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Zwei Kläffer im Park © Arne Pahlke
Gestern Nachmittag vernahm ich während meines Laufs ein kurzes sirenenartiges Hundegejaule, woraufhin sich sämtliche Hundehalter mit den Ausscheidungen ihrer verhaltensgestörten Kläffer beschmierten. Anschließend lief mir zirka alle fünf Meter ein kackbraun bemaltes Tierhalterarschgesicht über den Weg. Und sie alle trugen einen unsichtbaren Maulkorb und eine Hundemarke um ihren Ringfinger.
Und natürlich hielt sich mal wieder niemand an den staatlich verordneten Leinenzwang. Nicht nur, dass die Hundehalter unangeleint herumliefen, was bereits eine unzumutbare Gefährdung des öffentlichen Lebens darstellte, sondern diese ließen ihre Hundescheißwürmer ebenfalls frei durch den Stadtpark tollen.
„Der tut ihnen nichts, der will nur spielen“, rief mir eine etwa dreißigjährige Frau mit einem verunglückten Lachen zu. Und ich weiß nicht mehr, was mich mehr beunruhigte. Waren es ihre hysterischen Augen oder ihr verfetteter Rottweiler, der entschlossen auf mich zustürmte, als wäre ich der fehlende Teil seines deformierten Körpergebildes, dass er sich augenblicklich einzuverleiben gedachte.
Skeptisch blickte ich in die unheilvollen Sehschlitze, des sich mir nahenden Ungetüms auf vier Pfoten, welches ich mir in diesen Augenblicken fein zerkleinert in einem gut vorgeheizten Riesenwok wünschte. Stattdessen aber lief dieser fette hechelnde Braten mit heraushängender Sabberzunge über das saftige Grün, auf dem er zuvor bereits einige Zentner seiner Kacke verteilt hatte. Und nun beschäftigte sich dieser Vierbeinerkastrat damit, indem er jeden zweiten Menschen, der seinen Wirkungskreis kreuzte, in dieser allseits bekannten impertinenten hündischen Weise ansprang.
Und deshalb war ich der Meinung, folgende freundlichen Worte in Richtung der Hundehalterin verlieren zu müssen:
„Es ist mir doch scheißegal, ob ihre fette hässliche Mutantenratte mit mir spielen will, da ich mich mit dieser verzüchteten Rollkommandovorrichtung definitiv nicht anfreunden werde! Ich bin hier im Park unterwegs, um zu laufen. Und ich habe keinen Bock, dass mich andauernd irgendwelche widerwärtigen Stinkmonsterauswüchse anspringen, nur weil sie meinen, es wäre ihr hündisches Recht. Und deshalb ist es mir auch scheißegal, ob ihre Sabbermissgeburt freien Auslauf braucht, denn auch ich brauche meinen freien Auslauf. Aber deshalb springe ich noch lange keine wildfremden Menschen an. Und ich bekomme dafür auch keinen Freibrief von meinen Eltern ausgestellt, die mir darin bescheinigen, das dieses Verhalten schließlich in meiner Natur liegt. Wenn dieser missglückte Entwurf eines Kotverteilers also unbedingt freien Auslauf benötigt, dann besprühen sie diese klobige Fleischeinlage doch mit ein paar Tropfen Karnickelduft. Anschließend können sie ihr Hündchen von einigen schießwütigen Jägern in die ewigen Jagdgründe auslaufen lassen. Ich wäre dann sogar so freundlich und würde ihrer Töle anschließend das verlauste Fell über die Ohren ziehen. In dieses könnte man anschließend ihre dumme Göre einwickeln, die mir gerade mit ihrem Schokoladeneis meine teure Sporthose verdreckt hat. Und dies tat sie sicherlich nur, weil sie ihrer Tochter einen nicht zu korrigierenden Haltungsschaden antrainiert haben, so wie sie es auch bei ihrem Hund taten.“
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„Was ist denn mit ihnen los?“, bluffte die Hundehalterin mich daraufhin entgeistert an: „Haben sie nicht mehr alle Tassen im Schrank?“ Und während sie diese Worte sprach, versuchte sie ihren Rottweiler zu beruhigen, der mich mittlerweile auf diese typisch gehässig, vertrottelte hündische Weise anbellte, als hätte er einen Sprung in seinem minderwertigen Kläfferhirn.
„Jetzt leinen sie gefälligst ihre beiden stinkenden Bestien an! Oder von mir aus verfüttern sie ihre kleine zurückgebliebene Tochter an ihren vierbeinigen Fleischwolf, da Hundehalterinnen, wie sie es eine zu sein scheinen, ja besonders häufig dämliche Hundehalterinnen nachzüchten. Wenn sie also jetzt und hier ihre Tochter opfern, so täten sie etwas fürs Gemeinwohl.“
Daraufhin schaute mich die Frau noch fassungsloser an, als sie es zuvor bereits tat: „Wie bitte?“, brachte sie lediglich und mit offen stehendem Mund hervor.
„Na, schauen sie sich doch ihre hässliche Göre an! Wenn die sich nur noch ein Stück weit in Richtung ihrer Mutter entwickelt, dann wird sie doch ohnehin eingeschläfert. Und nun entfernen sie umgehend ihre Speichelschleuder aus meinem Dunstkreis oder ich erspare ihnen fortan die Zahlung der Hundesteuer“, schrie ich aus voller Kehle, als ich plötzlich wieder jenes kurze und dabei seltsam sirenenartig klingende Hundegejaule vernahm, woraufhin ich mich äußerst vorsichtig zu dem wirklich süßen Rottweilerrüden hinabließ und ihm an seinem wunderbar kräftig ausgebildeten Nacken kraulte: „Oh, da haben sie aber einen wirklich schönen Hund“, gurrte ich in Richtung einer Frau, der gerade ihr Kind davonlief, welches freudestrahlend auf mich zustürmte.
„Entschuldigung, dass Benno sie angesprungen hat. Pfui, Benno! Aus, Benno! Dieser Hund ist einfach unverbesserlich ….“, hechelte sie ihre Entschuldigung in einer Leichtigkeit, als wäre ihr diese bereits in Fleisch und Blut übergegangen. Und noch bevor sie ihre Abbitte ausgesprochen hatte, erreichte mich bereits ihre kleine Tochter und drückte mir versehentlich ihr Schokoladeneis an meine weiße kurze Laufhose, die sich daraufhin an äußerst ungünstiger Stelle kackbraun färbte.
„Ach, Sandra“, kannst du denn nicht aufpassen“, zischte die Frau ihre kleine und wirklich sehr niedlich aussehende Tochter an. „Schau nur, was du mit dem Mann gemacht hast!“
„Aber ich bitte sie …“, spielte ich die Situation in galanter Weise herunter. „Das ist doch gar kein Problem. Kinder und Hunde sind nun einmal etwas unberechenbar“, meinte ich lächelnd; - fügte aber gleichzeitig und für sie nicht hörbar hinzu: “ … Erwachsende aber auch …“, woraufhin sich wieder dieses sirenenartige Hundegejaule in meinen Ohren festbiss, welches nun aber aus mir selbst zu kommen schien.
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