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Wohin gehen, im sich weitenden Niemandsland...
Wohin gehen, im sich weitenden Niemandsland?
Alle haben sie Ratschläge für die Verlierer parat, und übersehen dabei ihre eigene Leere. Und sie übersehen, dass es wahrlich keine Niederlage ist, wenn jemand ein Spielfeld verlässt, dessen Spiel er nicht mehr mitspielen will oder vielmehr nicht mehr mitspielen kann, weil dessen Regelwerk ein riesengroßer Betrug ist, der ihm traurig und krank macht.
Doch eine nicht mehrheitsfähige Wahrheit ist nicht die Wahrheit! Und genau das ist die erbarmungslose Wahrheit dieser Welt!
Vor ein paar Tagen sagte ein Politiker die Wahrheit, als er sagte, dass der Kapitalismus zu weit geht. Und daraufhin wurde er von einer machtfähigen Masse glatt gebügelt.
Eine nicht mehrheitsfähige Wahrheit ist nicht die Wahrheit, Herr Genosse!
Und wo immer viel Geld ist, da rottet sich eine Mehrheit zusammen, selbst dann, wenn das viele Geld von einer Minderheit verwaltet wird. Der Sozialismus ist doch vor allem deshalb gescheitert, weil er von kapitalistischen Gedankengräbern verraten wurde. Und er scheiterte nicht etwa, weil er weiter von der Wahrheit entfernt war, als etwa der Kapitalismus, der, um so länger er gelebt wird, umso wahrscheinlicher in die menschliche Apokalypse führt.

Wohin gehen, im sich weitenden Niemandsland? Wovon reden, wenn alle Menschen meinen, das sie alles schon einmal gehört haben? Wovon noch träumen, wenn alle Träume verraten werden, noch ehe sie zarte Blüten tragen? Aus jedem glanzvollen Grundgedanken modulieren geldgierige Hersteller ihre geistlosen Produktlinien. Jede gute Idee wird verkauft, jedem edlen Geistesblitz das Leben ausgelöscht. Die Masse Mensch giert ständig nach Neuheiten, ohne das Beständige auch nur im Ansatz begriffen zu haben. Ob nun Radio, Fernsehen, Chats, Homepages, Weblogs, immer schneller wächst das Kommunikationsportal der Welt. Doch die Mitteilungs- und Konversationsfähigkeit des Menschen wächst nun einmal nicht durch die Bereitstellung ständig neuer Instrumente, sondern sie wächst allein durch beharrliches Auseinandersetzen mit der eigenen Unvollkommenheit.
Ich schaue mich um und ich sehe überall nur Einfalt. Und dieser Einfalt fällt ständig nur ein, Ratschläge für die Verlierer parat zu halten, und übersieht dabei ihre eigene Leere.
Ich will mir nicht helfen lassen, von einer Masse, die Hilfe viel nötiger hätte, als ich sie je haben werde. Ich vertraue lieber auf die Wahrheit in mir.
Lieber Osho, du sagst, ich soll zurück auf den Markplatz, ich soll mich unter die Leute mischen, dabei aber keiner von ihnen sein.
Lieber Osho, ich mag doch keine Marktplätze mehr sehen, und auch nicht jene Waren, die sich die Menschen dort kaufen, und sich für diese verbiegen und zerbrechen lassen.
Doch gerne würde ich mir einen Menschen von diesem Markplatz auswählen dürfen, der sich mir mir, im sich weitenden Niemandsland, der Wahrheit verschenken will, jener Wahrheit, die weh tut, und die keiner Mehrheit bedarf, sondern die all ihre Klarheit aus sich selbst schöpft.
Lieber Osho, ich weiß, das all dies noch Zeit hat, und ich mein Ego zügeln muss, und das die Wahrheit bislang noch jede Lüge überlebt hat. © Arne Pahlke, April 2005
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