Unempfänglichkeit für Glücksbotschaften

Ich habe so  viele glücksverheißende Bücher in mich aufgesogen, die meine ohnehin unrettbare Psyche aber nur zusätzlich vergiftet haben, anstatt  aus mir einen glücklicheren Menschen zu machen. Natürlich enthalten viele der esoterisch angehauchten „Schöner-leben-Lektüren“ hilfreiche Botschaften, die sich bei etwas genauerer Betrachtung allerdings meist auf die einfache Formel: „Sorge dich nicht – lebe!“, zurückstutzen lassen; - wenn einfach mal den ganzen bewusstseinserweiternden Firlefanz, der um diese einfache aber auf Dauer nicht lebbaren Formeln gewoben wird, außen vor lässt.

Und niemand soll mir bitteschön erzählen, das er sich keine Sorgen mehr macht, nachdem er ein oder Hunderte dieser „Weg-zum-Glück-Bücher“ gelesen hat; -  oder schlimmer noch, Monate oder Jahre seines Lebens damit verbracht hat, ein besserer Mensch zu werden, etwa indem er meditierend über die Unwichtigkeit des eigenen Seins sinniert hat. Ach ja, sorry, natürlich sinniert man nicht während man meditiert – man denkt einfach an nichts – und ist somit automatisch komplett sorgenfrei. Zumindest ist man dies, während man meditiert. Und dies auch nur,  wenn denn alles so glatt läuft, wie es in den Glücksbibeln beschrieen wird.

Doch die wenigsten von uns werden jemals einen eigenen Ashram gründen und anbetungstolle Frauen und Männer um sich scharen, die ihnen finanziell den Rücken frei halten, damit sie sorgenfrei meditieren können. Und wenn es denn so einfach wäre, dann würden wir schließlich alle einen eigenen Ashram gründen. Doch in gewisser Weise haben wir dies bereits getan – und diesen Ashram nennen wir Ego. Doch bereits mit unserem Ego sind wir kolossal unglücklich. Und eben so wenig würde uns ein eigener Ashram glücklich machen; - genauso wenig, wie uns glücksverheißende Bücher ins Glückstal führen.

Was glauben sie denn, was sie zum Glück brauchen? Etwa glücksverheißende Botschaften aus spirituell durchweichten Schriften oder aber klerikale Lebensanleitungen per Sonntagspredigt? Was hat denn ein Buch oder ein Pastor mit ihrem ganz persönlichen Glück am Hut? Suchen und finden sie ihr Glück gefälligst selbst! Sie sind doch schließlich alt genug.

 

 

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...immer noch unglücklich, obgleich ich doch Dutzende Glücksbücher gelesen habe

 

Und sollten sie z.B. Glück dabei empfinden, wenn sie sich ein neues Auto kaufen, dann tun sie sich diese Art von Glück halt an! Kosten sie ihr Glück aus, ganz gleich, wie hinfällig dieses Glücksgefühl auch sein mag. Oder glauben sie etwa, dass das Glück der Meditierenden und der „Weg-zum-Glück-Buch-Leser“ von dauerhafter Natur ist? Glauben sie, dass diese nicht genauso oft und dabei sogar noch weitaus heftigere Abstürze erleben?

Ich empfinde in jenen Momenten Glück, wenn ich mein Unglück nicht oder aber nur sehr schwach spüre. Sobald ich mich aber mit Glücksbotschaften beschäftige oder diese von anderen Menschen aufgenötigt bekomme, entferne ich mich vom Zustand des Glücks, da sich dabei automatisch mein Unglück in meine Wahrnehmung schiebt, die es ja durch glücksverheißende Anleitungen zu überwinden gilt.

Doch eine jede Überwindung bedeutet immer auch Kampf – und wer kämpft, der hat keine Zeit glücklich zu sein. Und eben deshalb bin ich zunehmend weniger an Glücksbotschaften interessiert. Schließlich erlebe ich schon ohne diese ganzen Glücksbotschaften nur sehr kurze Momente voll von inneren Frieden. Also muss ich mir doch nicht noch mutwillig diese seltenen Momente durch neue Überwindungskämpfe vorzeitig zerstören.

Glück ist, wie es bereits viele Menschen richtig erkannt haben, vor allem das zeitlich begrenzte Nichtvorhandensein des Unglücks. Und wer in seiner egozentrischen Gier nach mehr dürstet, der sollte einfach auf seinen irdischen Tod warten, denn vielleicht erwartet ihm danach mehr und vor allem ein konstanteres Glück – zu Lebzeiten wird er hingegen wohl nicht fündig werden!  Arne Pahlke, März 2006

 

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