Wir reden darüber

Arne Pahlke, 2004

 

Wer von den phlegmatischen Sozialhilfeempfängern und den selbstverschuldeten Frührentnern oder den ehemaligen Arbeitnehmern im Faule-Haut-Exil erinnert sich trotz seiner fortgeschrittenen Alkohol- oder Drogensucht und trotz der sich galoppierend ausbreitenden Talkshow-Verdummung noch an die nachmittägliche Talkshow der Brillenschlange Ilona Chrisensen?

Diese hatte sich kurioserweise Jahre nach ihrem letzten öffentlichen Folterungsauftrag über eine Show ihres Kollegen Oliver Geissen ereifert, weil dieser Talkshowdreck Mitauslöser für ein tödliches Familiendrama gewesen sein soll. Dabei hat sich doch  lediglich einer von den in dieser Freakshow vorgeführten männlichen Teilnehmer Wochen nach der Aufzeichnung Scheidungsrichter mit Todesfolge gespielt. Hingegen wurden bei Ilona  bereits während der Ausstrahlung massenhaft aggressive Tendenzen bei den Zuschauern freigesetzt. Schließlich verkörperte diese Emanzenfregatte jenes Antifrauenbild, welches sich maßgeblich für zunehmende Potenzstörungen mitverantwortlich zeichnet.

Aber gegen Hans Meiser, jenen Palaverveteran des privaten Kloakenfernsehens, war Ilona geradezu ein Juwel der Fernsehunterhaltung. Meiser erinnerte mich lange Zeit an einen alten verlebten Transsexuellen, der leider nie genügend Kohle oder Mut (oder beides) für eine optisch ansprechende Geschlechtsanpassung zusammenbringen konnte. Nun, niemand muss  sich  schämen, wenn er Hans heißt und  Choleriker ist. Niemand muss sich schämen, wenn das eigene Körpergebilde einem großem Batzen Wackelpudding gleicht und wenn man keine drei Sätze am Stück (zumindest im Ansatz) wohlklingend auszusprechen vermag. Und niemand muss gleich im Erdboden versinken, nur weil er die Ausstrahlung eines angebrannten Topflappens besitzt. Schämen sollte man sich allerdings dann, wenn man trotz dieser Ansammlung von Unpässlichkeiten zu den Bestverdienern dieser Branche zählt. Und wenn man diesbezüglich dann noch völlig megaloman meint, dass dies völlig zu Recht geschehe. Nun, Gott sei Dank wurde Hansi’s Senil-Show irgendwann  eingestellt.

 

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Wie schön, dass es Talkshowmoderatoren wie Ricky Harris gab, jenem farbigen Wirbelwind, mit dem Charme eines freilaufenden Schimpansen auf Ectassy. Mit seinem infantilen "Heehey! Herzlich willkommen zu Hause!" hangelte er sich werktäglich die Showtreppe hinunter und dabei setzte er abstruse Wortbrocken in Fisher-Price-Manier zusammen,die niemand verstand.

Aber war das wichtig? Nein!

Es handelte sich schließlich nur um eine weitere behämmerte Talkshow, wie es sie in den 90ern massenweise gab. Und wer schert(e) sich bei einer dieser Shows schon um den Sinngehalt eines gesprochenen Wortes? Es reichte vollkommen aus, wenn der lustige Schokokussmann vor einem seiner übeslt gutgelaunten Zuschauer stehen blieb und diesen entgegen schrie:

 "High give me Five! Uuuuuuuuund...whoohohoho", um Sekunden später seinen ersten Studiogast zu begrüßen.

Und dies konnte dann auch ein Bombenopfer ohne Arme sein, welches er dann mit demselben amerikanischen Begrüßungsverfallritual zu belästigen gedachte; -  allerdings ohne Erfolg.

 

Vera am Mittag, die Miss Piggy für verzweifelte Erwachsene.

Bärbel Schäfer, die  Mutti Beimer der Pickelgeneration.

Peter Imhoff, der Mann mit dem Charme eines Schrottwagenhändlers

Oder erinnern wir uns an Johannes B. Kerner, der lebende(?) Beweis dafür, dass Langeweile mehrheitsfähig und damit öffentlich rechtlich ist. Und dann wäre da noch Sonja Zietlow, die mich in ihrer Anfangszeit immer ein wenig an die fleischgewordene Lara Croft erinnerte, auch wenn sie mit deren Vorbau nicht wirklich konkurrieren konnte. Uns Sonja ist ja zwischenzeitlich  zur Ober-Dschungelaufseherin aufgestiegen, an der Seite eines bis zum Bersten aufgepumpten Bonsai-Monsterreifens Namens Dirk Bach. Ok, Aufstieg und Fall; - dies ist und bleibt eine Frage des Sichtwinkels.

Apropos Sichtwinkel: Andreas Türck fand die Rolle des Vorführers eines fast zahnlosen Analphabeten mit Sicherheit bedeutend unterhaltsamer, als Jahre später wegen eines Triebdelikts vor Gericht zu stehen. Nun, er könnte mit seiner Geschichte zu Jürgen Fliege gehen, um bei dieser Schmeißfliege sein Herz auszuschütten. Doch, bei all meiner tiefen Abscheu gegenüber den Quotennutten, eine solche Vorführung hätte der Andi nicht verdient.

In diesem Sinne: Passen Sie gut auf sich auf!

Und Fliege(n) klatschen ist erlaubt!

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