Verwirrtes Kontaktgesuch

 

 

Sie suchen Nähe und schreiben: suche Beziehung

Sie suchen Nähe und schreiben: suche Sex

Sie suchen alle nach Anerkennung und schreiben:

Ich habe es nicht nötig zu suchen! Ich will gefälligst gefunden werden!

 

Und ich bin irgendwie immer away und suche stets alles und nichts.

Und dabei  scheine ich das Nichts für mich abonniert zu haben.

 

Kann man sein eigenes Unvermögen eigentlich für die Allgemeinheit patentieren lassen?

 

Es gibt so viele anbetungswürdige Frauen und Männer

Wozu sie sich also noch ins Haus holen,

wenn man sie so praktisch aus der Distanz anbeten kann?

 

Etwa nur, um dann feststellen zu müssen,

das sie gar nicht die sind, die man aus der Ferne anbetete,

sondern dass auch sie nur Suchende sind?

Suchend nach einem Wesen, dass wiederum sie anbeten dürfen

und was dann mit einem selbst nichts zu tun hat,

außer vielleicht der fixen Idee, man könnte eben doch etwas

mit ihrem Anbetungsobjekt zu tun haben?

 

Arne Pahlke (2006)

 

Stellen Sie sich einmal folgendes Szenario vor:

Gott höchstpersönlich klingelt eines Morgens bei Ihnen an der Tür

und fragt Sie, ob er bei Ihnen einziehen darf.

 

Sie wären der glücklichste Mensch auf der Welt, nicht wahr?

 

Aber wie lange würde dieser glückselige Zustand anhalten?

Ich gebe Ihnen drei Monate, dann halten Sie Gott

für einen ganz gewöhnlichen Typen voll von Fehlern,

und seine ständige Gegenwart stößt Ihnen zunehmend sauer auf.

Denn Vergötterung verträgt keine räumliche Nähe!

 

Und deshalb schreibe ich: Ich suche ein unkompliziertes Fickdate

obwohl ich nicht weiß, wie man unkompliziert

und erst recht nicht wie man kompliziert fickt.

Und deshalb schreibe ich: Ich suche eine Beziehung

und will doch eigentlich nur regelmäßig Nähe und Sex.

 

Unkomplizierter Sex ist mir zu schnell und damit zu kompliziert.

Verbissene Beziehungssuchende wirken auf mich wie heuchlerische Koalitionspartner,

mit denen man eigentlich nichts zu tun haben will,

aber ja irgendwie zu tun haben muss,

weil dass nun einmal zu einer Beziehung dazu gehört, nicht wahr?

 

Ich lege meine Abgänge deshalb vornehmlich in meine eigene Hand

Dabei suche ich doch eigentlich nur meinesgleichen.

Nur irgendwie suche ich mich gänzlich anders,

- so u .a. gesünder, schöner und natürlich anbetungswürdiger.

 

Und mitunter frage ich mich,

wäre möglicherweise nicht vieles einfacher

wenn man weniger nach dem Anbetungswürdigen sucht

oder vielleicht sogar gänzlich zu suchen aufhört?

Aber wie müsste ein solches Kontaktgesuch denn dann aussehen? ©Arne Pahlke, Juni 2006

 

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