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Sohn berät seine Mutter beim LCD-Fernseher-Kauf Arne Pahlke, Januar 2010
84 jährige Mutter ruft bei ihrem 47jährigen Sohn an: Mutter: Boris? Hörst du mich? Hier ist deine Mutter. Sohn: Ja, Mutti. Ich höre dich laut und deutlich – wie immer. Mutter: Du, mein Fernseher spinnt. Ich brauch ein neues Gerät. Sohn: Inwiefern spinnt der denn, Mutti? Mutter: Der Apparat spinnt überall. Der zeigt nur noch Mist. Sohn: Hast du etwa RTL2 an? Mutter: Wie? Sohn: Schon gut, Mutti. Also, was stimmt nicht mit deinem Fernseher? Mutter: Ach, das Bild ist mal da und dann ist es wieder weg. Dann kommt plötzlich so ein roter breiter Streifen. Und dann läuft alles wieder für eine gewisse Zeit normal. Das Ding ist kaputt. Und am Samstag kommt meine Lieblingsmusiksendung. Und deshalb wollte ich dich fragen, ob du mich beim Fernsehkauf beraten könntest? Sohn: Klar Mutti. Kein Problem. Mutter: Ich wollte mir einen bei Wollmann holen. Sohn: Bist du denn verrückt, Mutti? Wollmann ist doch viel zu teuer. Bei dem kannst du dir eine Sicherung für 1 Euro kaufen aber doch keinen Fernseher. Wir fahren in die Stadt und besorgen dir dort ein passendes Gerät. Hier in diesem kleinen Kaff bei Wollmann bezahlst du glatt das Doppelte als bei MediMax. Mutter: Aber Herr Wollmann ist ein sehr netter Mann, Boris. Und er würde mir den Fernseher auch liefern und anschließen. Sohn: Mutti, ich wäre auch sehr nett zu dir, wenn du mir einen Fernseher für 1000 Euro abkaufst, den du anderswo für 500 bekommst. Außerdem liefert dir MediMax den Fernseher auch ins Haus. Und wenn du willst, dann schließen dir die netten Männer von MediMax den Fernseher nicht nur an, sondern übernehmen auch die Ersteinstellung. Mutter: Na, ich weiß nicht. Der Herr Wollmann ist ein wirklich charmanter Mann, während ich Herrn MediMax überhaupt nicht kenne. Sohn: MediMax, Mutti! MediMax! Aber wenn du zu viel Geld übrig hast, dann kauf dir halt einen neuen Fernseher bei deinem netten Herrn Wollmann. Dann soll er dich aber auch allein beraten. Mutter: Nein, ist ja schon gut Boris. Wir gehen zu deinen Herrn MediMax. Läuft das bei dem denn auch alles koscher? Sohn: Ja, Mutti. Überlege dir in Ruhe, wann wir in die Stadt fahren wollen. Wir müssen nichts überstürzen. Mutter: Ok, jetzt?! Sohn: JETZT GLEICH? Mutter: Ja, jetzt!? Am Samstag kommt doch meine Lieblingsmusiksendung. Da tritt der Thomanerchor auf. Bis dahin muss ich einen neuen Fernseher haben. Sohn: (seufzt) Ok, Mutti. Ich hol dich in ungefähr einer halben Stunde ab.
1 1/2 Stunden später bei Medimax:
Sohn: Guten Tag. Wir suchen nach einem LCD für meine Mutter. Mutter: Wir suchen was? Ich will einen neuen Fernseher, Boris! Ich will keine CDs oder sonstwas! Sohn: Mutti, so heißen die Fernseher der neuesten Generation. Mutter: Na, ich weiß nicht. (mit erhobenem Zeigefinger Richtung Sohn) Ich will nicht so‘n komplizierten Mist haben, hörst du? Ich will einfach nur einen ganz normalen Fernseher. Anschalten – umschalten – ausschalten! Verkäufer: (grinst Sohn an und schaut dann zur Mutter) Haben sie sich eventuell schon ein paar Gedanken gemacht, was für ein LCD ihnen in etwa vorschwebt? Mutter: schaut sich überfordert um und zuckt mit den Schultern Sohn: Ja, das Gerät sollte eine 94er Bildschirmdiagonale und einen integrierten DVB-Tuner haben. Und es muss auf jeden Fall ein Full-HD mit einer Auflösung von 1920 x 1080 Pixeln sein. Die Schmerzgrenze liegt bei ungefähr 700 Euro. Mutter: (schaut zunächst ihren Sohn fragend an – danach den Verkäufer) Und was ist mit Röhrenfernsehern? Haben sie nicht einen ganz einfachen Röhrenfernseher ohne diesen ganzen Pixelkram? Ich brauch nur einen zum anschalten, umschalten und ausschalten. Verkäufer: Tut mir leid, aber Röhrenfernseher führen wir schon seit längerer Zeit nicht mehr in unserem Sortiment. Mutter: (mit erhobenem Zeigefinger zum Verkäufer) Na, wenn das mal eine gute Entscheidung von ihnen war. Sohn: Mutti, anschalten – umschalten – ausschalten – das kann ein LCD-Fernseher natürlich auch. Mutter: Na, ich weiß ja nicht. Verkäufer: (zeigt Mutter und Sohn drei in Frage kommende Geräte) Sagt ihnen hiervon eines zu, wehrte Dame. Ich meine, so rein optisch?
Mutter: (beäugt die vorgestellten Geräte zunächst skeptisch aus mehreren Metern) Naja, also für mich sehen die alle gleich aus. (geht auf eines der Geräte zu und berührt es fast ängstlich) Diese neumodischen HD-Dinger sind ja irgendwie ein bisschen flach auf der Brust. Sind die alle so? Verkäufer: Ja, die LCD-Fernseher sind alle so schön schlank. Das nennt sich auch Flatscreen. Mutter: Flätgreen? Naja, wenn sie das sagen, wird es wohl schon seine Richtigkeit haben. Aber warum haben die alle so ein scheußliches schwarzes glänzendes Gehäuse? Da sieht man doch jeden Fussel drauf. Außerdem passt es doch überhaupt nicht zu meiner schönen Schrankwand. Verkäufer: Das ist Klavierlack, wehrte Dame. Mutter: Aber ich will kein Klavier sondern einen Fernseher. Haben sie denn keine HD-Dinger mit einem schicken „Eiche-rustikal-Gehäuse“? Sohn: lacht Verkäufer: (lacht ebenfalls hinter vorgeschobener Hand) Mutter: Was gibt es denn da zu lachen, meine Herren? Ich finde diesen glänzenden Klavierlack hässlich. Verkäufer: Wir hätten da noch einige Geräte mit einem weißen Gehäuse. Schauen sie sich zum Beispiel da hinten diesen LCD von Phillips an. (führt die Dame zu dem genannten Fernseher) Mutter: Aber das ist doch der gleiche hässliche Klavierlack; - nur in Weiß. Nein, den will ich auf gar keinen Fall. Der soll doch in meinem Wohnzimmer stehen und nicht in einer sterilen Arztpraxis. Was sagst du Boris? Sohn: Ich weiß überhaupt nicht, warum du so heftig auf den hübschen Klavierlack schimpfst. Also, mir gefällt der LCD von Sony dort drüben sehr gut. Und der ist auch gerade im Angebot für 599 Euro. (alle Beteiligten gehen zu dem genannten Gerät) Verkäufer: Das wäre eine ausgezeichnete Wahl zu einem fast unschlagbaren Preis. Sony-LCDs gehören zu den Besten, was es auf dem Markt gibt. Und dieses Gerät verfügt über großartige Kontrastwerte und einen Tuner der neuesten Generation. Dazu ein voller und satter Sound, vier HDMI, zwei Scart- und USB-Anschlüsse sowie einen PC-Eingang. Mutter: Ich hab aber doch gar keinen PC! Sohn: Na, aber wenn du einen hättest, dann könntest du … Mutter: (fällt ihren Sohn ins Wort) Hab ich aber nicht! Dann muss ich diesen überflüssigen Schnickschnack also mit bezahlen, auch wenn ich ihn überhaupt nicht brauche? Hat der denn wenigstens ein gutes Bild, so wie mein altes Gerät, bevor es angefangen hat zu spinnen? Sohn: (brüsk) M U T T E R ! Du kannst doch deine alte Röhrengurke nicht mit einem modernen LCD vergleichen. Ein Full-HD hat eine viel höhere Bildschirmauflösung und allein dadurch ein viel brillanteres Bild. Verkäufer: Ihr Sohn hat Recht. Dieses Gerät kann rein theoretisch sogar bis zu 2,4 Billionen Farben darstellen. Mutter: (schaut den Verkäufer irritiert und ungläubig an und tritt danach ganz dicht vor das eingeschaltete Gerät, um sich das darauf laufende Programm anzusehen) Na, ich weiß ja nicht. Ich sehe da in Moment keine 2,4 Billionen Farben. Und so viel kann doch ein normaler Mensch auch überhaupt nicht sehen. Da bezahle ich am Ende nur für lauter Farben, die ich gar nicht sehe!? Sohn: Aber, du willst mir doch jetzt nicht etwa sagen, dass dir überhaupt kein Qualitätsunterschied im Vergleich zu deiner alten Röhre auffällt? Mutter: Doch, der Klavierlack glänzt ziemlich stark. Sohn: Ich meine, das Bild Mutti! Schau dir doch nur diese wundervollen satten Farben an. Da möchte man doch am liebsten direkt ins Bild rein kriechen. Mutter: Du kommst immer auf Ideen, Boris. (dann zum Verkäufer) Wo hat denn der seine Knöpfe? Ich sehe überhaupt keine Knöpfe an diesen „2,4-Billionen-Farben-Dingsda-Apparat“. Verkäufer: Der hat nur noch einen einzigen Knopf an der Seite, wehrte Dame. Alles andere kann über die Fernbedienung gesteuert werden. Mutter: Und wenn die irgendwann kaputt geht? Schmeiß ich den Kasten dann gleich mit weg? Verkäufer: Nein, natürlich nicht. Heute gibt es doch Universalfernbedienungen. Sie müssen sich also keine Gedanken machen, wenn ihre Fernbedienung irgendwann einmal kaputt gehen sollte. Mutter: Ist der denn wenigstens einfach zu bedienen? Anschalten – umschalten – ausschalten? Verkäufer: Glauben sie mir, der ist kinderleicht zu bedienen. So leicht, dass die Gebrauchsanweisung bereits im Gerät mit drin steckt (lacht gewinnend) Mutter: Das klingt ja mal zur Abwechslung ganz praktisch. Wo ist die denn angeheftet? (versucht hinter das Gerät zu schauen) Verkäufer: Sie haben mich falsch verstanden, wehrte Dame. Die Gebrauchsanweisung ist nicht irgendwo am Gerät befestigt sondern in diesem Gerät als PDF-Datei abgespeichert. Sie können sie somit jederzeit über ihre Fernbedienung auf dem Bildschirm aufrufen. Mutter: (schaut hilfesuchend zu ihrem Sohn) Datei? PDF? Wo bitteschön ist was abgespeichert? Sohn: Mutti, mach dir keine Gedanken – das ist alles kinderleicht. Mutter: Und kann man mit diesen modernen universellen Fernbedienungen auch noch sinnvolle Dinge tun, z.B. hin- und herschalten zwischen den Programmen? Sohn: Selbstverständlich kannst du das, Mutti. Allerdings wirst du dich daran gewöhnen müssen, dass du mit den neuen LCD-Geräten nicht mehr ganz so schnell durch die Programme zappen kannst wie mit deinem Röhrenfernseher. LCDs benötigen dafür etwas mehr Zeit. Mutter: Na, ich weiß nicht Boris. Dieser hässliche Klavierlack. Und schau doch nur, der hat ja nicht einmal vernünftige Knöpfe. Und all diese vielen dusseligen Sachen wie HDTV, Flätgreen und dieser PC-Krimskrams. Ich glaube, ich behalte meinen alten Fernseher. Der passt auch viel besser zu meiner Schrankwand. Und die Farben, die mein altes Gerät hat, die riechen mir vollkommen aus. Vor allem aber kann ich ihn viel schneller anschalten – umschalten und ausschalten. Das hast du eben selbst gesagt, Boris. Sohn: Aber Mutti, das sind doch nur Bruchteile von Sekunden, die er länger braucht. Und ich denke, dein alter Fernseher ist kaputt? Mutter: Ja, das ist er auch. Ich gehe nachher zu Herrn Wollmann und dann soll er ihn abholen und reparieren. Sohn: M U T T I! Man kann doch heute keinen Röhrenfernseher mehr reparieren lassen. Das ist doch vollkommen irrsinnig. Mutter: Nein, dieser ganze „Datei-Tuning-HDTV-CD-Flätgreen-Mist“ ist irrsinnig. Komm! (zieht energisch an des Sohnes Hand ) Deine Mutti lädt dich jetzt auf ein schönes Stückchen Schwarzwälder Kirschtorte bei Cafe Jensen ein. Und Cafe Jensen liegt direkt gegenüber von Wollmann. Sohn: Aber Mutti!?!? Mutter: Nun, komm schon! Du hast dir für deine wunderbare Beratung ein großes Stückchen Schwarzwälder Kirschtorte redlich verdient. Stell dir nur vor, wenn du nicht als mein Berater mitgekommen wärst. Am Ende hätte ich mir doch glatt eines dieser neumodischen HD-Dinger andrehen lassen.
Sohn und Verkäufer verdrehen kapitulierend ihre Augen |
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Bonsai-2010, 1 November 2010 - ich finde diesen Text genial. Ähnliches erleben wir immer bei meinen Schwiegereltern zur Schwiegeroma.Mein Schwiegervater kann auch nicht verstehen, dass die Oma schon im fortgeschrittenen Alter ist, um mit diesem Technik Schnickschnack zurecht zu kommen. Wortmutation: Dieser Text basiert auf eine wahre Begebenheit. So bin ich kurz zuvor mit meiner Mutter bei Medi-Max gewesen, um ihr beim Fernsehkauf zur Seite zu stehen. Und dabei hatte meine Mutter tatsächlich einige jener „Sprüche“ vom Stapel gelassen, die in diesem Text auftauchen. Ich fand das damals so lustig, dass ich mir sofort dachte, das ich hierzu unbedingt eine überzogene Persiflage zu Papier bringen muss. Konkalit, 17 November 2010 - Ich weiß es ist komisch, vor allem für jemandes in meinem Alter aber ich hasse diese ganzen Neuzeit-Geräte. Sowohl mein PC-Monitor als auch mein Fernsehr sind beides noch Röhre. Ich guck jeden Abend in die Röhre :). LCD, Plasma, LED, auch wenns nochso toll und klar aussieht, zur Hölle damit ^^ Und mit ihm den gesamten technischen und High-Tech-mäßigen Fortschritt. Zurück zur Feder und Fackel ^^ Wortmutation: Ich hatte einen 12 Jahre alten Röhrenfernseher und war damit bis zuletzt zufrieden, obgleich dieser am Ende bereits ein leicht nebeliges Bild bekam. Doch ein Kumpel und mein Sohn haben so lange (über Monate hinweg) auf mich eingewirkt, bis ich schließlich selbst meinte, ich müsse nun auch unbedingt einen HDTV haben. Und nun hab ich einen hier stehen und das Fernsehprogamm ist genauso dämlich wie zuvor. Man sieht auch mit HDTV dieselbe Scheiße; nur eben „endlich“ in doppelter bis dreifacher Auflösung (es sei denn, man schaut analoge Sender- diese sehen über HDTV nämlich oft sogar matschiger aus als über Röhre) – dazu langsameres Umschalten zwischen den Programmen und eine viel höhere Anfälligkeit für technische Probleme. Und für jemanden wie mich, der im Fernsehen kaum Filme und niemals Serien schaut, sondern fast nur Berichte und Dokus, ist ein weiterer Nachteil der, dass altes Material (z.B. vom 2. Weltkrieg) auf diesen neuen Apparaten zum Teil viel schlechter (pixeliger) aussieht als auf einem Röhre. Klar sehen Filme und Spiele, die für diese Auflösung gemacht sind, erstmal „besser“ und „klarer“ und „prächtiger“ aus. Aber wenn du dich daran gewähnt hast (AHA-Effekt), ist es so, als hättest du einfach ne bessre Grafikkarte im Rechner. Es ist wie mit dem behinderten 3D-Hype. Was bringt diese Scheiße, wenn der mit 3D unterstützte Film am Ende einfach nur kotzig ist? Dann macht ihn 3D auch keinen Deut besser – ebenso, wie die neuen und grafisch immer aufwendigeren Spiele im Durchschnitt durch ihre immer bessere Grafik keinen Deut mehr Spielspaß bringen. Zumindest habe ich mir geschworen meine 20 Jahre alten Boxen (von Canton) und meinen 15 Jahre alten Receiver nicht gegen neue Geräte einzutauschen – ich scheiß auf 5.1 und 7.1.-Cinema-Fuck-Me-Sound. Ich schaue in der Woche noch etwa 5-7 Stunden Fernsehen - und ein Großteil dieser Zeit fungiert er einfach als Gesellschafter, während ich meine Mahlzeiten einnehme. Und obwohl ich den Kasten jetzt schon über ein halbes Jahr habe und dazu einen Blue-Ray-Player (in der PS3), habe ich bislang noch keinen einzigen Blue-Ray-Film gesehen. Hajun, 20 Januar 2011, - auf jeden Fall ne witzige, realistische Geschichte! Bitte korrigiere die Sprecher, du vertauschst am Ende der Geschichte Verkäufer und Mutter. Wortmutation: Vielen Danke für den Hinweis - ist korrigiert - |
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® sämtliche Textrechte liegen bei Arne Pahlke/Wortmutation |
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