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Sie war mein magischer Legobaukasten Arne Pahlke, Februar 2006 (an Sprechfassung angepasst - März 2009)
Dieser Augenblick, als sie mich anstarrte, als ihre stark geweiteten Pupillen mich ganz tief in sie hineinblicken ließen, als ihr Tränenfluss zum erliegen kam und ihr linkes vor lauter Anspannung zitterndes Lid die Kontrolle über seine Bewegungen verlor. Allein dieser Moment war es wert, das ich jetzt hier in dieser Zelle sitze und auf meine Hinrichtung warte. Sie lief mir über den Weg, wie einen Schlachtlämmer für gewöhnlich so zulaufen. Ich musste einfach nur den richtigen Moment abpassen, um das handzahme dumme Lämmchen zu betäuben und dann in den Kofferraum meines Autos zu verfrachten. Anschließend fuhr ich mit ihr zu meinem Spielplatz, den ich über Monate hinweg für diese wunderbare Begegnung hergerichtet habe. Natürlich habe ich dies nicht speziell für dieses Subjekt getan, welches es letztlich in mein Spielzimmer geschafft hat; denn Schlachtlämmer sind austauschbar. Und deshalb hält sich auch niemand lange mit der Opferbeschau auf. Es sei denn, man serviert das Opfer auf einer blutigen Bahre und lässt die gaffende Meute nachträglich an den Gräueltaten teilhaben. Die allermeisten Menschen sind doch vor allem am Tathergang interessiert. Und hierbei insbesondere an den blutigsten Fragmenten der Begegnung zwischen Schlachter und Schlachtlamm. Und doch nur, weil sie den Schein wahren wollen, vor sich selbst nicht kaltherzig oder gar als Sympathisant einer Bestie wie mir gelten möchten, empören sie sich. Ja, sie empören sich zum Schein, indem sie etwa sagen, dass man viel zu wenig über die armen armen Opfer spricht und viel zu viel über die bösen bösen Täter. Doch gleichzeitig können sie aus dem Stehgreif mehrere Namen von Serienkillern aufzählen; - erinnern sich hingegen nicht an einen einzigen Opfernamen. Warum wohl nicht? Wer oder was hat sie denn daran gehindert sich die Namen der Opfer einzuprägen? Nein, nein, nein! Sie ergötzen sich lieber klammheimlich an den Taten und Tätern, weil in ihnen selbst ein weitaus größerer Täter- als Opferanteil steckt. Egal, wie sie sich auch dagegen zur Wehr setzen. Und ganz gleich wie vehement sie diesen Täteranteil auch vor sich und anderen ableugnen mögen. Sie verbrachte die meiste Zeit angebunden auf dem Fußboden. Ich habe in mühevoller Kleinarbeit Fesselvorrichtungen an die Wände und in dem Boden angebracht, damit es mir nicht so schnell langweilig mit ihr wird. Doch das hätte ich gar nicht tun müssen. Tatsächlich wäre mir mit diesem Spielzeug niemals langweilig geworden, auch ohne meine baulichen Maßnahmen. Bereits auf der Fahrt zu meinem liebevoll aufbereiteten Spielplatz durchströmten mich mehrere orgastische Zustände. Aber als ich dann vor ihr stand, und sie ihr Bewusstsein langsam wiedererlangte, - sich allmählich ihrer aussichtslosen Lage bewusst wurde, da übermannte mich die erste Ejakulation - ohne weiteres Dazutun. Und es fand dadurch in mir überhaupt keine Ernüchterung statt. Im Gegenteil. Der schmierige Film in meiner Unterhose vermittelte mir ein ungemein behagliches Gefühl, als wäre ich wieder dieser kleine Junge, der in die Hose gepinkelt hat. Doch niemand war mir hier böse. Niemand hatte mir hier böse zu sein!
Das Subjekt wimmerte und bettelte, dass ich es doch bitte verschonen möge, - es gehen lassen solle. Was für ein törichtes Ansinnen. Jahrelang habe ich von diesem Augenblick geträumt, mich daran festgekrallt wie ein Ertrinkender an ein Stück Treibgut im kalten Ozean. Ich hätte doch dieses, mein Spielzeug, für keine Verheißung der Welt gehen lassen! Wie konnte sie mich nur um so etwas Ungeheuerliches bitten? Sechs Wochen überlebte sie in meiner Obhut. Sechs wundervolle Wochen, die schönsten Wochen meines Lebens. Leider nur diese sechs Wochen. Ich wollte sie nie töten. Dies muss man mir glauben! Ich wollte lediglich mit ihr spielen. Und dies hätte von mir aus bis in alle Ewigkeit so weiter gehen können, wenn das blöde Subjekt nur nicht eines Morgens einfach tot dagelegen hätte. Ja, ich kenne den Obduktionsbericht. Man hat ihn mir ja wieder und wieder vorgekaut. Als ob ich nicht selbst am besten wüsste, was ich mit ihr angestellt habe. Im Bericht steht etwas von dreizehn Frakturen, unzähligen Prellungen und Blutergüssen, ausgeschlagenen Zähnen und Brandwunden und Schnittverletzungen am ganzen Körper. Aber töten wollte ich sie nicht. Das, was ich tat, das gehörte einfach zum Spiel. Und in so einem Obduktionsbericht liest sich alles so unendlich kalt und unmenschlich steril, als wäre sie in einen Mähdrescher geraten. So steht es da. Hingegen steht da kein einziges Wort über die wirklich tiefen Momente, die ich mit meinem Spielzeug erlebte. Kein einziges Wort steht davon in diesem gottverdammten Bericht. Ich meine, wenn Kinder spielen, dann gehört doch ein gewisser Grad an Anarchie und Zerstörung doch immer auch dazu. Ich meine, deshalb käme doch niemand auf die Idee Kinder Bestien und Monster zu nennen. Selbst dann nicht, wenn sie einem Schmetterling die Flügel ausreißen, um anschließend zu beobachten, wie er verendet. Kleine Jungs tun so etwas. Und das ist völlig in Ordnung. Ich habe doch sogar ihre Wunden versorgt, nachdem ich ihr diese zugefügt habe. Ich wollte sie doch nicht verlieren … ... denn sie war für mich wie ein großer magischer Legobaukasten. Sie beflügelte meine Phantasie, wann immer ich sie anschaute. Durch sie konnte ich Dinge aufbauen, formen und zerstören, um sie dann erneut und anders aufzubauen und umzuformen. Nur, war mein alter Legobaukasten, den ich als Kind besessen habe, weitaus zuverlässiger. Sie hat sich als Spielverderberin erwiesen. Und das werde ich ihr nie verzeihen. Niemals werde ich ihr das verzeihen. Sie war mein magischer Legobaukasten. Sie war mein magischer Legobaukasten… …mein magischer Legobaukasten. |
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Methusalem, 4. Februar 2010v - schon beim Lesen bekam ich eine Gänsehaut. Doch beim Anhören bekam ich es richtig mit der Angst. zu tun. Ganz groß! Kîpâ, 1 März 2012 - Es ist schön zu Lesen, aber dennoch Krank. Ein vergleich zwischen einem Tier und einem Menschen zu machen, ist keine Rechtfertigung für sein eigenes Handeln. Ich hatte wirklich Gänsehaut als ich es las, aber als ich es hörte, wurde mir übel. Ich habe kein Mitleid mit solchen Menschen, am liebsten, würde ich meiner Meinung nach alle in den Tot stürzen. Nun denn, dennoch weiß ich nicht ob es der Wahrheit entsprach, ob du es Tatsächlich gewesen bist oder ob es reine Fiktion ist. |
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® sämtliche Textrechte liegen bei Arne Pahlke/Wortmutation |
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