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Scheiß auf die Krone! Arne Pahlke, August 2010
Irreführender und zugleich treffender hätte der Titel für ein soeben überstandenes Malheur wohl kaum ausfallen können. Die Rede ist von einem äußerst unappetitlichen Unglück, welches am vergangenen Montag (am späten Abend) seinen Anfang nahm und heute Morgen ein versöhnliches Ende fand. Nein, niemand hat mich gegen meinen Willen zum König gekrönt und auch habe ich meine Krone nicht heute abgelegt. Vielmehr konnte ich mir meine Krone vor einigen Stunden wieder aufsetzen. Doch der Reihe nach: An Montag saß ich an meinem Computer und trank meine 1-2 Gläschen Schlafwein. Und als mich ein leichter Heißhunger überkam, schnitt ich mir eine dicke Scheibe von einem Krustenbrot und verschlang diese gierig. Als ich mir kurz darauf meine Zähne putzte, da der Wein seine Wirkung zeigte und ich mich somit bettschwer genug fühlte, - fiel mir zu meinem Entsetzen auf, dass meine Krone verschwunden war. Anstatt der Zahnkrone war nur noch ein stalagmitartig abgeschliffener Zahnrumpf zu sehen. Und dies war beileibe kein schöner Anblick! „So eine Scheiße“, schoss es mir durch den Kopf. Und ich konnte in diesem Augenblick gar nicht realisieren, wie treffend ich mein Malheur in so wenigen Worten eingefangen hatte. Vor wenigen Tagen verlangte ich meinem Leservolk bereits ein gewisses Maß an Ekeltoleranz ab, als ich ihnen ein Gedicht über meinen nicht enden wollenden Durchfall (lese unter: Durchfall ohne Ende) kredenzte. Doch mit diesem hier beschriebenen Missgeschick setze ich der Ekelfolter noch einen drauf, denn … …ich habe diese verfluchte Zahnkrone verschluckt und dieses exklusive und teure Ding befand sich in meinem Magen. Und es war klar, dass es meinen Magen bald verlassen und anschließend meinen gesamten Darmkanal durchwandern und dann irgendwann und hoffentlich unversehrt (eingebettet von einem Scheißehäufchen) aus meiner Anusöffnung flutschen würde. So weit – so ekelhaft! Eine kurze Recherche im Internet brachte mir folgende Erkenntnisse:
.„PFUIIII BÄHHHH! Ich würde niemals in meiner eigenen Scheiße nach einer Zahnkrone fischen!“, werden jetzt sicherlich einige angewidert einwenden und sofort bekräftigen, dass sie sich in einem solchen Fall eben einfach eine neue Krone hätten anfertigen lassen. Nun, wenn ich über das nötige „Kleingeld“ verfügen würde, hätte ich mir meine tägliche Schatzsuche in den eigenen Kothaufen eventuell auch erspart. Doch da 600 Euro (so der Preis für meine Krone) für mich kein Kleingeld ist, habe ich nicht eine Sekunde lang gedacht: „Scheiß auf die Krone”! ...sondern vielmehr: “Ich nehme auch die zugeschissene Krone wieder ...” Also habe ich meinen Stuhlgang jeweils mit großem Aufwand untersucht, um auch wirklich sicherzustellen, dass ich die Zahnkrone nicht übersehe. Und ja, es war ekelhaft. Ich fand es sogar so ekelhaft, dass ich in einem meiner Sexprofile im Internet, wo ich einst bei dem Punkt „DIRTY – MAL PROBIEREN“ ein Häkchen gesetzt habe, dieses nach einer meiner Stuhluntersuchungen angewidert entfernt habe. Und hätte ich gewusst, dass ich am Montagabend meine Zahnkrone verschlucke, dann hätte ich am Tag zuvor ganz bestimmt keine fünf Stück Pflaumenkuchen vertilgt. Pflaumenkuchenkot sieht nämlich sowas von ekelhaft aus! Und auch meine Vorliebe für Körnerprodukte komplizierte die Suche nach meinem „Kronenjuwel“. Ständig stößt man auf Hartteile und meint/hofft daraufhin, endlich den heißherbeigesehnten „Schatz“ gefunden zu haben, - doch ein um das andere Mal stieß ich nur auf ein Stück vom Scheißekuchen! Doch bei der heutigen Stuhluntersuchung, die ich mit Hilfe chirurgischer Einweghandschuhe und Wegwerfholzspatel durchgeführt habe, stieß ich auf die etwa 4 Gramm (?) schwere und 600 Euro teure Krone. Scheiße, war das ein schöner Anblick, auch wenn diese zugegebenermaßen ziemlich beschissen aussah. Aber was soll’s: sie wurde gründlichst gereinigt - geputzt – desinfiziert – noch einmal geputzt und dann eingesetzt. Und dank dieser moderigen Begebenheit habe ich tatsächlich so etwas wie eine Beziehung zu meiner Krone aufgebaut. Schließlich ist sie in mir und somit quasi mit mir gemeinsam durch die Scheiße gegangen. Und ich habe sie nach tagelangen Anstrengungen für uns beide aus eben dieser Scheiße rausgeholt. So ein Schicksal sch(w)eißt zusammen. Und deshalb bekommt unsere Beziehung Anfang nächster Woche ein neues extrahartes Betonfundament, damit uns so etwas nie wieder passiert. |
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Konkalit, 14 August 2010 Nun das ist durchaus ekelhaft...aber irgendwie auch seltsam rührig...DAS ist es was mir irgendwie Angst macht, dass du für 600 Euro einen Toilettentieftauchkursus absolvierst halte ich nur für legitim auch wenn es vermutlich nochmal soviel Überwindung gekostet hat sie wirklich wieder einzusetzen. werwiewasauchimmerichist, 27 September 2010 - hallo arne - das ist einfach ne super geschichte; natürlich meine ich nicht die tatsache, dass dir das passiert ist, sondern die kunst und die menschlichkeit, wie du darüber schreiben kannst... die ganz normalen abgründe des lebens eines menschen im 21. jhd, der nicht über (un)mengen von geld verfügt, dass er 600 euro einfach so ins klo runterspülen kann... ich hätte das genauso gemacht, nullkommnull zweifel, auch wenns nicht angenehm ist. abgesehen davon hab ich immer irgendwie auch ne gewisse achtung von dem, was mein körper so kann und für mich tut; z.b. zwetschgenkuchen in benutzbare zellenergie umzuwandeln... das ergebnis is nicht soo hübsch, aber mei... so is halt das leben... Wortmutation: Und ich würde es immer wieder tun. Außerdem setzt auch bei solchen Dingen ein Gewöhnungseffekt ein. Ich bin mir sicher, dass es mich, sollte es nochmals passieren, weniger Überwindung kosten. Die Hexe, 21 Nivember 2010 - Danke für diesen herrlichen Eintrag. Ich habe selten so oft und herzhaft gelacht. Respekt! Ich bin beeindruckt! ...und ja, ich weiss, das der Eitrag schon gaaaanz alt ist. Ich kann ja nix dafür, das ich das erst heute lese. Wortmutation: .... Ich freue mich auch über Kommentare zu alten Einträgen - oft sogar gerade über diese! ...und ich musste bei der textlichen Aufarbeitung meines Missgeschicks auch lachen :-) Danke! |
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® sämtliche Textrechte liegen bei Arne Pahlke/Wortmutation |
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