Sodomie

Der Begriff Sodomie wurde vor allem durch das Alte Testament manifestiert und  über einen Zeitraum von ungefähr eineinhalb Jahrtausenden von der katholischen Kirche für eine Reihe von Praktiken geführt, die nicht der Fortpflanzung dienen und somit als widernatürlich, abartig und abnorm gebrandmarkt wurden. So wurden z.B. sodomistische Handlungen wie die Zoophilie, die Päderastie oder der Analverkehr im Mittelalter mit der Todesstrafe belegt.

Insbesondere die Sodom-Erzählung im Alten Testament (bzw. dessen Auslegung) spielte bei der frühzeitlichen/mittelalterlichen Sodomitenverfolgung eine entscheidende Rolle.  Und in dieser Erzählung wird u.a. auch auf die Unzucht zwischen Männern eingegangen; - wobei meist nur  diffuse Anmerkungen gemacht werden, dessen nachträgliche Interpretationen teilweise sehr verwunderlich stimmen. So entwarf  der Kirchenlehrer Augustinus (mit der Sodom-Erzählung als Grundlage) im 6ten Jahrhundert sein (ganz eigenes) Sodimiten-Bild, wobei er auch ausführlich auf sexuelle Handlungen zwischen Gleichgeschlechtlichen einging.  Und während er die gegenseitige Masturbation unter Männern noch als mildes Vergehen wertete, sah er im Analverkehr eine hart zu ahnende „widernatürliche Unzuchtshandlung“.

 

Sodom und Gomorrha

 


In der Spätantike und im Mittelalter reichten  oft einzelne (und überdies sehr zweifelhafte) Zeugenaussagen oder reine Mutmaßungen als vollwertiger Beweis aus, um eine Strafe zu vollstrecken. Eine häufige angewandte Strafe in der Frühantike bei sodomistischen Handlungen war die Kastration und eine anschließende öffentliche Zurschaustellung des Verurteilten.


In Europa war Sodomie bis ins Dreizehnte Jahrhundert nicht verboten. Dies änderte sich allerdings mit zunehmendem Einfluss der katholischen Kirche und zwar (in sich abschwächender Form) bis ins 20te Jahrhundert hinein. Von nun an konnten (etwa für den vollzogenen Analverkehr)  Haftstrafen, Folterungen und Hinrichtungen ausgesprochen werden.
 

Der Begriff Sodomie wird übrigens vom Namen der Stadt Sodom abgeleitet; einer Stätte der Lasterhaftigkeit und Verworfenheit.

Unter sodomistischen  Handlungen versteht man heute vor allem sexuelle Unzucht mit Tieren, auf die in diesem Nachschlagewerk unter Zoophilie ausführlicher eingegangen wird. Und in England und Frankreich wird der Begriff  Sodomie heute für den Analverkehr (sowohl in heterosexuellen als auch im homosexuellen Kontext) verwendet. ® Arne Pahlke
 

siehe auch unter: AbartigkeitExkrementophilie, Paedophilie, PerversionSexualpathologie, Paraphilie, Inzest, Kirche  (katholische), Zoophilie

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