Spielkonsolen/PCs (Teil 6: Nintendo 64)

® Arne Pahlke

 

Ich kaufte mir den Nintendo 64 direkt bei seiner Markteinführung im März 1997 für ungefähr 400 Mark. Es war ein sogenanntes Bundle und in diesem war das Spiel „Super Mario 64“ beigelegt. Es war das erste dreidimensionale Spiel, für das ich mich total begeistern konnte. Und dies nicht von ungefähr, schließlich zählt dieses Spiel als ein Meilenstein der Konsolengeschichte. Und dies tut es nicht nur bezüglich seiner genialen Spielbarkeit, sondern es war dieser Titel, der  das Genre des dreidimensionalen  Jump ’n‘ Runs begründete. Damals standen viele Gamer dreidimensionalen Welten noch sehr skeptisch bis ablehnend  gegenüber. Insbesondere was Jump ’n‘ Runs anging, waren nicht wenige (so auch ich) der Meinung, dass solche Spiele überhaupt nicht in einer dreidimensionalen Umgebung funktionieren können, weil sie technisch noch nicht befriedigend umzusetzen sind. Doch Nintendo bewies auf beindruckende Weise das Gegenteil. Und deshalb konnte ich dieses großartige Stück Software nicht eher weglegen, bis ich es zu 100 % durchgespielt hatte. Auch diesbezüglich war Mario 64 ein wegweisender Titel.  Es gab so viele Nebenmissionen und Zusatzaufgaben, dass selbst, wenn man die Story komplett durchgespielt hatte,  man damit gerade einmal die Hälfte aller Spielziele erreicht hat. Heute funktionieren viele Spiele nach dem Prinzip von Haupt- und Nebenmissionen – und dies längst nicht nur im Jump ’n‘ Run-Genre.

Was ich an früheren Nintendo-Konsolen (bis zum Nintendo-Gamecube) u.a. so geliebt habe, dies war das komplette Wegfallen von Ladezeiten. Dadurch, dass die Spiele auf einem Modul waren, gab es faktisch keine Ladezeiten und selbst das Speichern war oft direkt und völlig unkompliziert auf den Modulen möglich. Binnen weniger als fünf Sekunden konnte man ein Spiel in den Modulschacht einführen und  losspielen.  Doch der Nintendo-Konzern hat sich nicht etwa deshalb für den Einsatz von Modulen entschieden, um die Spieler mit dem Wegfall von Ladezeiten zu beglücken, sondern sie wollten dadurch vor allem das Raubkopieren unterbinden.  Und nicht zuletzt durch die Modulpolitik brachte es der Nintendo 64 auf eine sagenhafte Zahl von 225 Millionen verkauften Spielen bei knapp 33 Millionen verkauften Konsolen.

 

Nintendo 64 entertain you!

 

Doch Module haben auch ihre  Schattenseiten. So etwa die viel höheren Produktionskosten pro Einheit und  die begrenzte Modul-Speicherkapazität. Letztgenannten verdankt der N64 übrigens seinen Namen. So konnte jedes Modul maximal 64 MB (512 Mbit) fassen. Rückbetrachtend  ist es für mich wirklich erstaunlich, was für z.T. riesige Spielwelten die Macher mitunter auf gerade einmal  64 Megabyte gequetscht haben. Ich bin mir aber sicher, dass vielen Spielen nicht zuletzt auch die Kreativität und der Erfindungsreichtum, eben dieses Wunder zu bewerkstelligen, meist eher gut als schlecht getan hat.

Heute ist es im Vergleich dazu ja fast schon normal, dass ein Spiel einen Umfang von 5 Gigabyte und mehr hat. Aber sind die heutigen Spiele deshalb 100 x besser als die alten Nintendo-64-Games? Mitnichten sind sie das!

Für keine Konsole habe ich so viele Games gekauft wie für den Nintendo 64. In den fünf Jahren, in dem ich diesen Kasten besessen habe, habe ich ungefähr 50 Module erworben.   Dies konnte ich allerdings auch nur deshalb leisten, weil ich in dieser Zeit noch ziemlich viel Geld verdient habe.

Zu meinen Lieblingstiteln zählte „Banjo-Kazooie“; - ein überaus liebevoll designtes dreidimensionales Jump ’n‘ Run, bei dem es in jedem Winkel irgendetwas zu entdecken gab und dass „Mario 64“ in grafischer Hinsicht (klar) überlegen war. Es fällt mir schwer zu glauben, dass dieses Game und so viele andere nur etwa 60 Megabyte groß gewesen sein sollen. Wenn ich mir heute über meine PS3 irgendeine Mini-Demo ziehe, dann  umfasst diese meist bereits das Zwanzigfache  (und mehr) an Speicherumfang. Annähernd jede poplige Aktualisierungsdatei für ein Game, wie man sie sich bei der PS3 ständig herunterladen muss, ist größer als dieses Spiel aus dem Jahre 1998.

 

Banjo-Kazooie - ein Jump’n Run der Extraklasse

 

Auch liebte ich „1080-Snowboaring“, das mit wunderschönen Landschaften auftrumpfte sowie mit einem großartigem Fahrgefühl. Und ich werde in diesem Zusammenhang nicht müde, zu sagen, dass  viele Nintendo-Games in Sachen Spielbarkeit und Spielgefühl und einem sich daraus ergebenen Spielpaß nur schwer zu schlagen waren bzw. sind. Während viele Spielentwickler heute scheinbar fast ihre gesamte  Konzentration, sowie Zeit und Geld für eine (am Ende oftmals nur blendende) Bombastgrafik aufwenden, verzauberte mich bei vielen Nintendo-64-Titeln vor allem der Spielwitz und eine geniale Spielbarkeit.

Ich weiß nicht, wie viele zehntausend Runden ich  bei  „Wave Rave 64“ auf meinem Waterboard gedreht habe. Ich konnte die Strecken teilweise blind fahren. Für damalige Verhältnisse bot es großartige Transparaenzeffekte und unglaublich realistische Wellenanimationen, die sich jederzeit nachvollziehbar auf das Fahrverhalten der Vehikel auswirkten. Das Spielgefühl von „Wave Race 64“ war und ist einfach berauschend. Und da ich genügend Phantasie besaß, bastelte ich mir in meiner Vorstellung einen ganz besonderen Karrieremodus rund um dieses Spiel, der mich dann noch süchtiger  aufs Wellenreiten machte.

„Castlevania“ aus dem Jahre 1999 für den Nintendo 64 ist bis heute mein Lieblingsspiel dieser Serie; -  dasselbe gilt für die 64er Version der F-Zero-Reihe. Ich habe auf dieser Konsole aber auch etliche Games gespielt, die erst ab 18 Jahren freigegeben waren, darunter den Egoshooter „Golden Eye“, der mir im wahrsten Sinne des Wortes ein mörderischen Spaß bereitet hat.  Wohl weit über 200 Stunden bin ich insgesamt (vor allem mit einem Scharfschützengewehr bewaffnet) durch die Spielwelt marschiert und habe dann meist aus großer Entfernung durch gezielte Kopfschüsse Feinde eliminiert.

 

  “Fun-Snowboarding”

 

Ein Spiel, das mich seinerzeit absolut verzaubert hat und mich selbst heute noch für sich einnehmen kann, heißt „Pilotwings 64“. All jene, die es nicht selbst gespielt haben, werden es sich wohl kaum vorstellen können, wie eine Flugsimulation auf einem mickrigen 4-mbit-Modul (!!!) derart fesseln und faszinieren kann. Was die Entwickler seinerzeit getrickst haben, um trotz der sehr begrenzten Speicherkapazität und den überschaubaren technischen Mitteln, ein solches Stück Software abzuliefern, verdient eigentlich einen nachträglichen „Trickserei-Oscar“.  Und einen Innovationspreis hat „Pilotwings 64“ ohnehin verdient. Das Spiel spielt mit dem menschlichen Entdeckungsdrang und bietet hierfür  vier Inselgruppen und strahlt  einen ganz eigenen Charme aus, den ich so bislang bei keinem anderen Spiel gefunden habe. Mit einem Doppeldecker, Rockelt Belt, Hängegleiter, Fallschirm, Gyrocopter und einer Kanone  müssen z.B. Ziele auf dem Boden innerhalb eines Zeitlimits zerstört werden, oder  man muss an einem ganz bestimmten Platz landen, wobei dann  Faktoren wie  Zeit, Schaden, Treibstoffverbrauch oder Landevermögen in die Bewertung  einfließen. Oft habe ich aber auch einfach nur ohne irgendeine Vorgabe gespielt, um in diese Spielwelt einzutauchen und diese wunderbare Stille zu genießen, etwa indem ich mit einem Hängegleiter von einem hohen Berg abgesprungen bin und mich dann minutenlang von den Winden habe treiben lassen.

Mein unangefochtenes Lieblingspiel auf dem Nintendo 64 heißt aber „The Legend of Zelda: Ocarina of Time“. Es zählt zu den fünf besten Spielen, die ich je spielen durfte. Und mir würden schnell sämtliche Superlative ausgehen, wollte ich den Zauber beschreiben, der von diesem Zelda-Teil ausgeht. „Orcania of Time“ wurde nicht zufällig als das  plattformübergreifende Spiel des Jahres 1998 ausgezeichnet und knapp 8 Millionen Mal verkauft. Und es steht nicht umsonst selbst heute noch auf vielen Listen auf einem der ersten fünf Plätze der besten Videospiele aller Zeiten. Dieses Spiel ist magisch – es ist ein Meisterwerk von der Sorte,  wie man sie in seinem ganzen Gamerleben vielleicht nur eine Handvoll mal erleben darf. Ich erspare mir weitere Worte über diesen Titel. Nur noch so viel: Wer dieses Spiel in meiner Gegenwart geringschätzt, der muss damit rechnen meinen vollen Zorn zu ernten. Kein Videospiel auf dieser Welt verteidige ich vehementer als „Orcania of Time“. Denn ein Teil von mir ist in dieser Welt zurückgeblieben und dieser Teil von mir streift noch heute durch das heilige Reich und nächtigt unter dem mächtigen Deku-Baum und verteidigt dieses Reich und seine Bewohner vor jedem feindlich gesinnten Eindringling.

 

viel mehr als nur  ein Spie - eine Offenbarung!

 

Weitere gute Spiele, wenngleich für mich keine absoluten Highlights,  waren u.a. Turok 64, Star Wars: Rogue Squadron, Mario Golf, Kirby 64, Knockout Kings 2000, Mortal Kombat 4 sowie ein Dutzend weiterer Module, die ich mir hier aber alle aufzuzählen erspare.

Für mich stellt der Nintendo 64  die Nr. 1 aller  bisherigen Nintendo-Konsolen dar. Und dies hat für mich maßgeblich damit zu tun, dass in dieser Zeit besonders viel Liebe in etliche der für den N64 erhältlichen Spieletitel gesteckt wurde. Und dies gilt vor allem für jene Spiele, die von Nintendo selbst produziert wurden. Für mich war Nintendo in den Jahren der Nintendo-64-Konsole auf dem Gipfel seiner „Schaffensvirtuosität“ angelangt.    Damit will ich nicht sagen, dass es auf den Nachfolgekonsolen (Gamecube, Wii) keine großartigen Spiele mehr gegeben hat. Die gab es natürlich – und zwar jede Menge. Aber ein Teil eines ganz speziellen „nintendoartigen Spielgefühls“ ging mit dem Ende der N64-Ära ein Stück weit verloren  - zumindest tat es dies aus meiner Sicht.

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Lars-FABI, 18 August 2010

Ich kann Deiner Aussage im letzten Absatz nur zustimmen. Und so ein Speil wie Pilotwings hätte ich gerne auf meiner X-Box :-)

Spawn, 26 August 2010

Klasse Bericht, deine Meinung entspricht meiner eigenen Meinung zu Nintendo. Das N64 war der Geniestreich von Nintendo. Ich selbst (bin mittlerweile 38 Jahre spiele auch Heute noch gerne N64 (Oh ja, auch in den Zeiten von HD,LCD und ipod), gibt es noch Leute die das gute schätzen, die Grundlegende Spielidee, die nur Nintendo erzielte mit Ihren Games. Schade ist sowiso, dass Heute die Zeit so schnelllebig ist. Alles rast an einem vorbei, vieles vielleicht auch gutes, kriegt man garnicht mehr mit. Grüsse an den Schreiber

Wortmutation: Ja, genau! Der N64 war (UND IST!) – wie auch Du erkannt hast - ein Geniestreich! Und dies wohl vor allem aufgrund der Games aus der eigenen  Nintendoschmiede.  Denn vor allem in diesen Titeln steckte oft so unglaublich viel Spielwitz.  Ich musste meine Liebe für Nintendokonsolen häufig vor (insbesondere) PS2-Besitzern verteidigen. Doch der Zauber vieler (speziell früherer)  Nintendo-Games hatte mich immer damit versöhnt, dass  Nintendokonsolen ihren Konkurrenten grafisch unterlegen waren.  Es ist wirklich bedauerlich, dass bei „Zockern“ heute zunehmend andere Werte  (z.B. diese „Grafikgeilheit“)   zählen. Gruß zurück an den Kommentator

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