Wo die wilden Kerle wohnen

Produktionsland: USA

Erscheinungsjahr: 2009

Altersfreigabe: FSK 9

Laufzeit: 96 Minuten

Genres(s): Fantasy, Abenteuer, Drama, Kinder-/Familienfilm

Regie: Spike Jonze

Besetzung: u.a.  Catherine Keener, Max Records, Mark Ruffalo, Alice Parkinson, Angus Sampson, Robby D. Bruce, Steve Mouzakis

 ® Arne Pahlke, 2011

Als ich den Filmtitel erstmals hörte, dachte ich spontan an eine neue Schwulenklamotte aus Deutschland im Stil von Birdcase & Co. Doch tatsächlich erzählt dieser sympathische Film die Geschichte des kleinen sensiblen Max, der sich nicht nur von der ganzen Welt unverstanden fühlt, sondern der auch ständig (erfolglos) um die Aufmerksamkeit seiner Mutter und Schwester buhlt. Und weil diese ihm für sein Gefühl viel zu wenig davon entgegenbringen, neigt Max zu temporären Zornesausbrüchen oder zieht sich schmollend in seine Phantasiewelten zurück. Und als seine Mutter es dann eines Abends auch noch wagt,   einen neuen Freund mit nach Hause zu bringen, brennen bei dem kleinen Max die Sicherungen durch. Wie von Sinnen springt er auf den Küchentisch, schreit seine Mutter an und beißt sie schließlich heftig. Als diese ihrem Sohn daraufhin zur Rede stellen will, flüchtet Max aus dem Haus in die Nacht. Und bei seinem ziellosen Umherlaufen stößt er auf ein Ufer,  an dem ein kleines Segelboot anliegt. Max steigt in das Boot und treibt darin tagelang über ein Meer, bis er auf eine Insel stößt … und zwar auf die Insel, wo die wilden Kerle wohnen.

 

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Als Vorlage für diesen Film, der eine gelungene Mischung aus Abenteuer-, Fantasy, Drama und Kinderfilm darstellt, diente das gleichnamige  (“Where the Wild Things Are”) Bilderbuch des Illustrators  Maurice Sendak.

Es gibt viele Dinge, die diesen Film zu einem sehenswerten Film machen. Da wäre z.B. die wirklich liebevolle Charakterzeichnung der wilden Kerle (und wilden Mädels) zu erwähnen, die allesamt ihre (z.t. herrlich grotesken) Schrullen aufweisen. Und auch das Mienen- und Gebärdenspiel der wilden Kreaturen darf man als äußerst gelungen bezeichnen. Überdies hat der Film einen liebenswerten, gleichzeitig aber auch wunderbar anarchischen Humor, der eine Pippi Langstrumpf wohl des öfteren mit offenem Mund dastehen lassen würde.

Der eigentliche Star dieses Films ist (für mich) aber ganz klar Brothers Bloom. Dieser Knirps spielt den sensiblen Max absolut  hin- und mitreißend und erinnert mich von seinem Temperament ein wenig an den kleinem Elliot in „E.T.- der Außerirdische“. Wenn Max auf der Insel der wilden Kerle, die in ihm lebende Phantasie endlich anarchisch ausleben darf und dafür  jede Menge Beachtung und Wertschätzung findet; - und wenn seine Augen daraufhin ein Funkenfeuer entfachen und er außer sich vor Glück herumt(r)ollt; - in solchen Augenblicken wurde ich beim Zuschauen selbst wieder  zum Kind.  

„Wo die Wilden Kinder wohnen“ ist aber kein reiner Kinderfilm!

Und zwar ebenso wenig, wie die wilden Kerle putzigen Viecher sind, die keinem Wesen etwas zuleide tun können. Es ist vor allem ein Film über Phantasien und  Ängste, mit Momenten voll von überbordender kindlicher Ausgelassenheit, die häufig nahtlos  übergehen in Augenblicke voller Melancholie und Wehmut. Und es ist ein Film über das Einsam sein und den Wunsch zu einer Gruppe dazuzugehören - akzeptiert zu sein - und nicht ausgeschlossen zu werden.

    9 von 10 Punkten

 

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