Die Geschichte vom Daumenlutscher

® Arne Pahlke, Januar 2011

 

 

„Konrad!“, mahnte die Mama.

„Ich muss kurz weg - bleib du nur da!

Ach, und Konrad, mein lieber Sohn.

Was du nicht tun sollst, du ahnst es schon?

Wenn ich gleich weg bin, ich bitte dich:

Lutsch nicht am Daumen - das tut man nich‘!

Du bist schon Zehn, wie sieht das aus?

Schau‘ nur mal den kleinen Klaus.

Der ist erst Vier und lutscht nicht mehr.

Hör damit auf! Ist das so schwer?

Was sollen die Leute von uns denken?

Du, ich werd‘ dir keinen iPod schenken!

Wenn du nicht endlich damit aufhörst;

… wenn du mir nicht auf der Stelle schwörst:

Ich lutsche meine Daumen nicht mehr!

Also, lass es sein! Es stört doch sehr!

 

Die Geschichte vom Daumenlutscher (Anno 2011)

 

„Mutti!“, entgegnete der Konrad scharf.

Wo steht‘s geschrieben, dass ich’s nicht darf?

Wo steht‘s geschrieben, dass der Saugreflex,

nicht mehr sein darf, mit Fünf, mit Sechs?

Menschen werden mit diesem Reflex geboren.

Und vergiss nicht die Sache mit den Rezeptoren!

Es gibt mir Ruhe und Geborgenheit;

spendet Trost und Ausgeglichenheit.

Andere haben ihre Kuscheldecken

oder nehmen Drogen, bis sie verrecken.

Und du trinkst jeden Abend dein Gläschen Wein.

Soll das etwa besser als mein Daumenlutschen sein?

 

zur Struwwelpeter-Hauptseite
schreibe einen Kommentar..
Dein Kommentar zum Text abgeben

werwaswieauchimmerichist, 29 Januar 2011, suuper...sorry, mir fällt kein einfallsreicherer kommentar ein...ich finds einfach nur gut!

Wortmutation: Ich freue mich auch über kurze Kommentare! :-)

Konkalit, 31 Januar 2011 - eine feinsinnige Wahrheit die man den achso besserwissenden Erwachsenen als Spiegel vorhält kehren diese Struwwelpeter-Mär völlig ins Gegenteil um. Während im Original noch das Verhalten des Jungen als falsch tituliert wurde und seine drastische Bestrafung somit als "gerechte Strafe" dargestellt wurde, gibt es mal eine passende Antwort.

® sämtliche Textrechte liegen bei Arne Pahlke/Wortmutation