Schildbürgerstreich Arne Pahlke, Februar 1998

 

An einer typischen Kleinstadt-Straßenkreuzung,

unter einer idyllischen Beleuchtung,

da fußte einst ein Duo Verkehrsymbolträger,

als zwei stumme Anhaltekläger.

Jedes Schild hielt in großen Buchstaben,

die Verkehrsteilnehmer dazu an, Acht zu haben.

Pedantisch und knapp befahlen sie: S T O P.

Und dies allein war auch ihr Job.

Dann aber wurde eines der beiden Schilder depressiv.

Was hängt bei dir denn schief?“,

rief das andere Schild zu ihm hinüber.

„Ach, mit jedem Tag wird’s mir trüber“,

repliziert das kummervolle Stoppschild traurig.

„Ach, mein Schildchen, das ist ja schaurig“,

gibt der besorgte Blechfreund zu verstehen.

„Was ist denn bloß mit dir geschehen?“

 

Niedergeschlagen seufzt das Betrübte schwer:

„Mein lieber Freund, ich mag nicht mehr!

Hörst du denn nicht, wie der Mensch über uns spricht?

Er stoppt zwar vor uns, doch er liebt uns nicht.“

Der Freund schaut tief besorgt und es bricht

ihm fast das Aluherz:

„Ich verstehe ja sehr wohl deinen Schmerz,

aber dies ist unser Schicksal.

So gebrauche nur dein vorhandenes Potential.

Und du wirst sehen,

dein Kummer wird dir bald vergehen.

Da stand es nun, das betrübte Schild, die ganze Nacht

und hat über die Worte seines Freundes nachgedacht.

Und als dieser aus seinem Schlaf erwachte,

da erblickte er das andere Schild in einer Narrentracht’e.

Es  stand auf seines Freundes Brust,

- oh welch Prestigeverlust -

mit der bekannt markanten Schrift,

doch nun völlig neu gemischt,

anstatt des Befehls: S T O P

nun das Wörtchen: P O S T

Ja, schau nur!, jubelte das Schild: „Von wegen Schicksal ...

Man gebrauche nur sein vorhandenes Potential...“

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