Verzweifeltes Selbstgespräch eines Mannes, der sein Kopfhaar verliert  ® Arne Pahlke, November 2010

 

Von mir aus leg’ meine Haut noch schneller in Falten; -  lass mein Bindegewebe noch rasanter ausleiern, als Du es ohnehin schon tust, Du Berserker der Zeit.

Ja, Du dürftest sogar all meine Haare über Nacht grau werden lassen, wenn Du sie mir im Gegenzug nur nicht alle vom Kopf  reißen würdest.

Findest Du das lustig?  Suchst Du Streit?  Glaubst Du etwa, dass Du Dir alles mit mir erlauben kannst, nur weil Du am längeren Hebel sitzt?

Ich habe Dir doch bereits tausendmal gesagt, was Du mir alles antun kannst und was gefälligst nicht! Ist es denn zu viel verlangt, wenn ich wenigstens diese paar Haare behalten will; - also jenen kläglichen Rest, den Du mir bis heute gelassen hast?

Aber es interessiert Dich nicht die Bohne, was ich will oder?

Du bist eiskalt und skrupellos und hast scheinbar überhaupt kein Gewissen.

Wenn mir meine Kopfhaare auch weiter in diesem Tempo und in dieser Anzahl ausfallen, wird es nur noch wenige Wochen dauern, bis ich mit einer nicht mehr zu verbergenden Glatzenbildung herumlaufen muss; - also genau das, was ich nie wollte.

Und jetzt hör mir gefälligst zu, wenn ich mit Dir rede!

Du bist Schuld an meinem Unglück und dafür hasse ich Dich! Reicht es Dir nicht, dass Du mein Hautbild, meine Augen, mein Gehör – einfach alles zunehmend  schlechter werden lässt?

Hast Du eine Tendenz zum Sadismus oder was ist los mit Dir?

Ich flehe Dich hiermit an, lass mir meine Haare!

Was heißt denn hier,  ich soll nicht jammern?

Nur, weil andere Männer ihre  Haare bereits mit Anfang 20 verlieren, habe ich doch wohl das Recht, zu jammern, wenn ich sie mit  43 verliere.

ICH WILL MEINE HAARE BEHALTEN!

Das bringt doch niemandem Vorteile, wenn Du sie mir wegnimmst. Oder geht’s Dir dann besser;  - weidest Du Dich womöglich an meinem Leiden?

Nimm doch meine Schambehaarung – dauerhaft – auch die an den Beinen, am Arsch und unter den Achseln.

Ich will doch nur die paar Fusseln auf dem Kopf behalten.

Aber das wirst Du nicht zulassen. Richtig?

Deshalb überlege ich bereits, wie ich auf Dein Attentat reagieren soll.

 

mögliche Maßnahme bei Glatzenbildung - Indianerkopfschmuck mit Kunstzöpfen

 

 

Folgende fünf Möglichkeiten sehe ich für mich:

1.) Ich verpasse mir einen 3mm-Haarschnitt oder rasiere mir eine Glatze. Doch so ein „Haarschnitt“ entspräche überhaupt nicht meinem Selbstbild. Außerdem würde ich dadurch älter und härter (männlicher) wirken.  Ich will aber nicht älter und schon gar nicht männlicher aussehen! Du Alterungs-Widerling betreibst Körperverletzung – Verletzung meiner Seele und bist ein Haarwurzeldieb! Und darum hasse ich Dich! Ich verachte Dich …nur kann ich  Dich leider nicht ignorieren.

2.) Ich nehme fortan täglich das Haarwuchsmittel Propecia ein. Doch dadurch würde ich nicht nur monatlich 50 Euro weniger im Portemonnaie haben, sondern höchstwahrscheinlich auch mit  Potenzproblemen, Brustbildung und einer Gewichtszunahme leben müssen. Also: NEIN!

3.) Ich nehme fortan Östrogene ein und dazu den  Testosteronblocker Androcur. An beide Medikamente käme ich (wenn auch illegal) heran. Dies würde meinen Haarausfall höchstwahrscheinlich nicht nur stoppen, sondern  mir sogar wieder volleres Haar bescheren.  Allerdings würde ich ganz nebenbei verweiblichen. Und zwar inklusive Stimmenveränderung, Wachstum von Brüsten und  mittelfristig würde auch eine  Veränderung meiner Persönlichkeit eintreten.  Ich fände dies zugegebenermaßen ziemlich spannend – auch und vor allem die Veränderung meines Wesens. Ok,  meine Hoden und  mein Penis würden auch schrumpfen. Aber wenn ich verweibliche, fände ich dieses Gehänge  ohnehin irgendwann blöd und überflüssig. Allein, dass mir Titten  davon wachsen würden, lässt mich vor diesem Selbstversuch zurückschrecken, denn diese würden sich auch nach Absetzen der Medikamente nicht mehr vollständig zurück bilden. Und dann hätte ich irgendwann keine Haare mehr und dafür Titten. Na super!

4.) Ich trage fortan nur noch Mützen, Basekaps und Hüte und  tue einfach so, als wäre dies mein neuer ganz eigener cooler Style, der natürlich absolut nichts mit einer Glatzenbildung zu tun hat. Ja, ich fange sogar an eine Glatzenbildung (und später dann meine Glatze) kategorisch zu leugnen, da ich mich niemals mehr ohne Kopfbedeckung zeige. Ich werde der Udo Lindenberg Reinbeks. Hm, klingt irgendwie sehr deprimierend und peinlich.

5.) Ein künstliches Haarteil (Perücke) tragen. Wie peinlich! Das wäre mir ja noch um ein Vielfaches unangenehmer, als mit einer Mönchsplatte herumzulaufen.

6.) Ich akzeptiere meinen Haarausfall und unternehme nichts. NIEMALS! Ich kämpfe gegen diesen Alterungsberserker. Das wäre ja noch schöner, wenn er meint,   ich würde mich meinem Schicksal einfach fügen.

 

Also  bleiben am Ende die Möglichkeiten 1 und 3.

Sollten sich meine Texte also innerhalb der nächsten 12 Monate dahingehend ändern, - das sie zunehmend versöhnlicher, gerechter, liebevoller, mildtätiger, ausgleichender, verständnisvoller - kurzum: sollten sie immer öder und langweiliger werden; -  dann wisst Ihr, dass ich mich für Punkt 3 entschieden habe.

schreibe einen Kommentar..
Dein Kommentar zum Text abgeben

Brandmeister, 1 November 2010 - Arne, da ich dich schon mal aufgepimpt im Fummel erleben durfte, rate ich dir unbedingt zur Maßnahme 3. Und sollten  dir davon zu wenig neue Haare sprießen. Als Transmaus darfst auch Perücke tragen!!! *grins*

Wortmutation: Du findest es wohl komisch, Dich am Leid anderer zu laben? :-( Wenn ich mich für Variante 3 entscheiden sollte, schlag ich Dir mit den Absätzen meiner High-Heels Deinen Schädel ein! :-)

Robbi, 1 November 2010; - Das kenne ich! Es ist wohl eine der schlimmsten Erfahrungen, die ein Mann machen kann. Ich hatte früher dichte lange Haare, die in den letzten 10 Jahren massiv ausgefallen sind. Seit 2006 (da war es besonders schlimm) gehöre ich nicht mehr zur Jugend, sondern zu den alten Säcken. Ich merke es daran, dass alle zu mir 'Sie' sagen und mich als alten Mann (Sack) sehen. Im Jahr 2006 habe ich meine Jugend endgültig verloren. Ich habe mich für die 3 mm-Variante entschieden - sieht aber trotzdem Scheisse aus. Wenn ich mein Führerschein-Foto aus dem Jahr 1989 ansehe könnte ich heulen...

Wortmutation: Man hat bei Glatzenbildung  als Mann doch  letztlich nur  die Wahl zwischen Not und Elend. Entweder man lässt es so (mit einer sich stetig ausweitenden Haarkranzplatte) und sieht dann superalt aus - und oft auch nach Biedermann mit noch abzuzahlender Reihenhaushälfte. Oder man lässt sich sein Resthaar  hinten immer länger wachsen – trotz Platte - wie Guldo Horn oder binden sich einen Zopf. Und die meisten rasieren sie sich dann halt ganz kurz. Doch wie man es auch macht, es sieht alles längst nicht mehr so gut aus, wie mit voller Matte. Und vor allem, man wirkt um Jahre gealtert. Ich bin jetzt schon am Boden zerstört. Und was sagte meine Mutter vorhin Aufbauendes am Telefon, als ich ihr mitteilte, dass ich vielleicht sehr bald einen 3mm-Haarschnitt tragen muss? “Na, meinst du, das dass bei dir überhaupt nach was aussieht”?   Ne, Mutti - das wird scheiße aussehen und mich alt machen - aber hast Du Alternativen? :-(

Konklait, 3 November 2010 - >> Und dann hätte ich irgendwann keine Haare mehr und dafür Titten. Na super! << Aber hast du nicht mal geschrieben dass du solch androgyne Wesen toll findest?

Wortmutation: Stimmt!  Das habe ich (schon oft) gesagt und geschrieben und das meinte ich auch so! Ich würde so einen Mann, der kleine Brüste und eine hellere Stimme und weibliche Züge im Gesicht hat, attraktiv und erotisch finden. Was heißt - ich würde - ich tue es ja! Ich begehre Transsexuelle und habe gerne Sex mit ihnen – und das sind ja nichts anderes als Männer mit weiblichen Zügen, die Präparate einnehmen, die ich dann auch einnehmen würde.  Aber ich will keine Frau werden, wie 99.9 % jener, die Hormone nehmen. Ich bin nicht transsexuell. Ich würde keine Kleider tagen wollen oder eine OP anvisieren. Aber so ein Zwischenwesendasein, das passt zu mir. Und mich würde interessieren, was in mir passiert – äußerlich und mit meinem Wesen. Aber so etwas ist kein Spiel; -  es kann zwar sein, dass ich es am Anfang als Spiel sehe – doch dann selbst zum Spielball werde. Und was wird  aus mir?  Wirklich Angst davor, diesen Versuch zu starten habe ich nicht - wollte ich ja schon letztes Jahr mal tun  - es ist vielmehr Vernunftdenken, das mich bis dato davon abhält.

Niocole, 28 Februar: hi du, dein text ist unglaublich witzig und trotzdem für all die millionen männer, ob hetero, transgender oder transsexuell oder sonstwas sicher gleich bedeutend schwer vom thema. (die vollpfosten aus der unterschicht lassen wir mal aussen vor) zu deiner durchaus witzigen überlegung zu punkt 3 kann ich dir nur sagen: nim mal diese isoflavone/phyto östrogene. die fläschchen mit 60 tab. nimmst du 2 - 4 tabl. täglich so 3 - 4 monate lang und dann schau mal auf deine kopfhaare...du wirst dich wundern.ja kleine tittenansätze wachsen dir auch davon, aber diese pfl. östogene sind wesentlich schwächer als echte, das tittenwachstum ist nur wasser einlagerung und verschwindet nach absetzen wieder völlig. die psychischen verweiblichungs auswirkungen halten sich ebenfalls in grenzen, du wirst vorübergehend netter. das ist aber auch alles soweit... selbst nach 6 monaten nehmen und absetzen bist du die titten wieder los danach und bleibst du selbst...woher ich das weiß ? ein freund von mir hat den versuch gemacht mit den phytoöstrogenen, weil ich ihm davon erzählt hab (eigentlich sind diese dinger ja für frauen in den wechseljahren zur hilfe auch da aber gegen haarausfall) seine kopfhaare, bzw sein haar ausfall ist deutlichst zurück gegangen und nach 6 monaten nimmt er die dinger nun weiter aber nur noch 1 tabl. am tag... die titten sind auch wieder weg :) viel spaß, ist sicher ungefährlicher als richtiges östrogen zu schlucken, denn dann bilden sich milchdrüsen gewebe in den brüsten und die gehen nie wieder weg.

Wortmutation: Hallo Nicole. Das ist ja mal ein „verführerischer“ Tipp, den ich wohl verfolgen werde.  Bei den „härteren“ Präparaten schreckte mich bislang  immer die Sache mit den Tittis ab, die sich nie wieder zurückbilden. Obwohl, vielleicht stehen solche Dinger mir am Ende sogar ;-) Ich hatte die „Haargeschichte“ schon wieder ganz verdrängt. Naja, wirklich verdrängen kann man das nicht – man rennt mit seiner schwindenden Haarpracht schließlich 24 Stunden am Tag herum.  Zur Zeit suche ich meine Flucht darin, sie seit Monaten überhaupt nicht mehr schneiden zu lassen. Reine Protesthandlung! ;-)

® sämtliche Textrechte liegen bei Arne Pahlke/Wortmutation