Todkrank  Arne Pahlke, November 1996

Wann wollt ihr  endlich euren Geist aufgeben,

euer euer Versagen vor euch selbst preisgeben?

Wann und wie wollt ihr aus dem Leben scheiden,

eurem Verbleiben den verlogenen Atem schneiden?

 

Was soll euch letztlich zu Grunde richten?

Wer oder was soll euch je vernichten?

Was hilft euch entschlafen, verröcheln, krepieren?

Ja, was muss denn endlich passieren,

damit ihr verreckt,

endlich entdeckt,

dass ihr unheilbar krank seid?

 

Was soll euch Menschwürmer bloß zu Grabe tragen?

Wann wird euch die Prophezeiung endlich zerschlagen?

Ihr gestattet es dem Leben nicht, euch zu verzehren.

Fühlt euch zu wertvoll, um euch selbst zu entbehren.

 

Ihr zieht in die Schlacht gegen die Sterblichkeit.

Verschließt die Augen vor der reinigenden Unausweichlichkeit.

Ihr sprecht von Ewigkeit, doch euer Zug ist abgefahren.

Sagt, was muss euch denn noch widerfahren,

damit ihr begreift,

und es in euch reift

dass ihr des Todes seid?

Todkrank

Wie viele Jahre sollen es denn noch werden?

Ihr zimmert euch die Hölle auf Erden

und tauft diese Hölle Paradies.

Ihr steckt in eurem selbstgebauten Verließ

und lebt einen jammervollen Abgesang.

Ihr fiebert in trüber Panik, seid blind wie bang,

dem Tod geweiht, doch nicht bereit

würdevoll von der Bühne zu treten.

 

Euch hilft kein Beten!

Euch hilft kein Implantat!

Euch hilft nicht einmal ein guter Rat!

 

Ihr seid todkrank!

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