Woher

 

 

Woher schöpfe ich eigentlich die gottverdammte Kraft

mich noch immer lebendig zu fühlen?

Woher rührt sich der Zwang, das ich meine, Luft holen zu müssen,

obgleich ich doch all meine Lebensadern radikal veröden ließ?

Meine von mir zu heiß gewaschene Vergangenheit

lastet auf mir, wie ein Wäschekorb voll von Metastasen;

lastet auf mir, wie ein Fangnetz unter betonierten Manegenboden.

In mir wuchern räuberische Nachtschattengewächse,

die alles für sich vereinnahmen und unter sich begraben;

und die mich wie Seelenfressende Lianen umschlingen,

bis mir mein Herz wieder einmal bis hinauf in den Hals schlägt.

KABUMM KABUMM KABUMM KABUMM

Der zähe Muskelpudding hämmert ein dumpfes Kanonenfeuer,

unter meiner ausgebrannte Hülle.

Ich sehe eine Ruine, in der hohlwangige Kinder

entwurzelt an glühenden Wänden kleben.

Unfähig, ihrer Apokalypse zu entkommen.

Ich sehe sie, wie sie mit zersplitterten Beinstümpfen

in einem kochenden Sumpf einer Altlast versinken.

Mein Herzschlag schwingt sich dazu taktvoll

wie ein beißendes Fegefeuer

durch die Aschefelder meiner Hoffnung.

Und ich sehe, ich bin eines dieser Kinder in den Ruinen,

inmitten meiner ausgebrannten Hülle.

 

foto by  Andreas Praefcke

 

Woher nehme ich eigentlich den gottverdammten Glauben,

dass ich meine kindischen Träume jemals werde leben können?

Woher nehme ich mir überhaupt die Zuversicht, Glauben zu können?

Meine Ziele beginnen zu wanken, zu verschwimmen,

sie verlaufen in einem nie versiegenden Tränenmeer.

Wann begegne ich endlich diesen einen wissenden Augenblick,

der mir offenbart, was für mich machbar ist;

der all meine Zweifel, all meine Unklarheiten

in eine schützende Gewitterwolke bündelt,

um sie dort in feurige Blitze des Lebens zu verwandeln,

die Licht in meine Finsternis tragen?

Woher nehme ich eigentlich die gottverdammte Hoffnung,

auf einen solchen Augenblick noch immer zu warten?

Woher ?    © Arne Pahlke, Januar 1996

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Konkalit 21. Februar 2009 - Der Körper existiert auch ohne Seele, er funktioniert wie eine Maschine, monoton und routiniert, nunja solange bis irgendein irreparabler Schaden eintritt, der Schaden der Seele kann das aber eigentlich nicht sein, es muss vielmehr ein Bagatellschaden sein, kaum mehr als die Verbeulung einer Karosserie sonst würden nicht soviele Seelisch Tote und Marode umher wandeln und sich diese Frage stellen. Möglicherweise kämpft unser Geist bis zuletzt einen verzweifelten Kampf indem er sich weigert sich einzugestehen dass dieses alles wirklich sein kann. Diese Welt so wie sie ist, so weiter existiert und kein Happy End in Sicht ist.

® sämtliche Textrechte liegen bei Arne Pahlke/Wortmutation