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Mitunter verraten selbst triviale Dinge, wie etwa die Bewertung einer Schauspielleistung, so einiges über den Denkschablonenmechanismus des gemeinen Mannes. So waren es doch einst vor allem Männer, die Leonardo DiCaprio (fast) jegliche Schauspieltalent absprachen. Einst, als er noch ein jugendlicher bildschöner Frauenschwarm war. Und dies taten sie, obgleich er in einigen seiner Frühwerke eine darstellerische Brillanz ablieferte, die er SO bis heute so nicht mehr abrufen konnte. Und manche Filme wurden sogar allein durch seine herausragenden schauspielerischen Fähigkeiten getragen. So z.B. „Jim Carroll ヨ in den Straen von New York“; - ein Film, der ohne seine Darstellung des Jim Carrolls weitestgehend belanglos ausgefallen wäre. Doch heute, wo DiCaprio sich optisch immer mehr den durchschnittlichen Aussehen eines etwa 35jährigen männlichen Kinobesuchers angenähert hat; - und somit also mit einem hier und da bereits verlebten Gesicht und einem leichten Doppelkinn daherkommt, erkennen plötzlich immer mehr Männer sein großes Schauspieltalent (an.) Und dies sogar in Filmen wie „Shutter Island“, in denen Leonardo DiCaprio überhaupt nicht so groß aufspielt, sondern (zumindest für mein Gefühl) lediglich eine mittelprächtige Leistung abliefert. Aus stilistischer Sicht weiß „Shutter Island“ vollauf zu überzeugen. Fast jede Szene wirkt ungemein stylisch und die Kamerafahrten sind meisterhaft. Auch das Setting (eine geschlossene Anstalt für psychisch kranke Schwerverbrecher auf einer einsamen Insel) wirkt stimmig und bisweilen wunderbar beklemmend. Doch der eigentliche Star dieses Psychothrillers ist die Story – oder vielmehr die Story hinter der Story. Jawohl, einen Großteil seines Reizes zieht „Shutter Island“ ganz eindeutig aus seinen (ich nenne ihn mal so) „The-Sixth-Sense-Effekt“.
eine der Insassen auf Shutter Island
Seit „The-Sixth-Sense“ (Psychothriller aus dem Jahr 2001 mit Bruce Willis) werden Filme wie dieser immer häufiger produziert. Also Machwerke, die vor allem darauf setzen, den Zuschauer in die Irre zu leiten; - ihm eine Story zu servieren, die ihm auf eine falsche Fährte locken; - um dann – meist gegen Ende des Filmes - die große Auflösung aufzufahren, die nicht selten alles zuvor Gesehene völlig auf den Kopf stellen und in einem neuen Licht erscheinen lassen. Nur leider bieten sehr viele dieser Filme (meist jene aus dem Mystery-Genre) kaum mehr als eben diese „große“ Auflösung am Ende. Und oft sind diese Auflösungen dann noch völlig absurd und widersprechen jeglicher Logik. Oft kann man sich als wacher Zuschauer dann nicht des Eindrucks erwehren, dass bei einem solchen Filmen lediglich um eine dünne bis überhaupt nicht vorhandene Story ein finaler Aha-Effekt konstruiert wurde, um das große Nichts am Ende zumindest effektvoll „platzen“ zu lassen. Nur selten vollbringen Drehbuchautoren und Filmemacher einen so guten und stimmigen „The-Sixth-Sense-Effekt“ wie bei „Shutter Island“, der das zuvor Gesehene (wie leider oft der Fall) nachträglich nicht als eine große „Zuschauer-Verarschung“ wirken lässt. Bei „Shutter Island“ erschließt sich einem mit der Auflösung tatsächlich die erweiterte/berichtigte Dimension dieses Filmes, auch wenn man dieser vielleicht nicht sofort uneingeschränkt trauen/folgen mag bzw. kann. Zumindest konnte ich dies nicht. Dies konnte und wollte ich aber wohl vor allem deshalb nicht, weil ich beim Ansehen dieses Filmes überhaupt nicht wusste, was mich erwartete. Dadurch traf mich die Auflösung fast schon gewaltsam und dabei völlig unerwartet. Und noch während das Finale des Films lief – begann ich das Gesehene unter Berücksichtigung der neuen Fakten zu rekapitulieren. Und nach und nach klärte sich alles vor meinem inneren Auge auf beklemmende Weise auf. Ein Film mit einer großartigen Auflösung, technisch und handwerklich sehr gut umgesetzt; - allerdings (und zwar vor allem zu Beginn) mit einigen vermeidbaren Längen. Für mich ist “Shutter Island” sicherlich nicht das Meisterwerk, dass manche Kritiker in diesem Film ausgemacht haben wollen. Ganz ohne Zweifel ist es aber ein sehenswerter Psychothriller.
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