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Wo ist der Geschmack von früher geblieben?
Und so fiel mir die Entscheidung nicht immer ganz leicht, zu welchen Bäcker ich denn nun gehen sollte. So gab es bei dem Bäcker im Reinbeker-Sachsenwald-Einkaufszentrum die Rumkugeln, nach denen ich mich so sehr verzehrte. Doch bei der Schlachterei Grothe, der sein Kuchensortiment von einer ortsnahen Bäckerei bezog, lockte mich der Mohnkuchen nicht minder verheißungsvoll. Und im alten Stadtkern Reinbeks gab es den Konditor, der mit diesem gar köstlichen Baumkuchen und dieser unikalen Nusstorte in seinen Auslagen frohlockte.
Na super, „selbstzubereitete“ Sauce, die man nicht einmal mehr aufkochen muss – auch wenn sie dafür nach ausgelaufenem Brustimplantat schmeckt. Aber hey, dafür ist sie jetzt schließlich herrlich schnell zubereitet! Ja, Schatz, das ist natürlich ein Argument, dem man sich kaum entziehen kann. Und schau nur, Bratkartoffeln mit Ei, Schinken- und Speckwürfeln, die selbst in einem ungekühlten Regal über ein Jahr lang haltbar sind. Krass! So etwas funktioniert natürlich nur Dank Food-Designing! Erlaubt scheint, was der Lebenmittelindustrie einfällt! Und scheinbar gibt es keine Grenzen bei der “Geschmacksoptimierung” in Lebensmittellaboren. Zumal ja immer mehr Menschen regelrecht darauf fliegen, wenn du ihnen ein durch und durch ungesundes Stück Lebensmittel zum Fraß vorwirfst, wenn du ihnen vorher nur auf die Verpackung schreibst: „Neue verbesserte Geschmacksformel!” Dabei sollte uns ein solcher Vermerk generell eher vor einem Kauf abschrecken, da gesundes, nahr- und schmackhaftes Essen sicherlich keiner ständig neuen Formeln bedarf. Hingegen suchen Produzenten von minderwertigem Drecksfraß natürlich ständig nach neuen Geschmacksver(w)irrungen, um von der Minderwertigkeit ihrer Erzeugnisse abzulenken!
Kennt z.B. noch irgendjemand das Majala-Zitronendessert aus den 70ern, bei dem die Hausfrauen noch selbst Eiweißschaum unterrühren, eine Zitronenkapsel auflösen und die Zitronenmelasse zum Kochen bringen mussten? Dieser immense Aufwand war den immer taffer werdenden Hausfrauen irgendwann natürlich nicht mehr zuzumuten. Also wurde flugs ein neues Majala-Zitronendessert designt - nun ganz ohne kochen, ganz ohne Eiweißschaum – und leider auch so ganz und gar ohne den tollen Geschmack von früher.
Wir Menschen solidarisieren uns eben einfach, mit den von uns geschändeten Nutztieren - und die fressen schließlich auch alles, was man ihnen in den Trog füllt. Mohltied! |
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Chris08, 9 Januar 2012 - Meine Omi ist 88 und kann nicht mehr kochen, meine Mutter ist 62 und tut es noch, aber meine Schwester kann es schon nicht mehr. Meine Frau war auf der Haushaltsschule, aber niemals brachte sie unseren Töchtern bei, mehr zu tun, als gelbe Packungen aufzureißen. Wir werden die letzten sein, die noch wissen, was Essen ist. Außer denen natürlich, die sich den drei Sterne Koch leisten können. Irgendwie hast Du mir gerade den Tag versaut, ich hatte schon begonnen, diese traurige Entwicklung zu vergessen, zu akzeptieren... Verbalkanone, 9 Januar 2012 - *Autsch* ...! Ich mochte zwar niemals nie Rumkugeln (WI-DER-LICH! Mein Wellensittich hat sich mal an einer angebissenen, auf dem Tisch herumliegenden Rumgugel besofffen, weil dieses kleine Federmistvieh alles probieren musste ...) und auch Mohnkuchen finde ich geschmacklich grenzwertig, aber für eine echtes Stück Lübecker Nusstorte würde ich glatt einen Mord begehen ... also, so rein theoretisch! ;D Dein Eintrag ist toll, Mister Windzug, transferiert er mich doch beim Lesen in meine eigene Kindheit in Hamburg zurück. Jetzt bin ich wehmütig und denke darüber nach, was ich geschmacklich alles verloren habe ... *Seufztherzzerreissendundlaut.* Robbi,10 Januar 2012 - alles wird immer... b**********. Das ist nicht nur bei den Bäckereien und Metzgereien der Fall. Es betrifft ALLES! Die Kneipen, die Gaststätten.. alles. :-( Die Großketten übernehmen die Macht und zerstören das Kleine. Die Identität stirbt... auch in der Musik. Konkalit, 14 Januar 2012 - Recht hast du mal wieder, den Schuh muss ich mir als Anhänger einer jüngeren Generation auch anziehen. Ich beherrsche zwar noch, anders als viele noch jüngere Kaliber noch einige passable Kochkünste dank meiner langjährigen Ausbildung als Single *g* aber wie oft wird einem auch vor Auge geführt wie verdorben eigentlich schon alles ist. Egal in welchem Bereich, alles ist chemisch behandelt, Tiere zurecht gezüchtet und mit Konservierungsstoffen und Zusatzmitteln "genießbar" gemacht. Selbst Babys kriegen im Babybrei schon mittels "Vanille" schon den Geschmack auf Süßigkeiten eingeimpft wie ich mal erfahren habe. Obgleich es einer der wichtigsten Bereiche ist, der unser Leben und unsere Gesundheit betrifft, wird in kaum einem anderen Sektor soviel Schindluder getrieben wie in der Nahrungsmittelbranche, ob Gammelfleisch, illegale Nahrungsmittelzusätze, Lügereien bezüglich Gewicht und Preis/Leistungsverhältnis und und und. Und auch das Wissen darüber wie "richtige" und "unbehandelte" Nahrungsmittel überhaupt schmecken geht verloren und was diese eigentlich sind. Ein anderer Bericht zeigte mal dass jüngere Kinder tatsächlich der "H-Milch" den besten Geschmack attestierten. Das war für mich schon einigermaßen unverständlich, wobei ich selbst aber auch nie in den Geschmack einer "Vorzugsmilch" gekommen bin, eben weils diese wohl kaum noch irgendwo gibt und wenn dann zu einem üppigen Preis. |
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