde ihn zu seinem Handeln getrieben hat. Sondern dass es da noch ein anderes Gefühl gab, welches in ihm aufbegehrte; ein Gefühl von Macht und Stärke, von Dominanz und Herrschaft, welches er in diesen Momenten über eine Kreatur auszuleben vermochte.

Eine aus der französischen Schule stammende Anschauung geht davon aus, dass sadomasochistische Neigungen durch die Fixierung frühkindlicher Erlebnisse erworben werden. Amerikanische Forscher sprechen diesbezüglich von einem Sexualverhalten, welches

durch Vorlagen und Muster sowie durch (sexuelle) Vorkommnisse und Situationen bzw. deren Interpretation herausgebildet wird. In diesem Zusammenhang der Anhang, dass sich das Quälen und Töten von Tieren weniger als prägendes Element hin zu sadomasochistischem Verhalten deuten lässt, als dass es sich vielmehr als ein aus einer bereits erworbenen Fixierung entsprungenes Produkt erklärt.

Eine sadomasochistische Anlage bildet sich häufig aufgrund eines tiefen Ohnmachtsgefühls heraus, der Angst, durch irgendetwas da draußen zerstört zu werden. Bereits im frühesten Alter kann sich ein Kind komplexe Abwehrmechanismen gegen eine bedrohende Außenwelt errichten, die übrigens meist in Gestalt eines Menschen in Erscheinung tritt. Dabei geht der Herausbildung einer sadistischen Neigung meist auch ein Gefühl der Einsamkeit voraus bzw. wird von diesem begleitet. Zudem fühlt sich der Betroffene oft wie in einem unsichtbaren Gefängnis. Um dieser Isolation zu entkommen und um sich den permanenten Druck zu entledigen, versucht der Sadist, Gewalt und Macht über eine andere Person auszuüben, diese zu einem Bestandteil seiner selbst werden zu lassen. Sei es durch Unterdrückung, körperliche Gewalt, Demütigung oder seelische Leidzufügung,  Beschämung oder aber Besudelung. Häufig versucht der Sadist auch, Gewalt über das Denken und Handeln des masochistischen Partners zu gewinnen, will diesen seelisch wie körperlich ausbeuten, ihn sich quasi einverleiben. Hinter alledem verbirgt sich oft allein der verzweifelte Versuch eines Menschen, einem tiefsitzenden Ohnmachtsgefühl zu entkommen, welches ihn peinigt. Auch dienen sadistische Handlungen häufig dazu, Minderwertigkeitsgefühle zu kompensieren, übt man doch Herrschaft aus und verwischt durch derlei Handlungen die Spuren seiner eigenen Winzigkeit und Verletzbarkeit. Der Sadist handelt meist nach dem Motto:  Bevor etwas mich zerstören kann, werde ich es zerstören! Dennoch bleibt der Sadist bei allem, was er tut, von seinem masochistischen Sexualpartner abhängig, ebenso wie dieser von ihm. Da der Sadist aber eine solche Abhängigkeit aller Regel nach scheut, lässt er sich nur selten auf längere Beziehungen ein, auch wenn diese in seinen Vorstellungen meist eine große Rolle spielen, da sich eigentlich nur darin all seine Sexphantasien verwirklichen ließen. Doch da der Sadist um das Leid ahnt, welches ihn im Falle einer Trennung (Beziehungsende) übermächtigen würde, verzichtet er lieber auf eine allzu intensive Bindung zu einem masochistischen Mann.

 

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Macht

 

Viele Menschen denken, dass Sadomasochismus und Schmerz stets eine Einheit bilden müssen. Doch diese Annahme ist falsch. Der Großteil  der Masochisten zieht eine schmerzfreie Erniedrigung, Besudelung oder Unterwerfung einer körperlichen Folterung bzw. Züchtigung eindeutig vor. Und selbst bei den Masochisten, die vordergründig auf Schmerz und Qualen fixiert scheinen, spielt das psychologische Moment bei einer Leidzufügung die weitaus gewichtigere Rolle.

Deshalb sei hier noch einmal zusammengefasst: Bei der Ausübung sämtlicher SM-Sexualpraktiken geht es vornehmlich um die Gegenüberstellung der sich voneinander abstoßenden und gleichzeitig anziehenden Pole, nämlich Macht und Unterwerfung, Dominanz und Demut, Ausbeutung und ausgebeutet werden, erniedrigen und erniedrigt werden, herrschen und beherrscht werden und so weiter.

Sadismus und Masochismus finden sich übrigens sehr häufig in nur einer Person vereint. Es ist davon auszugehen, dass ein jeder Sadist mehr oder weniger stark ausgeprägte masochistische Neigungen in sich trägt, so wie dies beim Masochisten umgekehrt auch der Fall sein dürfte. Dies erklärt sich u.a. daraus, dass bei der Herausbildung einer sadistisch/masochistischen Neigung im Prinzip dasselbe Ohnmachtsgefühl zu Grunde liegt. Des Weiteren lässt sich diese These noch dadurch  stützen, dass sich schließlich in jedem Menschen Züge von Herrschsucht und Demut, von Gehorsam und Auflehnung wiederfinden.

Wie formulierte es doch einst Alfred Adler:

„Der Sadist ist der triumphierende Besiegte, der Masochist der geschlagene Sieger.“

 siehe auch unter: Sadist (Sadismus), Sadomasochismus (SM), Masochismus, Abbinden (Penis/Hodensack), BDSM, Bondage (Fesseln & Fesselspiele), Branding(s), Drill, Flag (Flagellation), Fisting (Handballing), Freud, Sigmund, Hoerigkeit, Demut, Gerte, Peitsche, Rute, Paddel usw., Gewichte (beim SM-Sex), Gummi (Latex), Handschellen, Hanky-Codes (Farbcodes), Kaefige & Zellen (SM-Mobilar), Kink-Sex, Keuschheitsguertel  Keuschheitshose, Kastration & Kastrationsphantasien, Meister, Sir, Herr (Anredeformen), Katheter-Spiele (Blasenkatheter), Knebel (SM-Utensil),Klammern (SM-Utensil), Kitzeln & Kitzelspiele, Masken (BDSM-Utensil), MSC, Meister-Sklave-Beziehung, Nadeln & Nadelspiele, Natursektspiele,Besudelung & Besudelungsphantasien, Opfer-Mentalitaet, Paschas (sexuelle), Playrooms (für BDSM), Scat  (Kaviar) Scatspiele, Schlammspiele (Mud-Games), Reizstrom (Elektrostimulation), Tabubrueche (sexuelle), Todestrieb, Top, Bottom, Verantwortungsbewusstsein (beim Sex), Uniformen (schwule), Verbalerotik & Verbalerniedrigung, Ventilfunktion, Rollenspiele (beim Sex), Sklave (Sex-Sklave), Sklavenphantasien (unrealistische)

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