Tausche Depression gegen Krebsgeschwür

 

Von mir aus darf es eine bösartige
und extrem heimtückische Geschwulst sein,
vergleichbar mit den monströsen Auswüchsen
des Raubtierkapitalismus.

Ja, ich wünsche mir einen
heiter wuchernden Tumor,
der meinen Verstand
binnen weniger Wochen komplett lähmt
und mir alle Kraft nimmt,
die jetzt ohnehin nur für
meine Depressions(grab)pflege drauf geht.

Unheilbar krebskrank sein,
das wäre ein guter Deal für mich,
wenn ich dafür im Gegenzug
meine psychischen Schmerzen abgenommen bekomme.

Zwar bekommen viele ihre Depression erst,
wenn sie hören, dass es mit ihnen zu Ende geht.

Ich aber bin mir ziemlich sicher,
dass ich  letztmalig aufleben würde,
wenn ich langsam aber unrettbar ablebe.

Jedenfalls stelle ich mir eine
schnell voranschreitende
unheilbare Krankheit
wunderbar balsamisch vor.

Und nein, ich habe mich nicht auf Krebs spezialisiert!

Ich nehme alles, was rasch tötet.

Nicht aber so schnell,
das ich zuvor nicht noch ein paar Wochen
bewusst Abschied nehmen könnte.
 
Foto by Dr Laughlin Dawes

 


Ja, so etwas stelle ich mir vor,
wenn ich – wie heute Nacht  – einmal mehr
meine Depression scheinbar nur noch ertragen kann,
wenn ich mich an zerstörerischen Fluchtphantasien wärme,
die dann eben nicht selten so aussehen,
dass ich vom Krebs zerfressen werde,
oder aber mir eine seltene "Hinraffvergiftung" einfange.


Und dabei werde in meiner Vorstellung dann immer ruhiger
und zufriedener und spüre wie dieser unbarmherzige Druck
nach und nach von mir abfällt.

Ja, das ist schon eine ziemlich kranke Fluchtphantasie.

Sie ist mitunter sogar für mich selbst befremdlich krank,
wenngleich ich (glaube ich) ihre  Mechanismen
bereits sehr gut durchschaut habe.

Und eben deshalb will ich unbedingt eine chronische Depression
gegen ein räuberisches Krebsgeschwür eintauschen.
Auch auf die Gefahr hin, dass sich so manch ein Krebskranker dadurch
mit seinem Krankheitsbild von mir abgewertet fühlen könnte.

Aber da muss er jetzt durch!

Ich will einen Tumor!

Aber erst im August!

Vorher will ich mich noch in schwülen Nächten
 gespielt heiter und ausgelassen
von meiner Schwermut verabschieden
       
© Arne Pahlke, Juni 2006

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