Talk-Shows  (Schwule in)

Als seinerzeit in den 90ern die tägliche Talkshow-Schwemme bei den privaten Fernsehsendern losbrach, gehörte der obligatorische Quotenschwule fast immer dazu. Ganz gleich, ob nun bei Vera am Mittag, Sonja, Hans Meiser, Arabella & Co – überall waren Bisexuelle und Schwule gern gesehene Talk-Show-Gäste.

Und war  dies denn kein Anlass  zur kollektiven homogenen Freude? Waren wir damit  einem weltoffenen toleranten Land nicht einen entscheidenden Schritt näher gekommen? 

Mitnichten!

Die meisten (vor allem nachmittäglichen) ausgestrahlten Talk-Shows waren und sind für die sogenannte Unterschicht produzierte Freakshows. Und diese “Kuriositätenkabinette menschlichen Elends” werden nicht nur vorrangig von der Unterschicht gesehen. Nein,  auch  die Gästelisten waren und sind voll von “Unterschichtenwesen”. Lauter Studios, besetzt mit peinlichen und letztlich  bemitleidenswerten menschlichen Geschöpfen und Psycho-Wracks.

 

Foto by Olga Bandelova
Das waren noch Zeiten - Testbild DDR-Fernsehen (1980)

 

Eigentlich hätte man viele der bislang in derartigen Talk-Shows aufgetretenen Gäste vor sich selbst schützen müssen. Und zwar davor schützen müssen, sich im Fernsehen vor einem Millionenpublikum der Lächerlichkeit preiszugeben.

Aber genau dies geschah damals und geschieht auch heute oftmals nicht!

Die meisten dieser Durchfall-Talk-Shows wollen genau solche Gäste präsentieren, denn solche Shows funktionieren nach dem alten Brot & Spiele-Prinzip (lese hierzu auch aus einem anderen Bereich meiner Homepage: Tierhetzen im Kolosseum).

Die Verantwortlichen dieser Talk-Shows zeigen somit auch  am allerliebsten eine ganz bestimmte Art von Schwulen, für die man sich als gewöhnlicher Homosexueller schämt und am liebsten laut in die Welt schreien würde: “Liebe Leute, mit diesem „Ding“ da im Fernsehen habe ich nichts – aber auch rein gar nichts zu tun!“

Hereinspaziert, du pralle peinlich-bizarre Trulla, die zu allem Überfluss auch noch einen widerwärtigen Bauchtanz vor angewiderten, sich von dir abwendenden oder  über dich lachenden Besuchern vollführst.

Und niemand hält sie (ihn, ES?) davon ab!

Hereinspaziert, du glitzernde affektierte Tunte, die du das Bild vom Schwulen als kreischendes Elend im Tutu einmal mehr bestätigst.

Hingegen sucht(e) man den ganz gewöhnlichen Schwulen von nebenan, der weder durch überzogene Gestik, Mimik, Gekreische auffällt, in diesen Talkshows meist vergeblich.

Und somit leisteten und leisten die Zurschaustellungen in solchen Programmformaten ihren negativen Beitrag, dass das klischeehafte Bild des Homosexuellen stets aufs Neue bestätigt wird.

 

siehe auch unter: Alle schoenen Maenner sind schwul, Allueren (schwules Gehabe),Bach, Dirk, Charley’s Tante  Birdcase & Co , Drag Queen, Fassbinder, Rainer Werner, Schmidts Mitternachtsshow, Tanz & tanzen, Toleranz  und Intoleranz, Tunte, Tunten-Barock, Fernsehen & Medien, Village People

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