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Was soll auf (m)einem Grabstein stehen? ® Arne Pahlke, Januar 2011
Nicht umsonst raten einige Psychologen dazu, sich doch einmal in Ruhe oder auch ganz spontan eine Inschrift zu überzulegen, die man nach seinem Tod auf seinem Grabstein stehen haben möchte. Denn, mit einer solchen Empfehlung konfrontiert, gibt uns die Antwort darauf viel über unser Selbst preis. Wenn ich mir auf die Schnelle Grabsteininschriften für mich überlege, fallen mir spontan diese drei Entwürfe ein:
„…ich hab‘s versucht…“ oder: „Ich bin dann mal weg!“ oder: „Ich bin gescheitert auf ganzer Linie. Doch in diesen meinem großen Scheitern steckte all meine Hoffnung; all mein Glauben und all meine Liebe. Und deshalb bin ich in Würde gescheitert; und nun heilfroh, den ganzen Mist endlich hinter mir zu haben.
Die meisten Grabsteininschriften wurden bereits hunderttausendfach oder gar Millionen Male benutzt und haben somit etwas von abgeschmackten Sprüchen in Poesiealben. „Ruhe in Frieden“, „In tiefer Dankbarkeit“ oder auch immer wieder gerne genommen: „Ein erfülltes Leben hat sich vollendet“. Und auch die Mehrheit der religiös-butterigen Inschriften wiederholt sich ständig. Auf jedem zweiten Grabstein finden sich christliche Nachrufe wie: „Im Glauben an seinen Schöpfer und Herrn“, „Lebe in Christus“, „Im Glauben an die Auferstehung“ oder: „Dein Reich komme“. Über den Menschen, dessen Überreste unter dem Grabstein vor sich hinfaulen, ist mit alle diesen frommen Sprüchen nichts (aus)gesagt. Aber glücklicherweise finden sich heute immer mehr Grabsteininschriften, die aus der Masse der einfallslosen und dabei oft gottgefälligen Nachrufe hervorstechen. Inschriften, die tatsächlich etwas über einen Verstorbenen aussagen, und die somit viel eher berühren. Persönlich gefundene Worte von Hinterbliebenen oder gar von den Verstorbenen selbst, die dieser noch zu Lebzeiten niedergeschrieben hat, empfinde ich als eindeutig wert- und nachhaltiger, als jene inflationär genutzten austauschbaren pseudofrommen Sprüche.
Interessant wäre natürlich auch jene Option, in der man nicht selbst oder aber die direkten Hinterbliebenen über die eigene Grabsteininschrift entscheiden, sondern jene, die einen zu Lebzeiten am wenigsten leiden konnten. Dies würde den Unterhaltungswert eines Friedhofsbesuches auf jeden Fall deutlich steigern. Anstatt schwülstig religiöser Inschriften wie „Hier ruht in Gott“ oder: „Der Herr hat‘s gegeben - der Herr hat‘s genommen“, würde man Inschriften lesen dürfen wie: „Endlich ist der blöde Suffkopf verreckt!“ oder „Hier ruht die größte Schlampe Berlins“. Natürlich würde eine solche Option einen besonderen Akt der Gehässigkeit darstellen. Aber ist der Tod nicht generell eine gehässige Angelegenheit? Und wer den Schaden hat, braucht für den Spott bekanntlich nicht zu sorgen. Und würde es diese Möglichkeit geben, was würde dann wohl auf meinem Grabstein stehen? „Endlich ist dieser Irre tot!“, „… nach einem hoffentlich langen und schmerzvollen Todeskampf endlich in der Truhe“, „Ein Schwachkopf weniger!“ oder vielleicht auch: „Wenn es eine Hölle gibt, der hier hat sie verdient…“? Vielleicht wird es ja in nicht allzu ferner Zukunft sogar Grabsteine mit digitalen Displays geben, bei denen man die „Inschriften“ ständig aktualisieren oder anstatt einer Textbotschaft auch Bilder und Fotos einfügen kann. Das böte völlig neue Möglichkeiten. Ich meine, wenn ein naher Angehöriger frisch von einem gegangen ist, dann trifft eine Inschrift wie: „In tiefer Trauer…“ ja in der Regel auch zu. Aber zehn Jahre später, wenn z.B. eine einst leidende Witwe längst wieder neu geheiratet und mit ihrem aktuellen Mann überdies das große Los gezogen hat, dann könnte sie den Grabsteintext doch updaten. Schatzi, meine Trauer, sie ist nun überwunden, denn ich hab mein neues Glück gefunden! Liebe Grüße Deine Ex
Da ich mich nun aber dafür entschieden habe, nach meinen Ableben verbrannt zu werden, habe ich derartige Grabsteininschriften nicht zu befürchten, wobei mir diese letztlich aber auch am Arsch ...Verzeihung …an meinen verrottenden Beckenknochen vorbei gehen würden.
Und welche Inschrift hättest Du gerne auf Deinem Grabstein stehen? |
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,Melissengeist, 4. Januar 2011, - "Endlich ausschlafen!" wäre wohl das, was am meisten über mich aussagen würde...
Peti61- 4. Januar 2011, cool, worüber du dir Gedanken machst
chris08, 4. Januar - in Österreich war es sogar üblich, die Wahrheit auf den Grabstein zu meißeln. Da gibt es so lustige Sachen auf jedem Bergfriedhof. Mir persönlich würde der ich bin dann mal weg Spruch gut gefallen. Aber ich werde mir auf gar keinen Fall einen vorher ausdenken, denn wenn Psychologen das empfehlen, kann das nur scheiße sein. |
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® sämtliche Textrechte liegen bei Arne Pahlke/Wortmutation |
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