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Seemannsgarn Arne Pahlke, Januar 2010
Kurz nachdem Kapitän Colorado die Moral über Bord geworfen hatte, wurden alle Seemänner situationsschwul und fielen über die sieben jungen französischen Matrosen her. Und da es auf der St. Pirelli annähernd achtzig Seemänner gab, verstarben die sieben jungen Matrosen bereits in der ersten morallosen Nacht an Lochfraß. Als sich Kapitän Colorado darüber echauffierte, ließen die Seemänner ihn Kielholen. Doch da Kiel sehr weit vom Kapp der guten Hoffnung entfernt lag, sollte es achtzehn Jahre dauern, ehe Kapitän Colorado mit Kiel im Schlepptau zur St. Pirelli zurückkehrte. Zwar fand sich die St. Pirelli noch immer an derselben Stelle – nur war sie kurz nach seinem unfreiwilligen Aufbruch ins kalte Nordeuropa - gesunken. Doch da auf seinem mitgebrachten Kielstück viele tausend Menschen lebten, war es Kapitän Colorado ein Leichtes, mit ihrer Hilfe die St. Pirelli zu bergen. Allerdings musste das Bergungsteam mit Erschrecken feststellen, dass aus den ertrunkenen Seemännern im Verlauf des Verwesungsprozesses Untote geworden sind. Sie waren zu scheußlichen Kreaturen mutiert - halb Seegurke - halb Mensch. Und die sieben französischen Matrosen dienten ihnen, wie bereits in der ersten verhängnisvollen morallosen Nacht, als alternative Befruchtungsbecken. Und so ist aus einst knapp achtzig Seemännern in nur achtzehn Jahren eine Kolonie von weit über fünfhundert Seegurken-Seemännern erwachsen. Und diese Kolonie griff das Bergungsteam sofort an, als sie es entdeckte.
Es folgte eine Meeresbodenschlacht, wie die Welt sie bis dato noch nicht erlebt hatte. Und im Verlauf dieser Schlacht sank Kiel mitsamt seinen Einwohnern und legte so das Fundament für Atlantis. Doch da Atlantis bereits um 9600 v. Chr. untergegangen war und man nun bereits das Jahr 1772 schrieb, musste sich Kapitän Colorado etwas einfallen lassen. Also stellte er das Raum-Zeit-Kontinuum kurzerhand auf dem Kopf und schüttelte es mitsamt Kiel und dem Meer solange durch, bis sie alle im Jahr 9600 v. Chr. angekommen waren. Und zwar in Form einer Sintflut; - ausgelöst durch das heftige Raum-Zeit-Kontinuum-Meeres-Geschüttel. Niemand überlebte diesen Sprung durch Zeit und Raum, mit Ausnahme von Kapitän Colorado. Und als die Menschen ihn sahen, wie er dort auf der St. Pirelli auf dieser berghohen Sintflutwelle ritt, hielten sie ihn für den allerersten Messias. Und so kam es, das aus Kapitän Colorado der Messias wurde. Und zwar Peter Messias. Und als Peter Messias wurde er wegen des Überbringen von schlechten Wetterlagen zu fünfzehn Jahren Erdhöhle verurteilt. Doch anstatt sich aufzugeben, erfand Kapitän Colorado alias Peter Messias nicht nur den Buchdruck; - sondern er verfasste in seiner Erdhöhle ein Buch, für das er annähernd 12.000 Jahre später den Literaturnobelpreis erhalten sollte. Allerdings erntete nicht er die Anerkennung für sein großes Werk, sondern der bis dato fast unbekannte Günter Grass, der Kapitän Colorados Manuskript bei einer Südafrikareise gefunden hatte. Wenn sie also jemals das Buch „Die Blechtrommel“ lesen sollten, so denken Sie dabei bitte auch einen Augenblick an den wahren Verfasser dieses Werkes. Und jetzt, wo Sie wissen, warum Günter Grass weder davor noch danach ein annähernd großes Werk zu Papier gebracht hat, sollten Sie diesen - vielfach überschätzten - Autoren mit anderen Augen sehen. |
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® sämtliche Textrechte liegen bei Arne Pahlke/Wortmutation |
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