Vom Bachelor zum Bundespräsident
® Arne Pahlke, Januar 2012

Wichtiger Himweis: Liebe Graduierende, dies ist ein (real-)satirischer Text! Wer seinen Bachelor macht, büßt nicht zwangsläufig seine Individualität ein und endet nicht unbedingt als Berufspolitiker oder geldgeiler Egozentriker. Auch unter  Punks finden sich  manipulierbare Marionetten, unter Lyrikern Gesinnungslumpen und ich besorge mir demnächst einen Erklärbären sowie  einen Juristen, der meine Leser ausführlich, rechtssicher und behutsam in das (Un-)Wesen meiner Texte einführt.



Ich brauche möglichst schnell den ersten akademischen Grad eines gestuften Universitätsstudiums! Dafür unterwerfe ich mich gerne dem straffen Zeitmanagement eines Weichmacher-Gleichmacher-Bachelors, der große Teile meines mir innewohnenden freiheitsgedanklichen Wildwuchses brandrodet und mich zu einer Wissens-Stopfgans drillt. Ich brauche das!  Schließlich will ich möglichst rasant auf- und aussteigen aus dieser beengenden Auswendiglern-Batterie in die nächsthöhere Wissenstrichterebene.


Die Zukunft gehört mir! 

Die Zukunft als infarktgefährdetete sinnverkackte Lernbiene; - als graduierter, studierter Ex-Individualist. Ja, ich werde irgendwann in verantwortungsvoller Position tätig sein, unterjocht von neuen Zeitmanagement-Systemen und Menschen in noch höheren Positionen. Aber zumindest wird dann endlich Geld fließen. Und zwar jede Menge Geld; - Geld wie Honig auf meine Kontoauszugswaben! Oh ja, ich werde baden in diesem alles versprechenden Anerkennungsnektar, für den ich mich doch gerne hier und da aufgebe oder wenn gefordert, auch ganz und gar!


Denn scheiß doch auf diese blöde Individualität, für die man sich doch ohnehin nichts kaufen kann! Scheiß auf den Gesinnungspunk, der ich irgendwann mal war! Scheiß auf diesen Gedichtschreiber für Arme und gescheiterte Linksparteiwähler.  Mir soll es endlich gut gehen! Mein Leben sehnt sich nach blühenden Landschaften – nach einem richtig fetten Wohlstandsbauch. Ich möchte ein selbstgerechter Kohlkopf werden, der ein Ehrenwort mit Waffenschiebern aushandelt, das noch etwas gilt! Mein Wort soll das Gewicht eines Elefanten im Weltporzellanladen haben. Ich brauche das! Und deshalb werde ich Macht gegen Ohnmacht eintauschen.

Ich robbe über jeden ausreichend geschmierten Weg und folge jeder gekauften Losung, bis hin zur völligen Selbstauflösung! Wenn es sein muss, erklimme ich sogar den niederträchtigsten Guttenberg und eigne mir ein bestialisch entstelltes Siegerlächeln an. So vertraut mir, ich hab das Zeug zu solch einem Schweinkram! Und wenn ich erst einmal soweit gekommen bin, dann spekuliere ich mit meinen eigenen Werten doch ohnehin wie mit irgendwelchen Derivaten. Ja, wenn ich es irgendwann geschafft habe, wird mein Leben ein profitables Termingeschäft sein und die Frau an meiner Seite ein grimassenhafter Vermögensgegenstand.

 

 

 

Wer weiß, vielleicht starte ich dann eine Karriere als Berufspolitiker und als allererste Amtshandlung gratuliere ich  einem Joseph Ackermann zu Spekulationsgeschäften mit Nahrungsmitteln auf Kosten der Ärmsten.  Scheiß doch die Ärmsten der Welt! Die hätten schließlich alle ihren Bachelor machen können!


Jawohl, ich gehe in die Politik! Und wenn sich mein korrumpierter Charakter in diesen heuchlerischen Gefilden ausreichend etabliert hat und ich das intrigante Polittheaterspiel irgendwann blind beherrsche und meine Rolle(n) jahrelang aalglatt gegelt durchgezogen habe, werde ich vielleicht von irgendwelchen Gesinnungslumpen zum Bundespräsidenten ernannt.

Und hey, dann ist alles möglich – angefangen von fremdbezahlten Luxussuiten bis hin zum zinslosen Kredit für ein mondänes Eigenheim!


Ja, man muss nur seinen kleinen inneren Schweinehund überwinden, um den Weg für die riesengroße innere Vorteilsnahmesau zu ebnen. Und als Niedriglohnpunk und Gedichtschreiber für Arme kommt man in diesem Leben halt  nicht weit! Und wer sagt denn, dass ich mir als Bundespräsident nicht auch weiterhin noch ‘ne Menge Mist zusammenreimen kann – und dann sogar äußerst gewinnbringend!

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