Zuhause

Arne Pahlke, August 2001

 

Wenn ich endlich

meinen von mir geschundenen Körper

abgestreift haben werde,

und dich dann jemand fragen sollte, wer ich war.

 

So erzähl ihm bitte:

Er war ein ungezähmtes Tier,

er war voller Leben,

war voller Triebe

und wunderbar roh.

 

Verschweige ihnen bitte,

dass ich unfrei wurde,

mich an diesen lächerlichen Verstand verlor,

der bereits Millionen Menschenwölfe vor mir

in den Selbstmord trieb.

 

Wenn ich endlich zurückgegangen bin,

wo ich mein Leben lang hin wollte

und dich jemand fragt, wo dieser Ort ist.

 

Richte diesen Menschen aus:

Er ist endlich Zuhause,

wird von seiner Mutter abgeleckt,

und von seinem Vater wohl behütet.

 

Verschweige ihnen bitte,

dass ich lange Zeit ein großer Zauderer war,

meine Augen blind wurden

für die Schönheit der Welt.

 Foto von Gerd Altmann_pixelio.de

Verschweige ihnen bitte,

dass ich mich selbst zerfleischte,

weil mein unbändiger Hunger nach Einsamkeit

nur eine Flucht vor der Wärme meines Herzen war.

 

Wenn du dich meiner Seele erinnerst

und du dich fragst:

Wie konnte das alles geschehen?

So glaube mir: Mir geht’s gut, wo ich jetzt bin.

Die Hölle, sie liegt hinter mir.

Es gibt keinen Grund, traurig zu sein.

 

Nur, wenn alle Welt vergessen hat, dass ich je existierte,

und niemand mehr nach mir fragt, nicht einmal du,

so habe ich umsonst gelebt

und darf nirgendwo Zuhause sein.

 

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