Scheiße im Kopf

Arne Pahlke, 2004

 

Verdörrt, meine wuchernden Vokalgewächse und die labilen Fäkalblähungen.

Verebbt, mein neunmalkluges Widersacherreden und mein betuliches Blendergrinsen.

Verlebt, mein subjektives Inlett mitsamt seines sich veräußerten Füllmaterials.

Verloren, meine nie existente aber doch sehr gern von mir erträumte fabelhafte Persönlichkeit.

 

Dass mir einst selbst implizierte wohlriechende Plumpsklo-Ego spült sich fortwährend fort,

hinauf auf den Jauchehaufen des Irdischen Jammertals.

All meine verworrenen stinkenden Gehirngewächse dünsten kanalisierend aus,

hinab auf die Niederungen meiner und unser aller Eigentümlichkeit.

 

Scheiße ist ein effektives Bindemittel.

Doch die Gülle in meinem Kopf verklebt mir zunehmend den Verstand.

Und wenn Hirnkastenjauche stinken könnte,

dann müsste wohl ein jeder ganz elendig an meinen Ausdünstungen verenden,

wenn er sich mir nur auf 1000 Meter nähren würde;

denn ich habe nichts weiter als Scheiße im Kopf.

 

 

 

Und bei Gott, oder wer auch immer für diesen Müll verantwortlich ist,

ich bin nicht allein mit diesem pestilenzialischen Leiden gestraft.

Der Kopfdung ist allgegenwärtig, ist die Gülle-Grippe des Menschseins.

Aber scheinbar hat man den meisten Schädelträgern das Gehirn derart heftig zugeschissen,

dass dieses - von Jauche vernebelt, - den Dung nicht mehr wittert.

 

Es ist erstaunlich und beängstigend zugleich,

wie viele Kloakenproduzenten sich für erkenntnisreich oder gar für weise halten.

Sie reden pausenlos Scheiße, sie quirlen dieselbige in gar abartiger Manier

und kredenzen sie der Masse dennoch als geistigen Höhenflug,

obgleich sie tatsächlich nur muffelnde Verstandesfürze produzieren.

 

Wenn doch nur alle Menschenwürmer

einen winzigen Teil  meines Selbstanklagevermögens in sich tragen würden.

Wenn sie doch alle nur meinen  Jauche-Filtrator mit einem bitteren Verwöhn-Aroma in sich hätten,

dann könnten wir den Weg des Gedankenkompostierens gehen.

Aber sie sind ja leider alles nur Menschen

mit lauter Scheiße im Kopf!

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Chaostilo, 18 Januar 2011 - gut gedichtet und ein trauriger, wahrer Kern... :) hat Spaß gemacht, es zu lesen. MfG Tilo

Wortmutation: Danke fürs Feedback :-)

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