Spielkonsolen/PCs (Teil 4: Amiga)

© Arne Pahlke

 

In der spanischen Sprache steht Amiga für Freundin; - und ebendies wurde mir der Commodore A500 – eine zuverlässige Freundin, die mir weit über eintausend  (und mehr) Stunden Spielspaß bescherte. Keine Frau aus Fleisch und Blut konnte da mithalten! Wenn ich daran zurückdenke, wie viel Aufwand ich damals dafür betreiben musste, nur um meinen Jünglings-Joystick für fünfzehn Minuten in einem dieser fleischlichen Amiga-Schlitze zu versenken. Im Vergleich dazu war meine A-500-Heimcomputer-Freundin um ein Vielfaches einfacher in der Handhabung. Und deshalb zog ich es zumeist auch vor, meine Zeit mit ihr zu verbringen, anstatt mit diesen anstrengenden und dabei oft vergeblichen Balztänzen.

Ich war 18 Jahre alt, als ich mir den Amiga im Jahre 1985 kaufte, der meinen geliebten C64 in den Ruhestand verabschiedete. Und im Vergleich zum Commodore 64 stellte der Amiga in vielerlei Hinsicht einen Quantensprung dar. So boten seine Multimediafähigkeiten und das leistungsstarke Betriebssystem für die damalige Zeit ein fast schon pompöses Leistungsspektrum. Oder um es mit der Sprache eines heute 18-Jährigen zu sagen: „Alda, das Teil war sowas von krass fett – krassfetter geht nich‘!“

Der Amiga wartete mit einem extrem leistungsfähigen Chip inkl. zweier eigenständiger Co-Prozessoren auf. Und mit diesem Custom-Chipsatz stach er alle seinerzeit auf dem Markt befindlichen Heimcomputer und Spielekonsolen in punkto Grafik- und Soundfähigkeiten aus. Die Grafikfähigkeiten des Amigas waren sogar so revolutionär, dass in seiner Blütezeit Begriffe wie Grafikfetischismus geboren wurden.

Ich erinnere mich noch gut daran, wie wir mit offenstehenden Mündern Grafikdemos und Intros angeschaut haben. Viele „Spielabende“ bestanden sogar hauptsächlich aus dem Anschauen und „Anhören“ von Intros. Jawohl – dem Anhören von Intros! Der Amiga verfügte nämlich nicht nur über atemberaubende Grafikfähigkeiten sondern auch über einen unglaublich leistungsfähigen Soundchip, der eine bis dato nie gehörte Klangqualität und Klangbrillanz bot. Die Soundausgabe erfolgte über vier 8-Bit-Monokanäle, wobei jeweils zwei Kanäle einen Stereokanal “simulierten”.

 

Meine Freundin zwischen 1985- 1991-  der Amiga 500

 

Der Sound suchte seinesgleichen und wird noch heute von vielen Amateur- und einigen Profimusikern verwendet, weil er diesen unverwechselbaren Amiga-Klang liefert, um den in den 80er Jahren übrigens eine regelrechte Underground-Szene entstanden ist. Und wie bereits beim Commodore 64, herrschte auch beim Amiga ein reger privater Tauschhandel; - sprich: Spiele wurden früher gekauft sondern weitaus häufiger raubkopiert. Und vor den meisten der auf diese Weise verbreiteten Spiele fanden sich Intros, in denen sich die „Cracker“ gegenseitig mit ihren z.T. aufwendigen Sound- und Grafikintros überboten. Und dabei waren viele Intros sogar besser als die Spiele selbst, weshalb man etliche Games allein wegen der ihnen beigefügten Intros in seiner Sammlung behielt.

Aber natürlich bot der Amiga massenweise  Spiele, gegen die selbst das beste Intro verblasste. Und dies tat der Amiga, obwohl für ihn längst nicht so viele Games programmiert wurden, wie vergleichsweise für den Commodore 64. So gibt es für den alten Brotkasten schätzungsweise 17.000 Spiele, während für den Amiga „nur“ circa 3500 Spiele herausgekommen sind.  Doch dies hatte weniger mit der Schaffensfreude der Programmierer oder der Beliebtheit und der Verbreitung  des Amigas zu tun, sondern es war einfach der Anfang einer Entwicklung, die bis heute anhält. Wurden z.B. Games für Atari 2600, VC20 oder den C64 oft noch von einer einzigen Person programmiert, so wurden dem Programmierern durch ständig verbesserte Hardwarevoraussetzungen immer mehr Möglichkeiten und Kapazitäten an die Hand gegeben, um stets komplexere und größere Spielwelten zu schaffen. Und zwar zu groß und zu komplex, um diese Spielwelten noch in „Ein-Mann-Projekten umzusetzen. Heute gibt es sogar Games, an denen ständig 100 Programmierer (und mehr) bis zu 5 Jahre (und länger) arbeiten, wie etwa an  Gran Turismo 5 für die Playstation 3.

 

Foto by MOS6502
Der Alice Chip im Amiga 1200 - das sah damals schon richtig nach Computer aus ;-)

 

Und nun zu den Amiga-Spielen:

„Bundesliga Manager“ fesselte uns tage- und nächtelang vor dem Fernseher. Und wenn wir damals in meiner ersten kleinen Wohnung zockten, gab es begleitend dazu meist Zitronentee und 59-Pfennig-Aufbackbaguettes mit Senf -  oder auch einfach nur ein paar Dosen Bier. Und am Ende war es meinem Besuch und mir scheißegal, was es zum Essen und Trinken gab. Wir wollten einfach nur unseren heißgeliebten Manager zocken. Und es machte uns auch nichts aus, wenn wir zu viert spielten und somit jeder bis zu 20 Minuten warten musste, ehe er wieder an die Reihe kam. Die Schadenfreude über eine Niederlage eines Mitspielers - vor allem im direkten Duell – entschädigte für jede Wartezeit.

Neben dem Bundesligamanager 1 und 2 begeisterten mich auf dem Amiga auch eine Reihe “reinrassiger” Sportspiele, wie etwa die “Summer-, Winter- oder California Games”, die wir auch oft während sogenannter Zockerabende spielten. Von den Sportspielen begeisterte mich aber vor allem “Kick Off”. Dies war ein Fußballspiel, welches das Ballspiel der Protagonisten  aus der Vogelperspektive zeigte; - und zwar mit Spielfiguren  klein wie Ameisen. Ich glaube, allein mit diesem Spiel habe ich ungefähr 200 Stunden meiner Lebenszeit verbraten. Und nicht vergessen möchte ich an dieser Stelle das großartig spielbare „International Karate“, dass wir immer wieder hervorgekramt haben, um uns wilde Schlägereien zu liefern. 

„Defender of the Crown“ löste seinerzeit orgastische Zustände in uns aus. Es  gehörte zweifelsohne zu dem am aufwendigsten gestalteten Strategiespielen auf dem Amiga und war bezüglich der Spielpräsentation seiner Zeit voraus. Und auch, wenn DOTC inhaltlich nicht wirklich viel zu bieten hatte, spielten wir es allein wegen seiner „Bombastgrafik“ wieder und wieder. Dazu kam, dass es ein mehrspielerfähiges Game war. Und da wir uns damals im Gegensatz zu heute (also im Zeitalter des Online-Gaming) häufig noch zu, in der Realität stattfindenden Zockerrunden verabredeten, standen klassische Mehrspielergames natürlich hoch im Kurs.

 

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Defender oft the Crown für den Amiga - ein absolutes Grafikhighlight seiner Zeit

 

„Test Drive“ löste bei uns eine ähnliche Begeisterung  aus. Im Nachhinein reibt man sich über seine einstige Begeisterungsfähigkeit, allem voran für die Bewertung von Grafiken in Spielen, ein um das andere Mal verwundert seine Augen, - so auch bei „Test-Drive“. Wenn ich mir dieses heute anschaue, frage ich mich, wie ich einst eine geistige Erektion beim Anblick dieses Racers bekommen konnte, dessen Grafik aus heutiger Sicht wirkt, als entstamme sie dem ASSCI-Code.

Bei „Dragons Lair“ meinten wir sogar, dass wir in einem Zeichentrickfilm  gelandet sind. Die Grafik war für damalige Verhältnisse absolut imponierend, obgleich die Gesamtlaufzeit dieses Games gerade einmal 28 Minuten betrug. Und selbst diese mickrigen 28 Minuten hat niemand, den ich kenne, jemals durchspielen können. Denn als Spieler musste man mit bestimmten Joystickbewegungen zum richtigen Zeitpunkt (meist im Bruchteil einer Sekunde) in die laufende Handlung eingreifen, ansonsten starb man einen umbarmherzigen Zeichentrickfilmtod. Und eben dies geschah bei diesem Spiel ständig!

Sehr gerne zockte ich auch (allein oder mit Freunden) Wirtschaftsimulationen; -  ein Genre,  das es mir bis zum heutigen Tag angetan hat. Auf dem Amiga gab es z.B. das geniale „Railrood Tycoon“, das für die damalige Zeit eine unglaubliche Spieltiefe besaß und heute noch etliche Pseudo-Wirtschaftssimulationen locker ausstechen würde. Oder „Oil Imperium“, dass vor allem mit 1-2 Mitspielern viel Spaß machte; - ebenso wie „Patrizier“, „Reeder“, “Populous“ oder „Hollywood Pictures“. Doch keine Wirtschaftssimulation landete häufiger in meinem Amiga-Diskettenschacht als “Vermeer”. Es machte einfach tierischen Spaß seinen Kumpels gute Anbauflächen und Gemälde vor der Nase wegzuschnappen. Außerdem versprühte dieses Game einen ganz besonderen Charme, wie man ihn heute leider oft vergeblich sucht. Viele aktuellen Spiele dieses Genres wirken auf mich grässlich seelenlos und baukastenartig; - wobei ich von den unzähligen minderwertigen PC-Tycoons gar nicht erst zu schreiben anfangen möchte. 

 

Populous - die “Göttersimulation”

 

Zu meinen Lieblingsspielen zählten u.a. “Red Baron”, in dem man mit einer alten Propellermaschine einen Kampfeinsatz über Land und Wasser fliegen musste. Und die Magie, die einst „Monkey Island“ und „Loom“ auf mich ausübten, ist schwer in Worte zu fassen. Ich tauchte einfach vollends in diese Welten ein und war nicht mehr Arne sondern Guybrush Threepwood. Beide Spiele habe ich komplett durchgespielt, was bei Adventures häufig  nicht der Fall war und ist, da die Frustration bei mir hier oft über den Spiel(an)reiz siegt. Nur dann, wenn mich ein Spiel total verzaubert - wie es diese beiden Spiele einst vollbracht haben, gebe ich nicht auf, bis dass das letzte Rätsel gelöst ist.

Viele Stunden meines Lebens verzockte ich auch mit „Spy vs Spy“, dass seine Stärken nur dann richtig ausspielen konnte, wenn man gegen einen menschlichen Mitspieler antrat. Es war einfach ein wundervoller auf Schadenfreude basierender Spaß, seinen Kumpel ein um das andere Mal ins Nirwana zu befördern. Und natürlich mochte ich auch „Pirates“, was viele ja bis heute als DAS beste Spiel ansehen, das jemals für den Amiga erschienen ist. Diesen Status erlangte es bei mir allerdings nie, da ich es zwar als sehr gut gemacht empfand, es mich aber nie wirklich berauschen oder gar süchtig machen konnte.

Jump-and-Run-Games wie “Ghosts ’n Goblins” und “Rick Dangerous” haben mich auch immer wieder zum zocken animiert, obgleich sie teilweise absolut unfair programmiert waren. Und eines meiner absoluten Lieblings-Jump-and-Runs auf dem Amiga war “Castelvania”.

Meine unangefochtene Nr.1 auf dem Amiga ist und bleibt aber “Turrican”. Ich war total  süchtig nach diesem Mix aus Jump-and-Run, „Shooter“ und Joystickakrobatik mit der kongenialen Musik von Chris Hülsbeck. Und ich beherrschte dieses Game sozusagen im Schlaf. Ich spielte es nicht nur unzählige Male komplett durch, sondern ich zählte seinerzeit wohl auch zu den besten Turrican-Spielern in Deutschland. So konnte man früher bei vielen Spiele-Zeitschriften seine Bestzeiten zu jedem Spiel einsenden, wenn man ein Bildschirmbeweisfoto beifügte. Und bei Turrican (Teil 1) fand ich in keinem dieser Hefte jemals eine Punktezahl, die meiner höchsten Punktezahl jemals auch nur nahe kam.

Yeah, ich war Master of Turrican! ( … immerhin etwas, was ich in meinem Leben erreicht habe …)

 

Mein geliebtes Turrican - keine der späteren Adaptionen auf anderen Konsolen und auf PC reichte auch nur annähernd an die Amiga-Versionen (allem voran an Teil 1 und 2) heran

 

Spiele, die ich ebenfalls im positiver Erinnerung behalten habe, sind Elvira (Mistress oft he Dark), Pang, Zeppelin, Star Control, James Pond, Indiana Jones und High Noon. Und zu den Spielen, die zwar sehr erfolgreich und hochbewertet waren,  die mir aber dennocch wenig bis gar nichts gaben, zählten u.a. “Zak Mc Kracken” und “Witzball”.

Ich weiß, ich ließ auch bei dieser „Spielkiste“ wieder Duzende erwähnenswerte Titel unerwähnt. Aber es gab einfach zu viele geile Spiele für diese Kiste, als dass man über jedes dieser Spiele etwas schreiben könnte, ohne dass dabei am Ende nicht ein ganzes Buch herauskommen würde.

In diesem Sinne: Der Amiga ist tot - lang lebe der Amiga!

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