The Wolfman

The_Wolfman

Produktionsland: US

Erscheinungsjahr: 2010

Altersfreigabe: FSK l6

Laufzeit: 114 Minuten

Genres(s): Horror, Grusel, Thriller

Regie: Joe Johnston

Besetzung:   Simon Merrells, Gemma Whelan, Emily Blunt, Benicio Del Toro, Mario Marin-Borquez, Asa Butterfield, Cristina Contes

 ® Arne Pahlke, 2011

 

Achtung, diese Filmbesprechung enthält diverse SPOILER!

Sämtliche Figuren in diesem Film, der laut Regisseur Joe Johnston auch als Hommage  an den „Wolf Man“ aus dem Jahre 1941 verstanden werden will, wirken über weite Strecken stereotype bis phrasenhaft. Selbst Anthony Hopkins (Dr. Hannibal Lector aus “Schweigen der Lämmer”) bleibt hinter seinen darstellerischen Möglichkeiten weit zurück. In diversen Einstellungen scheint er regelrecht verzweifelt gegen seine hölzerne Rolle anzuspielen. Lediglich in jener Szene, in der er seinen Sohn (Benicio Del Tor) in einer Gefängniszelle aufsucht und ihm dort mit einer unangenehmen Wahrheit (quasi mit seiner Lebensbeichte) zu konfrontieren, blitzt kurz sein schauspielerischer Genius auf. Und sein Sohn, der den  weltgewandten Shakespeare-Mimen Lawrence Talbot mimt, bleibt nicht nur den kompletten Film über farblos; - auch vermag er es nicht die Zuschauer für sich einzunehmen. Und dies liegt weniger am darstellerischen Unvermögen, als vielmehr an einer sträflich schwachen Charakterzeichnung dieser alles entscheidenden Hauptfigur, wodurch sie bisweilen langweilig - ja fast schon ermüdend wirkt.

Allein schon aus diesem Grund wünscht man sich als Zuschauer seine möglichst baldige Verwandlung in eine Bestie. Und die Verwandlungsszenen  können denn auch (vor allem aus technischer Sicht) als durchaus gelungen bezeichnet werden, wenngleich es ihnen eindeutig  an Dramaturgie fehlt.

Bis zum vorhersehbaren Finale baut man als Zuschauer nie eine wirkliche Bindung zum Wolfsman auf. Benicio Del Tor ist leider dazu verdammt  diesen uninteressanten Shakespeare-Mimen Lawrence Talbot darzustellen, der zurück in seinen Geburtsort kehrt, um dort den Tod seines Bruders aufzuklären. Und dabei wird er von einer Wolfsbestie angefallen und gebissen, woraufhin er sich bei Vollmond fortan selbst in ein solches Monster verwandelt. Ich verwende den Begriff Werwolf absichtlich nicht, da es sich (wie es der Filmtitel bereits erahnen lässt) nicht um einen klassischen Werwolf handelt, der sich auf allen Vieren fortbewegt, sondern um eine wolfsähnliche Bestie, die sich sowohl auf zwei als auch auf vier Beinen fortzubewegen vermag.

Mir persönlich gefällt die klassische Variante besser; -  also die eines Werwolfes, der sich lediglich  auf allen Vieren – eben wie ein echter Wolf – fortbewegen kann/muss. Wann immer Wolfsman aufrecht ging/lief, empfand ich ihn als viel weniger bedrohlicher, als die meisten seiner vierbeinigen Kollegen aus anderen Werwolfsfilmen. Allerdings lag dies auch an der Maske, die ich als überhaupt nicht furchteinflößend empfand. So wirkt das Gesicht des zum Wolfsmann verwandelten Lawrence Talbot  (etwa im Vergleich zur bedrohlich wirkenden Anblick eines American Werewolfs) geradezu schnurrig bis possierlich.

Und noch ein weitrer Vergleich zum Meisterwerk vom Regisseur John Landis drängt  sich mir auf. Wenn der Wolfsman etwa am Ende durch eine Silberkugel getötet wird, stirbt letztlich einfach nur eine Bestie, die einst ein langweiliger und gelangweilter Shakespeare-Darsteller war. Bei American Werewolf hingegen stirbt der Student David, zu dem man als Zuschauer zuvor eine Beziehung - zumindest aber Sympathien aufgebaut hat.

 

Ted Herold?

Der Film ist - bis auf 2-3 Ausnahmen - komplett unkomisch. Und vielen Grusel- und Horrorfilmen tut dieser (fast) komplette Wegfall erheiternder Szenen auch gut. Doch  gerade Wolfsman hätten meiner Meinung nach mehr Szenen gutgetan, wie eben jene, in der dieser in einem Hörsaal (gefesselt auf einem Stuhl) als ein Wahnsinniger vorgeführt wurde, der sich lediglich einbildet, sich bei Vollmond in einen Werwolf zu verwandeln.

Dass der Film dennoch unterhalten kann, liegt vor allem an seinen temporeichen  und mitunter brachialen Actionszenen, die technisch gut bis sehr gut umgesetzt wurden. In diesen Momenten vergisst man (fast) das dürftige Drehbuch mitsamt seinen hölzernen darin umherirrenden Charakteren. Auch das stimmige Setting verdient einen Pluspunkt, was man von dem „Endkampf“  (Sohn gegen Vater) allerdings nicht wirklich behaupten kann. So lässt einen auch der Tod des Vaters völlig kalt. Und hätte der Vater gar den Sohn – also “Wolfsman” besiegt – wäre es auch gut gewesen. Ja, sehr wahrscheinlich wäre damit am Ende sogar ein weniger vorhersehbares Finale herausgekommen, zumal Anthony Hopkins noch den positivsten und bleibendsten schauspielerischen Eindruck hinterlassen hat.

 

   5 von 10 Punkten

 

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