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Ü40-Männer Arne Pahlke, Januar 2010
Ü40-Männer suchen ihre Friseure in der Regel nicht mehr auf, um sich von ihnen einen modischen Haarschnitt verpassen zu lassen. Eigentlich geht es bei den meisten Ü40-Männern doch nur noch darum, sich die Haare so schneiden zu lassen, dass ihr kümmerliches Resthaar nicht mehr ganz so beschissen aussieht. Schöner macht ein Friseur Ü40-Männer nur noch in den seltensten Fällen. Vielmehr verwaltet er ihr klägliches Elend auf ihren gramgebeugten Häuptern. Und die Zeit auf den Friseurstühlen vergeht nicht nur immer schneller, sondern in den immer kürzer werdenden Sitzzeiten, in denen man den vorwurfsvollen Blicken seines antiquarischen Spiegelbildes auszuweichen versucht, verbringt der Friseur immer mehr Zeit mit betrügerischen Luftschneiden. „Oh, es lohnt sich dieses Mal ja wieder richtig …“, lügt dann einer dieser tuntigen Hairstylisten, während man wehmütig auf dem Boden blickt und dort nach abgeschnittenen Haaren fahndet. Und dabei erkennt man schnell, dass sich damals, als man sich als Knabe erstmals sein Schamhaar rasierte, anschließend mehr Haare auf dem Boden lagen, als bei einem Friseurbesuch mit Ü40. Und wenn es denn nur die Haare wären, mit dessen Verlust Ü40-Männer zu kämpfen hätten. Doch auch ihre Muskelkraft lässt immer mehr nach und die Elastizität ihrer Haut verwandelt sie in einen wandelnden Wackelpudding. Und dies umso mehr, als dass auch die Fett- und Faltenbildung zunimmt, wodurch der Blick in den Spiegel zu einer Mutprobe verkommt. Doch, der in diesem Zusammenhang von der Schöpfung gehässigste Akt ist letztlich der, dass sie Ü40-Männer zwar fetter, träger, schwächlicher – quasi rundum kränklicher und hässlicher werden lässt; – ihnen aber gleichzeitig die Lust auf Sex NICHT nimmt. Eine Schöpfung, die sich derart böse Lebensbedingungen ersinnt, ist definitiv gottlos! Was sich in jungen Jahren bei vielen Männern fast von selbst ergab, dies müssen sie sich als Ü40-Männer hart erarbeiten oder aber teuer erkaufen – nämlich die Aussicht auf Sex. Und so ist die Suche nach schmutzigen Pornofilmchen oder Amateurfotos von blutjungen Teengirls via Internet für viele Ü40-Männer zu einer Art Ersatz-Cruising geworden. Und wie einst zu Knabenzeiten mutiert die Selbstbefriedigung für sie oftmals zu ihrer einzigen sexuellen Betätigung. Und bei verheirateten Ü40-Männern sieht es oft nicht besser aus. Und wie auch? Schließlich sehen ihre meist etwa gleichaltrigen Frauen in der Regel genauso beschissen aus wie sie selbst. Und wie soll unter solch widrigen Rahmenbedingungen bitteschön erfüllender Sex stattfinden, wenn ein Falten und Hautlappen werfendes Pärchen sich vereint? Und weil dem so ist, hobeln sich viele Ü40-Männer lieber heimlich nach Lolita-Fotovorlagen ihre Schwänzchen. Und während sie sich einst vor Mutti verstecken mussten, müssen sie ihre Selbstbefriedigungsakte heute vor der Ehefrau und den Kindern verheimlichen. Nein, dies ist nicht nur bitter - dies ist erbärmlich! Und nicht zuletzt deshalb werden nicht wenige Ü40-Männer bisexuell oder gar altersschwul. Plötzlich vergöttern sie junge Boys, weil sie bei blutjungen Frauen nicht mehr landen können und die alte Schachtel neben sich im Bett nicht mehr besteigen mögen. Kann man verstehen, denn so notgeil muss man erstmal sein, um freiwillig auf eine Ü40-Frau zu springen. Ok, zwar können die Altersschwulen letztlich auch nicht mehr bei den jungen Boys landen – aber Männer in diesem Alter entwerfen sich häufig ganz groteske Denkmodelle, um ihr jämmerliches Dasein besser ertragen zu können.
Besonders schlimm sind übrigens jene Ü-40 Männer gestraft, die zu dumm/faul oder unglücksbeseelt waren, um für ihr Leben nach dem Überschreiten der leidvollen Ü40-Altersgrenze vorzusorgen. Männer mit einem gutbezahlten Job können das Elend in diesem Altersabschnitt zumindest leicht abfedern. Sie können sich z.B. all die Frauen kaufen, die sie ohne vorherige Geldgeschenke nie an sich heranlassen würden. Auch können sie ihr angeknackstes Ego durch den Erwerb teurer Imponiergüter abmildern. Doch all jene Ü40-Männer, die zu den Arbeitssklaven im Niedriglohnsektor zählen; oder gar jene, die von Hartz-4 oder Sozialhilfe leben - sie bekommen die ganze Härte des Ü40-Daseins in Bezug auf Sexkontakte oder Chancen auf eine Partnerschaft zu spüren. Die wenigen Frauen, die an einem armen Ü40-Schlucker interessiert sind, sind hoffnungslos verfettet. Oder aber es sind selbst Sozialfälle und aber sie haben mehrere Balgen an der Backe. Oft vereint sich sogar alles Unglück in nur einer Frau. Und somit würde nur Not auf Elend treffen. Wem verwundert es da also, dass viele Ü40-Männer der Fress- und Fettsucht verfallen? Wem verwundert es da noch, wenn viele von ihnen sich in einsame und traurige Trinker verwandeln? Wo keine sexuelle Befriedigung mehr möglich ist, schreit die gekränkte Psyche nach einer Ersatzbefriedigung. Und dies tut sie nicht selten durch eine ständige Zufuhr von Kalorien oder Promille. Und da die wenigsten Ü40-Männer zu den gutbetuchten Siegern zählen, träumen und reden so viele von ihnen ständig über die gute alte Zeit, die sie nie wieder erleben werden. Was ihnen bleibt, dies sind allein ihre Erinnerungen. Und selbst diese verblassen immer mehr, so wie ihre müden Gesichter mit ihren immer tiefer hängenden Hautlappen immer mehr verblassen. Nachvollziehbar also, dass viele Ü40-Männer alles versuchen, um die Zeit irgendwie zurückzuholen oder diese zumindest aufzuhalten. So verschreiben sich einige von ihnen einer der vielen Anti-Aging-Sportarten. Oder sie tragen jugendliche Kleidung, um in diesem Aufzug ein paar Jahre jünger zu wirken. Andere suchen ihr Heil in der Schönheitskosmetik und in der Anwendung fragwürdiger Arzneien. In einer Mischung aus Torschlusspanik und einem verbissenen Glauben an das Unmögliche geben sie ihr Geld für Cremes und Medikamente aus oder schwitzen täglich beim Sport. Bis sie dann irgendwann erkennen, dass all ihre Mühe und Geld letztlich vergebens waren. Sie sind ein Ü40 geworden – und verdammt nochmal, - sie sehen auch wie ein Ü40 aus!
Wenige Monate nach meinem Eintritt ins menschenunwürdige Ü40-Alter, besuchte ich erst- und letztmals eine jener Ü40-Partys, die von vielen Jugendlichen spöttisch und völlig zu Recht auch Gammelfleischpartys genannt werden. Irgendwie empfinde ich die Verwendung des Begriffes Party übrigens als total abwegig für derartige Zusammenkünfte älterer Menschen. Denn welcher nicht verhaltensgestörte Ü40-Mann geht noch auf Partys oder veranstaltet selbst so etwas wie eine Party? Ü40-Männer laden vielleicht noch hin und wieder zu vermeintlich gemütlichen Sit-Ins ein. Sie treffen ihre übriggebliebenen Freunde aus Jugendzeiten. Aber sie veranstalten ganz sicher nichts mehr, was auch nur annähernd den Namen Party verdient hätte. Sie rotten sich vielmehr als Auflehnungsakt gegen die in ihnen fortschreitende Leichenstarre zusammen, um sich dann zum hundertsten Mal mit denselben Geschichten zu langweilen. Und dabei lachen sie einander müde an und trinken sich in ein vorübergehendes Vergessen. Sie machen die immer gleichen dummen Witze über das Älterwerden, um nur nicht in eine kollektive Depression zu verfallen. “Naja, Prost, Alter! Es kann nur besser werden.” VON WEGEN - ES WIRD IMMER BESCHISSENER WERDEN! Nein, mit Ü-40 feiert man(n) keine Partys mehr – man(n) stellt sich mit Ü40 langsam auf das Siechtum ein. Und somit sind alle Ü30- und Ü40-Partys nur ein kläglicher Versuch, an etwas festzuhalten, was längst abgestorben ist. Genauso wie kein 40-jähriger Mann auch nur eine einzige der 50.000 Gehirnzellen zurückholen kann, die ab dem 40ten Lebensjahr täglich in ihm absterben. Vielleicht sollte der Ü40-Mann sich deshalb am Ende sogar darüber freuen, dass mit Ü40 nicht nur seine Haare ausfallen sondern auch immer mehr von seinen Gehirnzellen absterben. Mit etwas Glück erlöst ihm somit irgendwann (mit Ü50/Ü60/Ü70 oder Ü80) eine Alzheimer-Erkrankung von seinen kummervollen Erinnerungen an seine schönste Zeit – die Zeit vor Ü40. |
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eine ernsthafte Auseinandesetzung von mir zum Thema kann hier gelesen werden:
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Epimetheus, 3. Juni 2010 - ich finde es sehr befriedigend das ich weiß das jeder irgendwann Alt wird ob es es nun passt oder nicht Michael , 29 Juli 2010 - na du, machst dir aber schon reichlich gedanken übers altwerden, glaub du hast sehr grosse angst davor. brauchst aber nicht, tut nicht weh. (das altwerden selber) - dein alter schätz ich so auf 50 , wennst 60 bist möcht ich ein bild von deinem wackelpuddingbauch sehen. alles liebemichael65 Anonym, 15 August 2010 - Kommentar: Deine Homepage gefällt mir. Ein bißchen gezwungen, man merkt Deinen Stress, das könnte eleganter, großzügiger sein, aber o.k., dein Stil. Du hast natürlich total Recht mit allem! Du brauchst ne nette Frau, und die hast Du auch verdient, ich wünsche Dir von ganzem Herzen, daß Du so eine Frau wie mich findest: Groß, gutaussehend, nur leicht zu fett, aber sehr sportlich. Nachbarn, Kinder, Menschen: ich hasse alle.Mein Tipp: geh öfters mal ins Museum, unter der Woche nachmittags, da gehen die fetten Hartz-Vier-Weiber nämlich nie rein, da hast Du schon ne ganz gute Vorauswahl. Der Nachteil ist, das alleinstehende finanziell unabhängige Frauen Ü40 ihr Dasein natürlich genießen und einen mindestens ebensolchen Partner suchen, wenn überhaupt, daß mußt Du auch verstehen. Du mußt dann mit Deiner "Künstler-Karte" trumpfen, da stehen viele Frauen drauf, die es sich leisten können. Du siehst auf jeden Fall gut aus, bist total jung und wirst Dein Glück finden, aber auf keinen Fall Kompromisse machen!!! Wortmutation: Dass sich eine alleinstehende finanziell unabhängige und (wie man so schön sagt) „mit beiden Beinen im Leben stehende“ Frau wohl weniger bis überhaupt nicht für einen Mann wie mich interessiert, dies kann ich gut nachvollzuziehen. Allerdings könnte ich mir eine solche Frau an meiner Seite auch nicht unbedingt vorstellen. Nein, ich will gar keine Frau, die ihr Leben voll im Griff hat und sich einen starken, ausgeglichenen, humorvollen und nach Möglichkeit gutsituierten Mann an ihre Seite wünscht. Ich sehe mich selbst als liebenswertes Mängelexemplar und mit einem solchen liebenswerten Mängelexemplar als Partnerin wäre ich auch zufrieden. Es wäre mir auch egal, ob sie von Hartz-4 lebt. Allerdings gibt es Punkte, die mir so wichtig sind, dass ich dabei nie Kompromisse machen würde/könnte. Vielleicht gehe ich mal wieder in ein Museum :-) Vielen Dank für Deinen Kommentar. Lars, 26 Dezember 2010 - Deine Texte sind voller (Selbst-)Hass, doch immerhin artikuliert. Quasi ein Michel Houellebecq auf Crack. Bei dem geht es auch immer nur ums Ficken, Älterwerden und wie man im Alter noch verzweifelt zu Sex kommen will. Sind das zeitweilige Anwandlungen? Oder hoffst du insgeheim, es möge doch noch dem Mensch kommen, den du geil findest, der dich geil findet und mit dem auch eine Liebesbeziehung möglich ist? Denn oftmals sind Zyniker enttäuschte Moralisten. Was ich nicht verstehe: du schreibst über Falten und Fett, und dass Ü40-Männer nicht mehr ihre Alte besteigen wollen. Aber das passiert auch Brad Pitt und Frau Jolie. Vertrautheit ist eben nicht die heiße Affäre mit dem Unbekannten. Fett ist dazu nicht unbedingt notwendig. Aber wenn man so ein "dünner Hering" ist wie du (oder Westernhagen), dann muss man sich beim Lästern über Fette wenigstens nicht selber auf die Schippe nehmen. Noch mal zehn Jahre auf der Weide, und dir wird dein Geschreibsel von heute peinlich aufgeregt und unreif vorkommen. Oder der psychische Stress setzt sich mit der Zeit in die Arterien oder krebst in den Eingeweiden. Ich wünsche dir natürlich die (für dich!) angenehmere Variante! Wortmutation: Danke für Deinen Kommentar! Nun, etliche meiner Texte sind tatsächlich getragen von einem tiefem (Selbst-)Hass - aber eben längst nicht alle. Auch spreche ich in meinen Texten nicht ständig übers Älterwerden und Ficken, wobei natürlich beides Themen sind, die mich beschäftigen. Und manche meiner Texte lesen sich für Zartbesaitete auch härter, als sie von mir gemeint sind. Und „Ü-40-Männer“ ist einer dieser Texte. Über Humor lässt sich bekanntlich (nicht) streiten; - so finde ich z.B. einige meiner Einträge in meinem Lexikon der Misanthropie urkomisch, während die Mehrheit der Menschen diese Art von Humor nicht mit mir teilt. Und das meine persönliche Sicht auf das Älterwerden auch sehr viel differenzierter und unaufgeregter daherkommen kann, kannst du z. B. folgenden Texten entnehmen: Liebe Friedhoefe, Sterben PS: Ich halte es dennoch, wie von Dir „angedacht“, selbst für sehr wahrscheinlich, dass ich irgendwann den Krebstod sterben werde. Peter , 14 April 2011 - ich, 44 und meine 23-jährige freundin haben herzlich über deinen text gelacht. die pure wahrheit und sehr weise :D wir danken dir und hoffen, dass du noch nicht von einer klippe gesprungen bist :) denn nach ü40 kommt ü50 und dann... Anonym, 30 Mai 2011 - Ich habe mich köstlich darüber amüsiert, dass du wohl ein hohes Potenzial an Selbsteinschätzung haben musst.Jedoch finde ich es widerlich, wenn du erwachsenden Männern, die das Alter von 40 Jahren bereits erreicht haben, eine pädophile Neigung nachsagst. Einiges mag hier vielleicht zutreffen, was das älter werden betrifft. Jedoch möchte ich dir mitteilen, dass ich es als 46 jährigen Mann nicht verstehen kann, dass du anscheinend unter Angstphobien leiden musst. Entsprechende Hilfe können dir geeignete Therapien versprechen.Es ist jedenfalls so, dass ich mich immer noch bester Gesundheit erfreue, meine Haare noch besitze und auch sehr beweglich bin und jedenfalls kein Interesse habe, mich mit unreifen jungen "Lolitas" zu treffen.Deine mutmaßlichen Einschätzungen, so sehr sie auch einen hohen rhetorischen Wert haben, können sich letztendlich nur auf deine eigene Person beziehen und sind deshalb nur als bloße Vermutung einzustufen.So what...Das Leben geht weiter, ob nun mit oder ohne Libido!!! Neunzehnhundersiebenundsechzig, 17 September 2011 - das liest sich so gut, wie der ironische Text lustig war. Ich bin genauso alt und erlebe das alles ähnlich, aber doch nicht gleich. Es heißt, ab 40 ist man für sein Gesicht selbst verantwortlich. Das ist übertrieben, aber man hat doch einen gewissen Einfluss durch den (mehr oder weniger gesunden) Lebensstil, die Einstellung, Intressen usw. Einige gewinnen sogar wirklich mit dem Alter, denn es gibt so etwas wie Ausstrahlung (wenn man so will auch des Inneren nach außen) und wenn jemand, was immer wieder vorkommt, bis zu viele Jahre jünger wirkt, ist das nicht nur eine Laune der Natur.Wie auch immer, ein Artikel, der die Aspekte des Alterns gut beschreibt (hoher Wiedererkennungsfaktor) und des satirische Pendant dazu sehr lustig und natürlich mit vielen wahren Kernen versehen, wenn auch die Erklärung für das "Entdecken"der Atrraktivität von jüngeren Menschen (auch des eigenen Geschlechts) sicher auch auf einer satirischen Ebene eher auf wakligen Füssen steht, aber durchaus auch ein Aspekt sein kann. |
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